Johann Wilhelm Schwedler (1823 – 1894) Biografie

Die vorliegende biografische Ausarbeitung Schwedlers beruht vorwiegend auf zwei literarische Werke von August Hertwig (1872-1955). Hierzu zählt „Johann Wilhelm Schwedler. Sein Leben und sein Werk“ aus dem Jahre 1930 (siehe HERTWIG 1930) sowie „Leben und Schaffen der Reichsbahn-Brückenbauer. Schwedler, Zimmermann, Labes, Schaper“ von 1950 (siehe HERTWIG 1950). Die darin enthaltenen Informationen geben eine grundlegende Übersicht des Werdegangs Schwedlers sowie der von ihm verfassten Abhandlungen und projektierten Bauwerke wieder. Weiterhin waren die ausgeführten Teilüberschriften in den beiden Werken Hertwigs richtunggebend für die hier ausgearbeitete Gliederung. Die nachfolgende tabellarische Biografie soll dem Überblick dienen. Darin nicht erfasst sind das Familien- und Privatleben Schwedlers. Hierauf wird in der textlichen Biografie näher eingegangen.

Biografie
JahrEreignis
1823Am 28. Juni Geburt von Johann Wilhelm Schwedler in Berlin-Mitte, Bundesland Berlin, Deutschland (damals: Königreich Preußen).
1837Bis 1842 Besuch der Friedrich-Werderschen Gewerbeschule, Berlin.
1842Am 30. September Schulabschluss in Berlin mit dem Zeugnis der Reife (heute: Abitur).
1842Am 15. Oktober Beginn einer Feldmesser-Lehre bei einem Landmesser in Perleberg, Brandenburg, Deutschland (damals: Königreich Preußen).
1844Absolvierung der Feldmessprüfung am Ende seiner Lehre mit der Qualifikation als Feldmesser.
1844-1846Arbeiten beim Bau der Eisenbahnlinie zwischen Potsdam und Groß Kreutz (beide in Brandenburg, Deutschland; damals: Königreich Preußen).
1846Vorprüfung zum Land- und Wasser-Baumeister.
1846Einjähriger Bauinspektor-Kurs an der Berliner Bauakademie.
1846Beitritt zum Berliner Architekten-Verein.
1846Veröffentlichung seiner ersten wissenschaftlichen Abhandlung: „Über die statischen Prinzipien der Konstruktion eiserner Dachgebinde über weite Räume und die Entwicklung der Konstruktionssysteme aus denselben“. Erschienen im Notizblatt des Architektenvereins zu Berlin.
1847Vorprüfung zum Land- und Wasser-Bauinspektor.
1847-1850Mitwirkung am Bau der Greifenhagen-Bahner Chaussee mit 19 Brücken auf der Hauptstraße und 30 Seitenbrücken. Beide Orte heute in der polnischen Woiwodschaft Westpommern liegend und Gryfino und Banie genannt (damals: Königreich Preußen).
18501. Preis bei der Teilnahme am internationalen Wettbewerb für eine Rheinbrücke zwischen Köln und Deutz, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (damals: Königreich Preußen). Deutz damals noch ein eigenständiger Ort, heute der rechtsrheinische Teil der Kölner Innenstadt.
1851Veröffentlichung der „Theorie der Brückenbalkensysteme“ im ersten Jahrgang der Zeitschrift für Bauwesen.
1852Nachprüfung zum Land- und Wasser-Bauinspektor. 2. Staatsprüfung.
Ab 1852Mehrjährige Tätigkeit als Bauleiter in Siegburg, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (damals: Königreich Preußen).
1855-1858Abteilungsbaumeister bei der Köln-Gießener Eisenbahn (Gießen, Hessen, Deutschland (damals: Großherzogtum Hessen)). Zuständiger Bauleiter der Eisenbahnteilstrecke Köln-Eitorf (Köln und Eitorf, beide Städte in Nordrhein-Westfalen, Deutschland (damals: Königreich Preußen)).
1858Nach Ernennung zum Königlichen Eisenbahnbaumeister: Dienstantritt im Technischen Büro der Abteilung für Eisenbahnangelegenheiten des Ministeriums für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiten in Berlin.
Ab 1858Hilfslehrer für Maschinenbau an der Berliner Bauakademie.
1861Ernennung zum Eisenbahn-Bauinspektor.
1863Bau der ersten Schwedler-Kuppel auf einem Gasometer in der Holzmarktstraße in Berlin-Friedrichshain.
Ab 1864Tätigkeit als Examinator an der Berliner Bauakademie bei Bauausführerprüfungen in angewandter Mathematik und Feldmesskunst sowie bei Baumeisterprüfungen in höherer Analysis, analytischer Dynamik und Geodäsie.
1865Ernennung zum Regierungs- und Baurat, sowie zum Vorsteher des Technischen Büros der Abteilung für Eisenbahnangelegenheiten.
1865Entwurf der ersten Dreigelenkhalle im Rahmen eines Hallenneubaus für das Hammerwerk II des Bochumer Vereins in Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (damals: Königreich Preußen).
1866Veröffentlichung über „Die Construction der Kuppeldächer“ in der Zeitschrift für Bauwesen.
1866Erweiterung seiner Lehrtätigkeit mit der Stelle für „Höhere Baukonstruktionslehre und Brückenbau“ an der Berliner Bauakademie.
1867Auszeichnung mit der Goldmedaille bei der Pariser Weltausstellung von 1867 für die Weserbrücke bei Corvey (Höxter), Nordrhein-Westfalen, Deutschland.
1868Am 29. Juni Ernennung zum Geheimen Baurat und Vortragenden Rat im Ministerium für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiten.
1870Berufung in den Redaktionsausschuss der Zeitung für Bauwesen.
1873Ernennung zum Geheimen Oberbaurat.
1873Rücktritt von seinen Lehrverpflichtungen aufgrund seiner gestiegenen Verantwortlichkeiten im preußischen Beamtenapparat und seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten.
1876Entsendung Schwedlers vom preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeit in die USA zum Studium der dortigen Brücken- und Eisenbauten.
1876Besuch der Weltausstellung in Philadelphia, Pennsylvania, USA als Offizieller.
1878Technischer Entwurf für die Hebung und Drehung des Kreuzberg-Denkmals in Berlin, ein Werk von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) aus dem Jahre 1821 als Denkmal für die Befreiungskriege (1813-1815).
1881Ehrung mit dem Großen Offizierskreuz, ein Orden der italienischen Krone für Kunst und Wissenschaft.
1883Ehrung mit der Goldmedaille für Verdienste um das Bauwesen.
1888Am 9. November Erleiden eines leichten Schlaganfalls.
1891Am 1. März Eintritt in den Ruhestand nach 43-jähriger Dienstzeit.
1894Am 9. Juni Ableben Johann Wilhelm Schwedlers in Berlin.

Ausführliche Biografie

Lehrjahre. Schulische Ausbildung

Johann Wilhelm Schwedler wurde am 28. Juni 1823 als Sohn eines Tischlermeisters in Berlin-Mitte, Deutschland (damals: Königreich Preußen) geboren. Er war der jüngste von vier Brüdern. Nach der Elementarschule besuchte der junge Schwedler von 1837-1842 die Friedrich-Werdersche Gewerbeschule in Berlin, die er mit erfolgreicher Reifeprüfung abschloss. Angeregt durch seinen Lehrer und späteren Freund J. A. W. Roeber (†1891), bildete sich das Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften bereits in dieser Schulzeit heraus. Infolgedessen beschloss Schwedler sich zum Feldmesser ausbilden zu lassen und sich damit dem Baufach zu widmen. Die Lehre zum Feldmesser erforderte ein zusätzliches Examen in lateinischer Sprache, welches Schwedler außerhalb der Gewerbeschule absolvierte. 

Während der ersten Lehrjahre verstarb Schwedlers Vater. Bei der weiteren Ausbildung wurde Schwedler von seinem älteren Bruder Johann Gottlieb Schwedler (1805-1859) unterstützt. Dieser war, nachdem er 1834 seine Qualifikation als Land- und Wasserbau-Inspektor erlangte, 1843 nach Köln gewechselt und arbeitete dort als Bezirks-Wasser-Beamter.

Lehrjahre. Feldmesserausbildung und erste praktische Arbeiten

Auf die Schulzeit folgten von 1842-1844 die ersten praktischen Lehrjahre bei einem Feldmesser in Perleberg, Brandenburg, Deutschland (damals: Königreich Preußen). In dieser Zeit vermaß Schwedler Bauernhöfe mit ihren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Bahnhöfe. So qualifizierte er sich durch erste Erfahrungen und erste selbständige Arbeiten in diesem Bereich zum Feldmesser. Nachdem er die Prüfung zum Feldmesser im Jahr 1844 erfolgreich abgeschlossen hatte, war Schwedler zunächst am Bau der Eisenbahn zwischen Potsdam und Groß Kreutz (beide in Brandenburg, Deutschland, damals: Königreich Preußen; Distanz: ca. 21 km) beteiligt. Darauf folgend war er unter der Aufsicht eines Bauinspektors als Abschnitts-Bauleiter beim Neubau einer Försterei bei Neuendorf, dem heutigen Piaseczno (bei Banie) in der Woiwodschaft Westpommern, Polen (damals: Königreich Preußen) tätig. 

Aufbauend auf die Feldmessausbildung legte Schwedler im Jahr 1846 die Vorprüfung zum Land- und Wasserbaumeister ab. Es folgte ein einjähriger Bauinspektor-Kurs an der Berliner Bauakademie sowie im Jahr 1847 die Vorprüfung zum Land- und Wasserbau-Inspektor. Diesem theoretischen Block folgte wieder eine praktische Tätigkeit: In der Zeit von Mai 1847 bis April 1850 wirkte er am Bau der Greifenhagen-Bahner Chaussee mit 19 Brücken auf der Hauptstraße und 30 Seitenbrücken mit. Greifenhagen und Bahn liegen in etwa 23 km entfernt voneinander im heutigen Polen in der Woiwodschaft Westpommern und tragen heute die Namen Gryfino und Banie. Der Abschluss seiner 10jährigen Ausbildung erfolgte im Jahre 1852 mit dem zweiten Staatsexamen, indem er die Nachprüfung zum Land- und Wasser-Bauinspektor bestand. „Seinem stillen Aufstieg in der preußischen Bauverwaltung stand nun formal nichts mehr im Weg.“ [KURRER 2014, S. 442] 

In seiner Lehrzeit wurde Schwedler 1846 ferner Mitglied im Berliner Architekten-Verein und publizierte noch im selben Jahr seine erste wissenschaftliche Abhandlung mit dem Titel „Über die statischen Prinzipien der Konstruktion eiserener Dachgebinde über weite Räume und die Entwicklung der Konstruktionssysteme aus denselben“ im sogenannten Notizblatt des Architektenvereins. Diese Abhandlung bildete den Auftakt einer Reihe von bauwissenschaftlichen Publikationen. In diese literarische Reihe fällt auch seine „Theorie der Brückenbalkensysteme“ aus dem Jahr 1851, die einen entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung des Eisenbaus hatte. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit und ebenfalls in seine Ausbildungszeit fallend arbeitete Schwedler im Jahre 1850 an einem international ausgeschriebenen Wettbewerb der ersten Kölner Rheinbrücke. Den vom preußischen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ausgelobten Wettbewerb gewann der gerade mal 27-jährige Schwedler mit dem Entwurf einer abgespannten Hängebrücke. Trotz seines Erfolges wurde diese Brücke nie ausgeführt.

Entwicklungsjahre

Obwohl die Umsetzung des Entwurfes Schwedlers zur Köln-Deutzer Rheinbrücke ausblieb, hatte seine Teilnahme am Wettbewerb auf seine berufliche Laufbahn Auswirkungen: Der Gewinn des internationalen Wettbewerbs wird wohl Anlass für die Kölner Regierung gewesen sein, den ausgebildeten Baumeister mit der Leitung des Neubaus einer Straßenbrücke bei Siegburg, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (damals: Königreich Preußen) zu beauftragen. Der Bau der steinernen Straßenbrücke über die Sieg, ein Nebenfluss des Rheins, sollte im Zuge der Köln-Frankfurter Staatsstraße entstehen. So verließ Schwedler im Jahr 1852 seine Lehr- und Heimatstadt Berlin, um als ausführender Techniker seinen Dienst in Siegburg anzutreten.

Nach Fertigstellung der Brücke i.J. 1855 wurde Schwedler Abteilungsbaumeister bei der ersten Abteilung der Köln-Gießener Eisenbahn und führte als Bauleiter den Bau der Köln-Eitorf Eisenbahnteilstrecke (ca. 50 km). Die Eisenbahnstrecke sollte damals das preußische Köln, eines der wichtigsten Zentren des Königreiches, mit Gießen im Großherzogtum Hessen verbinden. Die von 1852 bis 1858 ausgeführte praktische Tätigkeit mit den freien Aufgaben eines Bauleiters nahm ihn voll in Anspruch. In diesen Jahren sammelte er wertvolle Erfahrungen aus der Praxis für die oben erwähnten bauwissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Im Mai 1858 wurde ihm eine Hilfsarbeiterstelle im technischen Eisenbahnbüro in Berlin angeboten. Diesen Dienst trat Schwedler am 1. September 1858 an und wurde so zum Königlichen Eisenbahnbaumeister im Technischen Büro der Abteilung für Eisenbahnangelegenheiten des Ministeriums für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiten in Berlin unter Theodor Weishaupt (1817-1899) ernannt. Mit der Niederlegung der freien Bauleiter-Tätigkeit im Rheinland, dem Umzug in die vertraute Heimatstadt Berlin und mit dem Eintritt in den Preußischen Staatsdienst im Ministerium endeten Schwedlers Entwicklungsjahre, in denen er verschiedene Büros und Abteilungen der preußischen Baubehörde kennengelernt hatte.

Meisterjahre. Tätigkeit beim Technischen Büro der Abteilung für Eisenbahnangelegenheiten, 1858-1868

Die Jahre nach der Rückkehr Schwedlers in die preußische Hauptstadt Berlin waren geprägt durch die beschleunigte Entwicklung der Industrialisierung. Damit ging der weitere Ausbau der preußischen Eisenbahn einher. Schon 1858 durchzog ein Eisenbahnnetz Berlin, welches es ermöglichte in alle Teile Preußens zu reisen. Die neue Position in Berlin bot Schwedler die Möglichkeit, auf den gesamten preußischen Brückenbau Einfluss zu nehmen. Erste Resultate der regen Tätigkeit Schwedlers im neuen Umfeld folgten einerseits im Jahr 1859 mit der Abhandlung über die „Theorie der Stützlinie. Ein Beitrag zur Form und Stärke gewölbter Bögen“ und andererseits mit dem Entwurf und Bau der Brahebrücke bei Czersk, Woiwodschaft Pommern, Polen (damals: Königreich Preußen) in den Jahren 1860 bis 1861.

Der Lebensabschnitt Schwedlers von 1858 bis 1867 stand ganz im Zeichen seiner großen bautechnischen Neuerungen: Wesentlich trieb er die Weiterentwicklung seines Schwedler-Trägers voran, was deutlich beim Bau der Weserbrücke von Corvey aus den Jahren 1863 bis 1865 zu erkennen ist. 1863 glückte ihm die Entwicklung der Schwedler-Kuppel, welche er beim Bau der Kuppel eines Gasometers in Berlin im gleichen Jahr erstmals umsetzte. Im darauf folgenden Jahr leistete er seinen Beitrag bei der Entwicklung des Dreigelenksystems: Mit der sogenannten Unterspree-Brücke entstand in den Jahren 1864 bis 1865 in Berlin-Mitte die erste schmiedeeiserne dreigelenkige Bogenfachwerkbrücke Deutschlands (Abb. 3.06-3.09). Unmittelbar im Anschluss an die Brücke führte Schwedler das Dreigelenksystem beim Bau einer Halle für einen Dampfhammer in Bochum in den Jahren 1865 bis 1866 erstmals in den Hochbau ein.

Seine Ingenieurleistungen überzeugten und Schwedler kletterte bald nach seiner Rückkehr in Berlin nach und nach die preußische Beamtenkarriereleiter hinauf: 1861 wurde Schwedler zum Eisenbahn-Bauinspektor ernannt. Vier Jahre später, 1865 wurde er zum Regierungs- und Baurat designiert. Die zuletzt genannte Berufung verlieh ihm zugleich die Stelle des Vorstehers des Technischen Büros der Abteilung für Eisenbahnangelegenheiten. Neben dem beruflichen Aufstieg wurden seine Arbeiten auch zunehmend von der Fachwelt honoriert: 1867 wurde Schwedler beispielsweise bei der Pariser Weltausstellung für den Bau der Weserbrücke bei Corvey (Höxter) mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.  

Unmittelbar mit dem Umzug nach Berlin fiel Schwedler ein weiteres wirkungsvolles Tätigkeitsfeld zu: An der Berliner Bauakademie übernahm er 1858 eine Hilfslehrerstelle für Maschinenbau. 1866 änderte sich diese zu einer etatmäßigen Stelle für Höhere Baukonstruktionslehre und Brückenbau mit sechs Wochenstunden. Zusätzlich wurde Schwedler im Jahr 1864 Examinator für die Bauführerprüfungen von angewandter Mathematik und Feldmesskunst sowie Prüfer für die Baumeisterexamen in höherer Analysis, analytischer Dynamik und Geodäsie.

Meisterjahre. Vortragender Rat im Ministerium für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiten, 1868-1891

Die Beförderung vom 29. Juni 1868 zum Geheimen Baurat und Vortragenden Rat im Ministerium für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiten und schließlich 1873 die Ernennung zum Geheimen Oberbaurat brachten Schwedler den entscheidenden Einfluss auf den Eisen- und Brückenbau Preußens ein, da er so als oberster Beamter bzw. als vertrauter Ratgeber die Minister und den preußischen König in Bauangelegenheiten beriet. In jener Zeit war Wilhelm I. (1797-1888) König von Preußen, der 1871 sogar Kaiser des Deutschen Reiches wurde. Im Bereich sämtlicher großer Ingenieursbauten wie bspw. der Staatseisenbahnen, der Staatsstraßen und Brücken hatte Johann Wilhelm Schwedler folglich die bedeutendste und maßgebendste Position inne. Ein weiterer Höhepunkt in seiner Karriere war sicherlich 1876 die Entsendung Schwedlers zum Besuch der Weltausstellung in Philadelphia, Pennsylvania, USA. Mit dieser Reise hatte er auch den Auftrag die amerikanischen Brücken- und Eisenbauten zu erforschen. 

Neben seiner Lehrtätigkeit und seinen Aufgaben in der preußischen Bauverwaltung übte Schwedler ehrenamtliche Tätigkeiten aus und bei Problemen trat man aufgrund seines Wissens gern an ihn heran. Im Jahr 1870 wurde er zum Redaktionsausschuss der Zeitschrift für Bauwesen hinzugezogen. 1873 berief man Schwedler als Mitglied in die internationale Jury für die Wiener Weltausstellung. Außerdem ergriff er von 1863-1866 und von 1869-1879 als Mitglied des Berliner Architektenvereins das Amt eines Vorstandmitgliedes. Johann Wilhelm Schwedler war zudem ab 1858 mitwirkend im Verein für Eisenbahnkunde. In beiden Vereinen leistete er über Jahrzehnte hinweg – 36 Jahre Verein für Eisenbahnkunde, 48 Jahre Architektenverein zu Berlin [SARRAZIN 1895, Sp. 16] – neben seiner regen Vereinstätigkeit als Mitglied einen großen wissenschaftlichen Beitrag mit seinen zahlreichen fachlichen Vorträgen und Berichten. Gerade wegen der Vielzahl an beruflichen und ehrenamtlichen Belastungen musste Schwedler seine nebenamtliche Lehrtätigkeit an der Berliner Bauakademie im Jahr 1873 niederlegen.

Vermutlich bedingten die langjährigen Belastungen einen leichten Schlaganfall, den Schwedler am 9. November 1888 erlitt. Als Folge musste Schwedler gesundheitsbedingt seinen Dienst als Geheimen Oberbaurat bald aufgeben. Nach dem Schlaganfall verwaltete er noch zwei Jahre sein Amt. Im November 1890 bat er jedoch auf die endgültige Versetzung in den Ruhestand. Nach einer „fast 43jährigen Dienstzeit unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Oberbaurat mit dem Range eines Rates erster Klasse“ [HERTWIG, 1930, S. 37] wurde ihm zum 1. März 1891 die Versetzung bewilligt.

Schwedlers Familien- und Privatleben

Das Familienleben Johann Wilhelm Schwedlers wird in den verwendeten Quellen nur hintergründig behandelt. Auf vollständige Namen und Lebensdaten einzelner Personen kann aufgrund der mangelhaften Quellenlage an dieser Stelle kaum eingegangen werden. Die kurzen privaten Einblicke in Schwedlers Leben kennzeichnen ihn als sorgsamen Sohn und Vater und sind geprägt durch den Kontrast zwischen Glück und Leid:

Aus den Quellen geht hervor, dass Schwedler im Jahre 1844 Auguste Birnstiel, die Tochter eines Lehrers und Organisten aus Buckow bei Berlin (heute: der Stadtteil Berlin-Buckow (Bezirk Berlin-Neukölln), ehemals: Königreich Preußen), beim gemeinsamen Musizieren im Haus ihres Vaters kennenlernte. Sie heirateten 1852 und ein Jahr später 1853 wurde Schwedler Vater seiner ersten Tochter. Mit dem Tod seines Bruders Johann Gottlieb Schwedler (1805-1859) erfuhr Schwedler ein bewegendes Leid, war es doch dieser Bruder, der ihn viele Jahre unterstützte. Kurz vor seinem Amtsantritt in Berlin vergrößerte sich die Familie 1860 um eine weitere Tochter und schließlich erblickte 1862 die dritte Tochter das Licht der Welt. Sie verstarb jedoch schon 1863, ebenso 1864 sein einziger Sohn, dessen Geburt in der Literatur jedoch keine Erwähnung findet. 

Trotz dieses bewegten Familienlebens fand Schwedler hier die Erholung von seinem Staatsdienst, seiner Lehrtätigkeit an der Berliner Bauakademie und seinen ehrenamtlichen Arbeiten. Offen bleibt die Frage wie viel Zeit ihm im Kreis seiner Familie durch seine beruflichen und ehrenamtlichen Aufgaben wirklich blieb. Allerdings wird er als sorgsamer Vater charakterisiert, der sich an seinen Töchtern und späteren Enkeln erfreute. In seinen freien Stunden spielte er gerne Klavier und sinnierte über Mozart und Beethoven. Überdies wird in den Quellen immer wieder sein frohes und humorvolles Gemüt betont, welches freilich auch ernst und belehrend sein konnte. Einen Abend in der Woche traf sich Schwedler mit dem aus seinen Schulzeiten stammenden Lehrer und späteren Professor J. A. W. Roeber (†1891), um bei diesen Zusammenkünften über wissenschaftliche Mitteilungen zu diskutieren. 

Im März 1867 starb seine erste Frau Auguste Birnstiel. Seine zweite Frau, Emilie Cantian, heiratete Schwedler schon 1868. Nach der Bewilligung des vergönnten Ruhestands im Jahr 1891 nahmen seine Lebenskräfte schnell ab. Der Tod seiner zweiten Frau beschleunigte diesen Prozess. Ein langes Leiden in den letzten Lebensjahren blieb Johann Wilhelm Schwedler erspart und so trat am 9. Juni 1894 „der Tod als Freund“ [HERTWIG 1950, S. 27] in seinem Geburtsort Berlin ein.

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