Johann Wilhelm Schwedler (1823 – 1894) Projekte
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick zu Schwedlers Projekten in chronologischer Reihenfolge. Ausgehend von der genutzten Literatur kann die Behauptung aufgestellt werden, dass die Werke Schwedlers erstmalig in dieser Form und in diesem Umfang aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen wurden. Trotz der 47 Einträge kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass hier nicht alle Projekte Schwedlers aufgeführt werden konnten. Eine endgültige Projektliste mit Nennung der genauen Baudaten und weiterführenden Informationen wäre ein lohnenswertes Thema für die Forschung. Eine gewissenhafte Auswertung aller Publikationen Schwedlers würde bereits die unten folgende Liste bedeutend erweitern.
Bezüglich der vorliegenden Projekttabelle bleibt darüber hinaus anzumerken, dass sich Angaben zu Baudaten einiger Projekte in den einzelnen verwendeten Literaturen wiedersprechen. Die Abweichungen der Quellen zueinander wie auch Unsicherheiten in der Ausweisung von Daten wurden in der hier aufgeführten Projektliste kenntlich gemacht.
Als Resümee einer Auswertung der Projektliste lässt sich feststellen, dass Schwedler ausschließlich auf dem Gebiet des früheren Königreiches Preußen tätig war. Dies verwundert wenig, wirkte er doch von 1858 bis 1891 als preußischer Baubeamter. Zuvor machte er seine Ausbildung im Berlin-Brandenburger Raum und fand hier seine ersten Projekte (siehe Schwedlers Biografie). Erst mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 begann Schwedler an Bauwerken außerhalb des Königreiches zu wirken: 1872-1875 – Bremen, 1874 – Unterreichenbach und 1876-1877 – Hamburg. Die baupolitische Einordung Meißens bleibt bis zum Ende der Bearbeitung dieses Ingenieurartikels jedoch ungeklärt: 1867-1870 wirkte Schwedler an der Elbebrücke von Meißen mit. War infolge des Deutsch-Preußischen Krieges von 1866 die Elbstadt wie andere Nordsächsische Areale an das Königreich Preußen gefallen? Oder wie lässt sich Schwedlers Engagement in Meißen ansonsten erklären?
Schwedlers Ausbildung zum Feldmesser wird in der Projektliste deutlich. Im Anschluss seiner Lehre wendete er sich zunehmend dem Bau zu. Vermutlich bedingt durch seine geodätischen Fähigkeiten arbeitete Schwedler an Straßen, Eisenbahnlinien und ersten kleineren Brücken – zusammenfassend: Ingenieurbauten. Aus dem Bild der frühen Betätigungen Schwedlers fällt der Bau einer Försterei aus dem Jahr 1846, ein Gebäudetyp, welcher eher der Architektur zugehörig erscheint. Ohne das Bauwerk, bei dem er als Abschnittsbauleiter agierte, im Detail zu kennen, scheinen ihn doch die Ingenieuraspekte des Gebäudes besonders beschäftigt zu haben. Diese Vermutung kann nur im Zusammenhang mit seiner ersten Publikation „Über die statischen Prinzipien der Konstruktion eiserner Dachgebinde über weite Räume und die Entwicklung der Konstruktionssysteme aus denselben“, die im gleichen Jahr im Notizblatt des Architektenvereins zu Berlin erschien, angestellt werden.
Im weiteren Verlauf der Projektlisteneinträge wird seine besondere Hinwendung zu Brückenbauten deutlich, die vermutlich bis zu seiner Pensionierung sein großes Steckenpferd bleiben: 1850 gewinnt er den ersten Platz beim Wettbewerb um die Köln-Deutzer Rheinbrücke, die ihn trotz ausbleibender Umsetzung noch im darauffolgenden Jahr beschäftige (Abb. 3.21-3.24). Zwischen 1852 und 1855 arbeitete Schwedler an seiner nächsten Brücke, die als steinerne Bogenbrücke für eine Staatsstraße entstand.
Schwedlers erste Wirkungsphase als preußischer Baubeamter, die Zeit von 1858-1868, war gezeichnet von der Entwicklung seiner Erfindungen. Nebst seinen Brückenbauten wie die Brahebrücke bei Czersk von 1860-1861 und die Weserbrücke bei Corvey von 1863-1865 (siehe Schwedler-Träger) beschäftigten ihn Dach-, Decken- und Kuppelkonstruktionen (siehe Schwedler-Kuppel) wie bspw. jene vom Roten Rathaus in Berlin, 1861-1869 und die Kuppel des Gasometers in der Berliner Holzmarktstraße von 1863 sowie Dreigelenkkonstruktionen. Zu den letztgenannten gehören die Unterspree-Brücke von Berlin aus den Jahren 1864-1865 (Abb. 3.06-3.09), die Halle für das Hammerwerk II des Bochumer Vereins von 1865-1866 und die aus den Jahren 1866 und 1867 stammende Halle des Bahnhofs der Königlichen Ostbahn in Berlin (Abb. 3.10).
Abschließend lassen sich aus der Betrachtung der Projektliste noch Aussagen zur zweiten Phase von Schwedlers Beamtenlaufbahn treffen. Diese Periode beginnt mit seiner Beförderung zum Geheimen Baurat und Vortragenden Rat im Jahr 1868 und reicht bis zu seinem Renteneintritt im Jahr 1891. In dieser Zeitspanne verfeinerte Schwedler seine technischen Errungenschaften. Eine Vielzahl an Brückenbauten (Abb. 3.11-3.18), Kuppeln (Abb. 1.02 und 4.06) und Dreigelenkkonstruktionen entstanden. Um 1870 beschäftigte sich Schwedler auch vermehrt mit Drehbrücken. Zwei Projekte jener Schaffenszeit fallen insbesondere aus dem Rahmen. Hierzu gehört die Hebung und Drehung des Kreuzbergdenkmals aus den Jahren 1878-1879, welches als Memorial für die Befreiungskriege (1813-1815) im Jahr 1821 durch Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) entstand, sowie der Turmhelm der St. Petri-Kirche in Hamburg, 1876-1877. Der Turmhelm der St. Petri-Kirche blieb neben der Kuppel der Neuen Synagoge in Berlin von 1863 (Abb. 3.03) das einzige Sakralbauprojekt, mit dem sich Schwedler in seiner gesamten Ingenieurlaufbahn beschäftigte.
