Vladimir Gregorjewitsch Šuchov (1853 – 1939) Biografie

Tabellarischer Lebenslauf von Šuchov
1853Geboren in Grajvoron, Russland.
um 1859Schulzeit in St. Petersburg, Russland.
1871Studium am Polytechnikum in Moskau, Russland, bis 1876. Abschluss als Mechanik-Ingenieur mit Auszeichnung.
1876Amerikareise. Besuch der Weltausstellung in Philadelphia.
1876Bis 1878 Angestellter bei der Warschau-Wien-Gesellschaft in St. Petersburg, Russland. Šuchov arbeitete dort als Planer von Lokomotivhallen.
1876Šuchovs Ausflug in die Medizin. Er begann mit einem Medizin-Abendstudium an der militärmedizinischen Akademie in St. Petersburg, Russland.
1878Gesundheitsbeschwerden durch Doppelbelastung vom Abendstudium und Beruf führten zum Abbruch des Abendstudiums und zur Kündigung der Anstellung bei der Warschau-Wien-Gesellschaft.
1878Mitarbeiter beim russischen Unternehmer Aleksandr V. Bari. Šuchov wurde hier führender Ingenieur in der Planung von Projekten in der Erdölindustrie in Baku.
1880Chefingenieur des Bari-Ingenieurbüros in Moskau. Erfindungen und Projekte für die Erdölindustrie und der Wärmetechnik. Šuchov hielt diesem privaten und später verstaatlichten Unternehmen bis zu seinem Tod die Treue.
1890Erfindungen und Projekte zu verschiedenen Baukonstruktionen.
1895Aktivstes Mitglied der ingenieurtechnischen Abteilung der Moskauer Polytechnischen Gesellschaft.
1900Besuch der Pariser Weltausstellung: Goldmedaille für den šuchovschen Dampfkessel.
1903Ehrenmitglied der Polytechnischen Gesellschaft am Polytechnikum in Moskau, Russland.
1918Chefingenieur der staatlichen Betriebe „StalImost“ (ehemaliges Baubüro Bari) und „Parostroj“ (ehemalige Bari-Kesselfabrik).
1918Mitglied des staatlichen Planungskomitees für Erdölwesen.
1919Mitglied der staatlichen Firmenleitung.
1920erProfessor am Moskauer Polytechnikum.
1927Als Mitglied des staatlichen Planungskomitees für Erdölwesen wurde er zum Mitglied der sowjetischen Regierung.
1928Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UDSSR. Auszeichnungen: Zweifacher Held der Arbeit.
1929Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften der UDSSR und Mitglied des Moskauer Stadtrates.
1939Todesjahr von Šuchov. Er wurde in Moskau auf dem Prominentenfriedhof beim Novodevičij-Kloster beerdigt.
Die Zeit Šuchovs. Ein Einblick auf den bautechnikgeschichtlichen Kontext
1850erPreußen: Ausweitung des europäischen Eisenbahnnetzes (z.B. königliche Ostbahn Berlin-Königsberg). Erste Großbrücken in Schmiedeeisen.
1853Bis 1856. Versuch russischer Expansion auf dem Balkan. Krimkrieg endete mit Niederlage Russlands. Zur Pflege der verwundeten englischen Soldaten wurde Isambard Kingdom Brunel 1855 von der Britischen Regierung mit der Planung eines mobilen Lazaretts beauftragt.
1861Russland. Aufhebung der Leibeigenschaft unter Zar Alexander II. (1855 – 1881) verbunden mit hohen Ablösesummen, die die Bauern zahlen mussten.
1860erAufbruchbemühungen in der Industrialisierung Russlands. Fachkräftemangel wurde mit einer Lockerung der Zulassungsbeschränkungen zu Universitäten begegnet.
1864/ 1868Russische Expansion: Eroberung von Turkmenistan, Taschkent und Samarkand.
1868Russland. Die 1830 gegründete „Industrie- und Handwerker-Schule“ wurde in die vom Staat und Industrie geförderte „Kaiserliche Moskauer Techniker-Schule“ - das Moskauer Polytechnikum - umgewandelt.
1870Russland. Geburtsjahr des Revolutionsführers Wladimir Iljitsch Uljanov alias Lenin.
1870erWesteuropa. Gründung Technischer Hochschulen in den Städten Wien (1872), Graz (1872), Stuttgart (1876), Braunschweig (1877), Darmstadt (1877) und Hannover (1879). Entstanden meist aus einem vorherigem Polytechnikum.
ca. 1875Russland. Eisenimporte aus England und Frankreich für den Aufbau der russischen Eisenbahn. Der Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes erfolgte zu 70% durch Auslandsanleihen und durch private Finanzierungen einheimischer Firmen. Die vorangetriebene Industrialisierung bildete eine kapitalkräftige Unternehmerschicht.
1877/ 1879England. Patente zur Verarbeitung von Roheisen zu Stahl mit „Thomaskonverter“.
1877Russland. Gründung der Moskauer Polytechnischen Gesellschaft.
1878Russland. Beginnende Erschließung der Schwerindustrie in der sich im Aufbruch befindlichen russischen Kolonie Azerbajdžan (= Aserbaidschan). Insbesondere die Hafenstadt Baku am Westufer des Kaspischen Meeres wurde aufgrund der dortigen Erdölvorkommen eine der wichtigsten Industriestädte Russlands. Baku war ebenfalls Zentrum der Erdölindustrie am Kaspischen Meer und wichtigster Umschlaghafen zu Zeiten der UDSSR.
1879Frankreich. Der gegenüber Šuchov drei Jahre jüngere Maurice Koechlin (1856–1946) wurde enger Mitarbeiter von Gustave A. Eiffel (1832-1923).
1881Russland. Unruhen und oppositionelle Bewegungen. Ermordung von Zar Alexander II. Sein Sohn Alexander III. wird Zar.
1884Russland. Eröffnung der Katharinenbahn von Krivoj Rog zum Donec-Becken. Mit den dortigen Eisen- und Kohlevorkommen wurde die Entwicklung der südrussischen Schwerindustrie ermöglicht.
ca. 1885Russland. Lenin - Kontaktaufnahme zu oppositionellen Kreisen.
1886Preußen. „Die neueren Methoden der Festigkeitslehre“ von Heinrich Müller-Breslau (1851-1925).
1888Schweiz. Wilhelm Ritter (1847–1906), Nachfolger von Prof. Ciulmann am eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, gab das Werk „Anwendungen der graphischen Statik“ heraus.
1889Frankreich. Pariser Weltausstellung. Eiffelturm von Gustave A. Eiffel (1832-1923) und Maurice Koechlin (1856–1946).
1891Russland. Expansionspolitik – Bau der Transsibirischen Eisenbahn zur territorialen und wirtschaftlichen Erschließung und Entwicklung des rohstoffreichen Ostens Russlands.
1891/ 1892Russland. Im Winter kam es zu einer Hungerkatastrophe. Unruhen und oppositionelle Bewegungen folgten.
1894Russland. Unruhen und oppositionelle Bewegungen. Ermordung von Zar Alexander III. Sein Sohn Nikolaus II. wurde neuer Zar.
1895Russland. Lenin gründete zusammen mit Georgi Plechanov in St. Petersburg den „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“.
Ende 1890erRussland. Oppositionelle Gruppierungen bildeten Parteien wie die „Sozialdemokratische Partei Russlands“.
1904/ 1905Russland. Russische Expansion. Die Besetzung der Gebiete der Manjurei (= Mandschurei), China und Korea endeten im Krieg mit Japan und der Niederlage Russlands.
1905Russland.
Januar. „Blutsonntag“ – gewalttätige Niederschlagung von Demonstrationen löste landesweite Streikbewegungen und Unruhen aus.
Oktober. Ministerpräsident Sergej J. Witte gewährte allgemeines Wahlrecht für die Duma (Legislative). Weitere revolutionäre Kräfte wurden unterdrückt.
1914Russland trat in den 1. Weltkrieg ein.
1917Russland/ Sowjetunion.
Arbeitergeneralstreik im März in Petrograd. Verbündung der Garnison mit den Streikenden. Gründung des „Provisorischen Exekutivkomitees des Petrograder Sowjet der Arbeiter- und Soldatenpeutierten“. Abdankung von Zar Nikolaus II. Bildung einer Übergangsregierung.
Angriff der Bolschewiki auf das Winterpalais im November. Austritt aus dem 1. Weltkrieg. Erlassung des „Dekrets über den Frieden ohne Annexion und Kontribution“ durch den Sowjetkongress. Provisorische Arbeiter- und Bauernregierung unter Lenin.
1918Russland/ Sowjetunion.
März. Friedensvertrag von Brest-Litovsk.
Organisation des Staats durch Lenin als Vorsitzender des Rates der Volkskommissare nach seinen eigenen Vorstellungen; Verbot von Privathandel, Abgabe- und Arbeitspflicht, Zentralisierung von Produktion und Güterverteilung, Aufhebung der engen Verbindung von Zarismus und orthodoxer Kirche, Kirchenschließungen, offenerer Umgang mit anderen Konfessionen.
1919Russland/ Sowjetunion. Entwurf für die III. Internationale 0 10: der Tatlin-Turm, eine Architekturutopie bzw. ein 400 m hohes Turmprojekt des russischen Künstlers Wladimir Jewgrafowitsch Tatlin. In dem Jahr entstand ein fünf Meter hohes Modell.
1921Russland/ Sowjetunion. Beginnender Bürgerkrieg. Schwächung des Sowjetsystems. Rückgang der Industrieproduktion. Missernten lösten eine Hungerkatastrophe aus. Beschluss zur Planwirtschaft mit marktwirtschaftlichen Elementen (NEP) führte zur Produktionserhöhung und Überwindung der Wirtschaftskrise.
1922Sowjetunion (Russland). Gründung der UDSSR. Generalsekretär der KPR wurde Josef Stalin (1879-1953).
1923Sowjetunion (Russland). Inkrafttreten der Verfassung der UDSSR.
1924Sowjetunion (Russland). Tod Lenins. Übernahme der Regierung durch Stalin. Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und planmäßige Vorantreibung der Entwicklung und Industrialisierung von Westen nach Osten.
1930Sowjetunion (Russland). Unter Stalin massive Industrialisierung und Wirtschaftswachstum.

Der Ingenieur Vladimir Gregorjewitsch Šuchov

Die Kindheit Šuchovs

Vladimir Gregorjewitsch Šuchov ist 1853 in Grajvoron südwestlich von Moskau an der Grenze zur Ukraine geboren. Seine Familie gehörte dem gebildeten Bürgertum an. Šuchovs Vater war in Grajvoron Filialleiter der St. Petersburger Staatsbank, er beherrschte mehrere Sprachen und hatte Interesse für Kunst und Geschichte. Nachdem die Familie Ende der 1850er Jahre nach St. Petersburg zog, vermutlich weil der Vater in der Reichshauptstadt Russlands Beamter beim Ministerium für Ausbildung wurde, besuchte Šuchov dort die Schule (Abb. 2.02). 

Er erlebte die Zeit der Zaren Alexander II. (1855-1881), Alexander III. (1881-1894) und Nikolaus II. (1894-1917) sowie die russische Revolution mit Auflösung des Zarentums und Bildung der UDSSR 1922. 

Studium am Polytechnikum in Moskau

1871 ging Šuchov zum Studium nach Moskau ins Polytechnikum. Nach KOVEL’MAN 1961 sollen dort 15% der Studenten ein staatliches Stipendium erhalten haben, zu denen wohl auch Šuchov gehörte.

Das Moskauer Polytechnikum (heute: Bauman Moscow State Technical University) war eine aus einer Handwerkerschule hervorgegangene Hochschule. Wie schon in ihrem Ursprung soll diese Schule in der Lehre sehr praxisorientiert gewesen sein. Sie verband den theoretischen mit dem handwerklichen Unterricht in verschiedenen Werkstätten. Den Studenten wurde tiefgehend die Holz- und Metallverarbeitung gelehrt. Studenten lernten in der Schreinerei, Gießerei, Schlosserei, Schmiede, Modellwerkstatt und mechanischen Werkstatt. Ihnen wurden der Bau und die Bedienung von Dampfmaschinen sowie die Fertigung von Instrumenten und Getriebemaschinen gelehrt. 

Nach GRAEFE/ PERTSCHI 1990 war ein weiterer Schwerpunkt der Lehre zu Šuchovs Studienzeit die Mathematik. Hier bildete das Polytechnikum seine Studenten auf einem sehr hohen Niveau aus. Im Studium interessierte sich Šuchov für jede neue Arbeit des berühmten Mathematikers P. F. Čebyšev (1821-1894), dem Begründer der St. Petersbruger Mathematikschule Čebyšev-Polynom. Er soll zusammen mit seinem Mentor, dem Mathematiker A. V. Letnikov (1837-1888), schon während seiner Ausbildung versucht haben in der Theorie der Mechanik, die Arbeiten des Mathematikers Čebyšev in die Praxis umzusetzen. 

In ŠČERBO 1990 wird erwähnt, dass es zum damaligen Unterricht des Moskauer Polytechnikums nichts Vergleichbares an anderen russischen und ausländischen Hochschulen gegeben hat. Beim Studium am Polytechnikum wurde Šuchov mit diesem Lehrplan eine gute Grundlage für sein späteres Schaffen als Ingenieur mitgegeben. Bei dessen Beurteilung betont Ščerbo den Wissenschaftler in Šuchov. Der oft genannte gesunde Menschenverstand, den Šuchov zweifellos hatte, sei nicht die hauptsächliche Begründung für Šuchovs Genialität. Einleuchtend schreibt Ščerbo, dass „nur die Verbindung der Eigenschaften eines versierten Praktikers und eines guten Theoretikers Šuchov zu Entwicklungen neuer Konstruktionsformen verhalfen“ [ŠČERBO 1990, S. 24]. Seinen Konstruktionen legte Šuchov immer wissenschaftliche Analysen verschiedener technischer Lösungen und detaillierte mathematische Überarbeitungen zugrunde. Aber auch sein Wesen hinsichtlich des Arbeitens – sein Arbeitsstil – ließen ihn immer Klarheit finden. In ŠČERBO 1990 wird berichtet, dass Šuchov beim Lernen und Arbeiten hinsichtlich Organisation und Systematik vorbildlich gewesen sein soll. Beim Lösen von Aufgaben folgte er dem wissenschaftlichen Prinzip und stellte dabei immer die jeweilige Kernfrage klar heraus, ohne Details dabei vergessen zu haben.

Im Anschluss an seinem Abschluss mit Auszeichnung im Jahre 1876 wollte das Polytechnikum Šuchov gerne als Wissenschaftler an sich binden. Ihm wurde eine Assistentenstelle und damit eine wissenschaftliche Laufbahn bei Pafnutij F. Čebyšev angeboten. Eine zweite Offerte erhielt er direkt vom Vorstand des Polytechnikums. Diese beinhaltete die Begleitung von Hochschullehrern auf einer Amerikareise. Letzterer Vorschlag schien verlockender für Šuchov, denn er begab sich auf die Reise.

Heute gilt das Polytechnikum/ Bauman Moscow State Technical University als elitär und die handwerkliche Ausbildung der Studenten soll immer noch einen Schwerpunkt des Studiums bilden. 

Šuchovs Weggefährten seines Studiums

Zu den Weggefährten seines Studiums zählten der berühmte Mathematiker P. F. Čebyšev (1821-1894), sein Mentor, der Mathematiker A. V. Letnikov (1837-1888), der nur sechs Jahre ältere Mechanikdozent N. E. Žukovskij (1847-1921), welcher Šuchov in dessen zweiten Studienjahr kennen und gleich schätzen lernte und zu welchem Šuchov eine langjährige Beziehung pflegte, der Mechanikprofessor F. E. Orlov (1843-1892), später enger Freund von Šuchov und der fünf Jahre jüngere P. K. Chudjakov (1858-1935. Selbst seit 1877 mit Goldmedaille ausgezeichneter Mechanikingenieur  und späterer Professor am Polytechnikum.), Šuchovs früherer Kommilitone und langjähriger Freund (Abb. 2.04). 

Zu diesen Weggefährten hielt Šuchov immer Verbindung und pflegte auch sonst zu Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Technik und Industrie Kontakte. Ščerbo berichtet von Šuchovs Informationsbedürfnis, das nach ständiger Kommunikation verlangte [ŠČERBO 1990]. Russische und ausländische Fachliteratur („The Engineer“, „Cassier`s Magazine“) und der Gedankenaustausch mit befreundeten Wissenschaftlern und Technikern waren für ihn Quellen von immer neuen Informationen. Solche informativen Kontakte konnte Šuchov vor allem in der 1877 gegründeten Polytechnischen Gesellschaft pflegen, einer Gesellschaft aus Mechanikern, Technikern, Bauleuten, Vertretern nahe stehender Bereiche der Wissenschaft und Praxis. 

Seit 1895 soll Šuchov eines der aktivsten Mitglieder der ingenieurtechnischen Abteilung der Moskauer Polytechnischen Gesellschaft mit hohen Spendenbeiträgen (1896–1902: 1167 Rubel; Einlage nach Wahl seiner Ehrenmitgliedschaft: 1600 Rubel) gewesen sein. Im Jahr 1903 wurde er wohl durch Žukovskij als Ehrenmitglied der Polytechnischen Gesellschaft vorgeschlagen. 

Amerikareise im Jahr 1876

1876 begleitete der gerade frisch gebackene Mechanik-Ingenieur Šuchov Hochschullehrer des Polytechnikums auf deren Amerikareise (Abb. 2.05). Ziel der Reise war es, Informationen über die neuesten technischen Errungenschaften in den USA einzuholen. Šuchov besuchte die Weltausstellung in Philadelphia, an der auch Russland teilnahm. In Philadelphia soll er auch den berühmten russischen Chemiker D. I. Mendeleev (1834-1907. Wegbereiter zur Systematisierung der chemischen Elemente (Periodensystem).) kennen gelernt haben, welcher dort Forschungen über amerikanische Erdöltechniken betrieb. Außerdem begegnete er in Philadelphia dem Vorsitzenden der russischen Ingenieurgesellschaft Aleksandr V. Bari, einem ausgebildeten Techniker, der ihm nur wenige Jahre später die volle Entfaltung seines Könnens ermöglichte. In Pittsburgh, dem Zentrum der Eisenverarbeitung, konnte Šuchov Maschinenfabriken und Eisenbahnbetriebe besichtigen. 

Nach seiner Amerikareise machte er von 1876–1878 seine ersten Berufserfahrungen als Planer von Lokomotivhallen bei der Warschau-Wien-Gesellschaft in St. Petersburg. Zu dieser Zeit begann er auch ein Medizinstudium in den Abendstunden an der militärmedizinischen Akademie in St. Petersburg. Über eventuelle Beweggründe hierfür informiert Kovel’man [KOVEL’MAN 1961]. Die Doppelbelastung durch Abendstudium und Beruf hatten allerdings Gesundheitsbeschwerden zur Folge. Sie waren schließlich der Anlass für Šuchov, das Medizinstudium abzubrechen und bei der Warschau-Wien-Gesellschaft zu kündigen.

Mitarbeiter beim Unternehmer Aleksandr V. Bari

Aleksandr V. Bari war ausgebildeter Techniker, jedoch mehr ein einflussreicher Unternehmer. In Amerika begegnete er Šuchov bereits 1876 als Vorsitzender der russischen Ingenieurgesellschaft. 1878 kehrte Bari nach Russland zurück und gründete in Moskau ein Baubüro, mit welchem er sich am gewinnbringenden Erdölgeschäft in Baku beteiligen wollte.

Zu dieser Zeit fanden Bari und Šuchov auch zusammen. Šuchov arbeitete zunächst von 1878-1880 in Baku für Bari. Dort konnte er seine Ideen entfalten. Ščerbo meint, dass die neuen und ungewöhnlichen technischen Herausforderungen der neu entstehenden russischen Erdölindustrie „ein fruchtbarer Boden für ein neues Ingenieurwesen und für Erfindungen waren“ [ŠČERBO 1990, S. 24].

„Hier entfaltete der Berufsanfänger in kürzester Zeit eine erstaunliche Kreativität und Arbeitslust“ [GRAEFE/ PERTSCHI 1990, S. 8]. Diese Arbeitslust zeigte sich z.B. darin, dass die Firma Bari schon im Jahr von Šuchovs Ankunft in Baku die erste Erdölleitung Russlands von 10 km Länge nach seinen Plänen für die Firma „Gebr. Nobel“ bauen konnte. Es folgten im nächsten Jahr weitere Erdölleitungen, vor allem die erste Leitung weltweit für vorgewärmtes Masut (Ein Erdölprodukt. Verwendung als Heizmaterial, Schmiermittel, Asphalt und zur Benzinherstellung). Šuchov löste viele der bei der Erdölförderung, dem Transport und der Verarbeitung auftretenden Probleme. 

Durch seine Entwicklungen von Pumpen, Düsen, Erdölbehältern ohne Fundamente , etc. gab es in Baku weitreichende Modernisierungen und Produktionssteigerungen in der bis dahin noch relativ einfachen Technik der Erdölgewinnung.

Graefe beschreibt seine Vorstellung von einer düsteren Szenerie bei der Erdölgewinnung vor Šuchovs Erfindungen „Öl wurde in offenen Gruben gelagert und in Holzfässern mit Pferdewagen und Schiffen transportiert, Gebiete wurden durch versickerndes Öl verseucht“ [GRAEFE/ PERTSCHI 1990, S. 8] – siehe Abb. 2.06. 

Ščerbo meint, dass sich in Baku „die universale Šuchovsche Methode“ bei Šuchov ausbildete [ŠČERBO 1990].Die Universale Šuchovsche Methode:

  1. Suche nach einer grundsätzlich neuen Ingenieurlösung.
  2. Wissenschaftlich-analytische empirische Vorgehensweise.
  3. Zielgerichtete, effektive Lösung ökonomischer Aufgaben.

Ende der 1870er Jahre legte Šuchov auch eine Planung für den Bau von einer ganzen Raffinerieanlage vor, die jedoch erst 1932 umgesetzt wurde. Im Alter von 79 Jahren soll er selbst die Produktion bei der 1932 in Betrieb genommenen Anlage in den ersten Wochen überwacht haben.

Die russische Wirtschaft wurde durch expansive Außenpolitik von Zar Alexander II. (1855-1881) vorangetrieben. Der zentrale Schlüssel zur Industrialisierung des Landes blieb der Eisenbahnbau und alle ihm zuarbeitenden Gewerbe. Auch das Unternehmen Bari profitierte davon. Bari mit dem Gespür für das Geschäft und Šuchov mit den praktischen und wirtschaftlichen Lösungen aller Ingenieuraufgaben waren ein Gespann, das sich gegenüber einheimischen und westlichen Firmen durchsetzte. Die Verbindung ist der Zusammenarbeit von Unternehmer und Ingenieur Gustave Eiffel (1832-1923) mit Ingenieur Maurice Koechlin (1856-1946) vergleichbar. 

1880 kehrte Šuchov als Chefingenieur des Bari-Ingenieurbüros nach Moskau zurück (Abb. 2.07). Bari gründete in dieser Zeit zusätzlich zu diesem Büro eine Fabrik für Dampfkessel sowie Bürofilialen in den wichtigsten Städten Russlands, um Bari-Produkte in ganz Russland zu verbreiten (siehe Abb. 3.03). 

Um 1885 baute Šuchov für Bari die ersten russischen Tankschiffe. Sie waren für den Transport des geförderten Erdöls auf dem Kaspischen Meer und der Wolga gedacht.

Für den Dampfkesselbau importierte Firma Bari ursprünglich die Teile aus Frankreich und England und ließ sie in der Moskauer Bari-Kesselfabrik zusammenbauen. Dieses Geschäft war wenig gewinnbringend. Daher entwickelte Šuchov Ende der 1880er Jahre nun selbst Rohrkessel, die sich durch eine vergrößerte beheizbare Fläche und Einfachheit der Gesamtkonstruktion gegenüber bisheriger Kessel auszeichneten und ließ sie sich 1890 und 1892 patentieren.

Anfang der 1890er Jahre bot der Ausbau des Eisenbahnnetzes Russlands mit erforderlichen Verbindungslinien zwischen entstandenen Industriezentren ein großes Auftragsgebiet für die Firma Bari. Sie war wesentlich am Entstehen der Eisenbahnlinien beteiligt. Zunächst mit Brückenbauten, später auch mit den übrigen zum Eisenbahnnetz erforderlichen Bauten wie Werkstätten, Lokschuppen, Montagehallen, Fabriken für Lokomotiv- und Wagenbau und Wassertürmen. Neben der Beschäftigung mit Brückenkonstruktionen wendete sich Šuchov um 1890 der Entwicklung von Dachkonstruktionen zu. Šuchovs Ziel war dabei immer „Konstruktionen zu finden, die mit minimalem Aufwand an Material, Arbeit und Zeit zu produzieren waren“ [GAPPOEV/ GRAEFE 2008, S. 99].

1896 stand die 16. russische Warenmesse „Allrussische Ausstellung“ in Nižnij Novgorod an, auf welcher die Firma Bari sich und ihre Produkte gewinnbringend präsentieren wollte. Es galt nun nicht nur die Technik der Erdölindustrie zu präsentieren, sondern die Firma Bari hatte den Auftrag für die Planung und den Bau von acht Ausstellungshallen sowie eines Wasserturmes. Bisher hatte Šuchov die Dächer der Erdölbehälter geplant – Konstruktionen, deren Gestalt sich aus ihrer Funktion ergab. Nun sollten seine Konstruktionen funktional und repräsentativ sein und dennoch mit minimalem Material-, Arbeit- und Zeitaufwand hergestellt werden. Für die Dächer beschäftigte er sich mit Bogen- und Gitterkonstruktionen. Er fand die neue Form des Hängedaches und den Hyperboloid-Gitterturm. Beide Konstruktionsformen wurden erstmals auf dieser „Allrussischen Ausstellung“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ausstellung war so erfolgreich, dass sich für die Firma Bari über mehrere Jahre Aufträge für Fabrik- und Eisenbahnhallen, Wasser- und Leuchttürme sowie Dächer repräsentativer Bauten ergaben. 

1900 konnte der gefeierte und nun auch in Westeuropa bekannte Šuchov auf der Pariser Weltausstellung neben dem Austausch von technischen Informationen auch persönliche Kontakte zu anderen großen Ingenieurpersönlichkeiten knüpfen.

Nach dem Japankrieg 1905 sah die Auftragslage gegenüber den vorangegangenen 1890er Jahren relativ schlecht aus. Die Wirtschaft Russlands und die Kräfte des russischen Volkes waren geschwächt. Größere Aufträge gab es vermutlich nur auf dem Gebiet der Rüstungsindustrie.

Šuchovs Enkel Fedor V. meint, dass Šuchov die russischen Niederlagen im Japankrieg (Feb. 1904 - Sept. 1905) nur schwer überwunden haben soll [ŠUCHOV, F. 1990b]. 1906 hatte er politisch öffentlich Stellung bezogen, als er in einem veröffentlichten Aufsatz einen Appell an die russischen Herrscher gegen deren militärische Führung Russlands richtete und darin „moralische Voraussetzungen für die menschenwürdige Existenz der russischen Landeskinder“ forderte [GRAEFE/ PERTSCHI 1990, S. 16]. Es war seine einzige Veröffentlichung, die sich nicht ausschließlich technischen Fragen widmete.

1910 wurde von der Firma Bari auch Kriegsgerät hergestellt. Šuchov entwickelte Minen und eine Lafette für schwere Geschütze, über welche er zwei Veröffentlichungen schrieb. Sonst soll er aber auf dem Gebiet der Kriegsindustrie im Verhältnis zu seiner bisher gezeigten Aktivität ziemlich unproduktiv gewesen sein. Sein Enkel schreibt zudem, dass diese Zeit für Šuchov eine Zeit des Suchens, des sich und sein Tun in Frage Stellens sowie der Neubestimmung seines Lebenswegs gewesen sein soll [ŠUCHOV, F. 1990b]. Trotz seines bisherigen Lebenswerkes war er wohl voller Zweifel und Enttäuschung. Dies war wohl auch darauf zurückzuführen, dass er nur ungenügende Anerkennung für die von ihm entwickelten Erdöl-Destillationsverfahren bekam (Verfahren zu Destillationen bei großem Druck und hohen Temperaturen). Ebenfalls empfand er, dass seine Ausstellungspavillons bei der „Allrussischen Ausstellung“ in Nižnij Novgorod eine zu geringe Wertschätzung erhielten, welche ihrer Zeit weit voraus waren, aber im Anschluss der Ausstellung einfach Stück für Stück verkauft und auseinander gerissen wurden. Seine Vereinheitlichung, Standardisierung und Taktverfahren konnten sich demnach nicht durchsetzen. Seit 1900 musste Šuchov auch spüren, dass er bei der Verwirklichung von großen Plänen und bei der Lösung staatlicher Ingenieuraufgaben außen vor gelassen wurde.

Nachdem 1913 der Geschäftsführer Bari gestorben war, übernahm sein Sohn die Firmenleitung. Die Produktion von Kriegsgerät (1914-1917) während des 1. Weltkrieges durch Firma Bari war für Šuchov moralisch unbefriedigend. Die Planung von Großprojekten stand zu dieser Zeit nicht an. Šuchov nutzte die Zeit, um sich Gedanken zu machen über die Entwicklung des Ingenieurwesens und einen neuen technischen Aufstieg. Gespräche mit Mitarbeitern, Erfahrungen auf Reisen zu Baustellen und Besprechungen mit der „fortschrittlichen russischen Intelligenz“ ließen ihn eine andere Denkweise und radikale Veränderungen fordern. Er meinte, wenn es „keine Veränderungen gab, dann musste alles zum Stillstand kommen und die Schaffenskraft erlahmen“ [ŠUCHOV, F. 1990b, S. 22] (Abb. 2.08).

Die revolutionären Veränderungen soll Šuchov als angemessene und logische Folge gesehen haben. Die Unruhen und Erstarkung der Bolschewiki Ende 1917 ließen 1918 die Unternehmerfamilie Bari nach Amerika emigrieren. Auch Šuchov soll angeboten worden sein, zu emigrieren, was er jedoch ablehnte. Nach der russischen Revolution im Jahr 1918 wurde die private Firma Bari verstaatlicht und zum Planungsbüro „StalImost“ (ehemaliges Baubüro) umgeformt. Aus diesem ging das heutige wissenschaftliche Planungsinstitut CNII Proektstalkonstrkcija hervor. Die ehemalige Bari-Kesselfabrik wurde der staatliche Betrieb „Parostroj“ – heute „Dinamo“.

Chefingenieur der verstaatlichten Firma Bari

Im Alter von 65 Jahren wurde Šuchov 1918 von den Firmenarbeitern zum Chefingenieur gewählt und 1919 zum Mitglied der Firmenleitung ernannt. Noch im Jahr 1918 bekam Šuchov wieder für ihn interessante Aufträge. Nun galt es durch den Krieg und die Unruhen beschädigte Bauwerke zu reparieren. Hier soll er wieder rückhaltlosen Einsatz und Einfallsreichtum gezeigt haben wie z.B. bei der Bergung ganzer Brückenträger. Zu dieser Zeit soll es an Facharbeitern, Arbeitsgeräten und Stahl gefehlt haben. Und dennoch wurden die anstehenden Aufgaben bewältigt. Šuchov verwendete unter diesen Bedingungen mehr Holz für seine Konstruktionen wie beispielsweise bei Wasserleitungen. Die damals im Zusammenhang mit der Reparatur von Bauwerken entstandenen Montagewerkstätten bildeten später den Kern der staatlichen Organisation für Brückenneubauten. 

Unter der Übergangsregierung Lenins war Šuchov 1918 in wissenschaftlichen und politischen Gremien tätig. So war er seit 1918 Mitglied des staatlichen Planungskomitees für Erdölwesen. Noch in dem Jahr erhielt Šuchov von Lenin den Auftrag für die Planung und den Bau des Šabolovka-Radioturms in Moskau. Innerhalb kurzer Zeit legte er bereits im Februar 1919 einen Entwurf und Berechnungen für einen 350 m hohen Turm vor, welcher aufgrund einzusparender Stahlmenge mit einer Höhe von 150 m ausgeführt wurde. 1922 pünktlich zur Gründung der Sowjetunion wurde der Sendeturm in Betrieb genommen.

Nach der Erstellung des Radioturmes ging es für die staatliche Firma „Parostroij“ in den folgenden Jahren aufwärts. Šuchov beteiligte sich in den 1920er Jahren an der Planung und dem Bau der Eisenverarbeitungswerke Verchnhe-Isetsk und Belorečensk sowie die für die Erdölindustrie und sowjetischen Wirtschaft bedeutenden 822 km langen Baku-Batumi-Pipeline und Groznyi-Tuapse-Pipeline, durch welche das Erdöl auf den Weltmarkt geliefert werden konnten. 

Nicht nur auf dem wirtschaftlichen und ingenieurischen Sektor verbesserte sich die Lage Šuchovs in den 1920er Jahren. Auch akademisch ging es voran. Er wurde zum Professor am Moskauer Polytechnikum ernannt. [ŠČERBO 1990].

1924 erfuhr er, dass auch in Amerika im Bartonschen-Verfahren sein Patent zum Kracken von Erdöl weiterentwickelt angewendet wurde. Die amerikanische Firma „Sinclair Oil“ war wegen des Alleinanspruchs des Rockefeller-Konzerns „Standard Oil“ im Streit und holte sich bei Šuchov die Gewissheit über die Šuchovs Ursprungserfindung zum Kracken ein. Der Streit endete in einem Vergleich und Šuchov setzte sich nicht weiter für die Gewinnbringung seines Patentrechtes in Amerika ein. 

1927 wurde er als Mitglied des staatlichen Planungskomitees für Erdölwesen Mitglied der sowjetischen Regierung. In diesem Jahr plante er auch die mehrstöckigen hyperbolischen NiGRES-Stromleitungsmasten im Gebiet um Nižnij Novgorod. 1928 wurde er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UDSSR. Ein Jahr später ernannte ihn die Akademie der Wissenschaften der UDSSR zum Ehrenmitglied und er wurde Mitglied des Moskauer Stadtrates.

Ende der 1920er Jahre bekam Šuchov Gesundheitsbeschwerden. Šuchovs Enkel Fedor V. Šuchov berichtet in seinem Artikel „Erinnerungen an meinen Großvater V.G. Šuchov“ [ŠUCHOV, F. 1990a] von dessen Eintragungen zu seinem schlechten Gesundheitszustand und Unwohlsein neben den Notizen, die er während Versammlungen machte.

Šuchov, der „an Selbständigkeit und volle Eigenverantwortung gewöhnt war“, störte sich zu dieser Zeit „an bürokratischen Hürden, den ganzen Überprüfungen und Beschränkungen“ und „daran, dass die Arbeitsgruppenleiter nicht nach ihren fachlichen Eigenschaften ausgewählt wurden“ [ŠUCHOV, F. 1990a, S. 21]. Zu diesem Thema soll er oft geklagt haben – „ich habe nur noch wenig zu leben, es ist schade, seine Kräfte umsonst zu vergeuden“ [ŠUCHOV, F. 1990a, S. 21]. Dennoch soll Šuchov nach 1929 (über 76-jährig) noch Aufträge für die Industriehafenanlage in St. Petersburg (damals Leningrad), eine Flugzeughalle mit 45 m Spannweite, Großtanks und Gasdruckbehälter für die Fabrik „Dagestanskie ogni“ und das Heben von versenkten Schiffen bewältigt haben.

In den 1930er beteiligte er sich noch an der Planung der Hüttenwerke in Magnitogorsk, Kuzneck und Zaporože sowie dem Wiederaufbau einer Moskauer Automobilfabrik, bei der er mit doppelt so großen Rahmenabständen gegenüber üblichen Hallenkonstruktionen beeindruckte. 

Trotz angeschlagener Gesundheit wurde in dieser letzteren Phase seines Lebens 1932 einer seiner Träume – die Inbetriebnahme seiner 1879 geplanten Raffinerieanlage in Baku – wahr. Im Alter von 79 Jahren überwachte er persönlich in den ersten Wochen die Produktion der Anlage „Sovjetskij Kreking“. Im selben Jahr war seine letzte Arbeit die behutsame Erhaltung des Minaretts der Ulug-Bek-Medrese (Koranschule) in Samarkand aus dem 15. Jahrhundert, welches aufgrund eines Erdbeben in Schieflage geriet und einzustürzen drohte.

Hiernach soll Šuchov in seinen letzten Lebensjahren zurückgezogen gelebt und sich gemeinsamen Arbeiten und Besprechungen mit Schülern gewidmet haben. In dieser Zeit soll er nur noch Freunde und alte Mitarbeiter empfangen haben, was ganz im Widerspruch zu seinem regen Gedankenaustausch mit befreundeten Wissenschaftlern und Technikern während seiner ganzen Ingenieurzeit stand. Im Februar 1939 verstarb Šuchov im Alter von 86 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Moskauer Prominentenfriedhof beim Novodevičij-Kloster.

Persönliches in Zitaten

Ein sehr persönliches und privates Bild von Šuchov gibt sein Enkel Fedor V. Šuchov in „Erinnerungen an meinen Großvater V.G. Šuchov“ [ŠUCHOV, F. 1990a] und in „Vladimir G. Šuchovs Tätigkeit in den Jahren nach der Revolution“ [ŠUCHOV, F. 1990b] wieder. 

Sein Enkel berichtet von Šuchovs 10-12 Stunden täglicher Arbeit, berufen zum neugierigen, ungeduldigen und begeisterten Ingenieur. Er soll immer mit dem Gedanken bei der Lösung von Aufgaben gewesen sein, so dass er auch Unterhaltungen mit Gästen für kurze Zeit unterbrochen haben soll, „um in den Zeichensaal zu verschwinden, um eine ihn in den Kopf gekommene Idee zu überprüfen“ [ŠUCHOV, F. 1990a, S. 20]. 

In einem Gespräch mit seinem Enkel hatte Šuchov sich einmal über dessen Berufsvorstellungen unterhalten und als ihm sein Enkel eröffnete, dass er Ingenieur wie sein Großvater und Vater werden wolle, soll ihn Šuchov sehr ernst angeschaut und gesagt haben:
„Und bist du dir im Klaren, was das heißt – Ingenieur zu sein?“ [ŠUCHOV, F. 1990a, S. 20].
Und später meinte er wohl im selben Gespräch:
„Du glaubst gar nicht, wie schwierig das ist. Man muss nachdenken, Tag und Nacht, und die ganze Zeit Neues ausdenken, sonst scheiterst du im Leben. Außerdem bedeutet der Ingenieurberuf Fabriken, Montagestellen, die dann auch dein Arbeitsplatz sein werden, mit Arbeitsgruppen, die deine Ideen verwirklichen sollen. Auch darüber musst du nachdenken, wie schwierig es ist, mit den Schlossern, Nietern und Kesselschmieden zusammenzuarbeiten.“ [ŠUCHOV, F. 1990a, S. 21].
Šuchov soll noch hinzugefügt haben:
„Vergiss nie, dass man mit der Technik ganz ehrlich umgehen muss. Einen Betrug nimmt sie bitter übel, sie geht daran kaputt und vernichtet dabei nicht nur deinen guten Ruf, sondern vielleicht auch Menschenleben.“ [ŠUCHOV, F. 1990a, S. 20].

Ein anderes Mal soll er über das Ingenieurwesen folgendes zu seinem Enkel gesagt haben:
„Die Ingenieurkunst ist deshalb undankbar, weil man Wissen besitzen muss, um ihre Schönheit zu verstehen. Die Schönheit von Kunstwerken hingegen begreift man mit dem Gefühl. Ich rate dir, bevor du dabei bleibst, Ingenieur werden zu wollen, erst einmal als Arbeiter in einer Fabrik zu arbeiten. Heute ist das besonders wichtig, weil du einige Arbeitsjahre nachweisen musst, bevor du auf die Hochschule gehen kannst.“ [ŠUCHOV, F. 1990a, S. 21]. Praktische Arbeitserfahrungen machte auch Šuchov am Moskauer Polytechnikum während seines Studiums.

Technikgeschichte hatte auch für Šuchov eine große Bedeutung. Er soll zur Arbeit eines Technikers bemerkt haben,
„wie wichtig es sei, aus der Erfahrung von Generationen zu schöpfen, die einen Schatz von Gedanken und Erfindungen vieler unbekannter Meister bilde.“ [ŠČERBO 1990, S. 26]. Šuchov soll sich auch für geisteswissenschaftliche Fragen interessiert und die Fotographie zum Hobby gehabt haben.

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