Wilhelm von Traitteur (1788 – 1859) Würdigung

Man kann Wilhelm von Traitteur mit Sicherheit als einen wichtigen Vertreter des russischen Brückenbaus bezeichnen, da er ihn wesentlich weiterentwickelte. Zu seinen Leistungen zählen erstens, dass er ein völlig neues System in Russland etablierte, nämlich den Kettenbrückenbau. Dazu transferierte er schon vorhandene Erfahrungen aus Amerika und Europa, vor allem aus England, und entwickelte diese in Russland weiter. Zudem verwandte Traitteur als einer der ersten Ingenieure keine massiven Brückenpylone für seine Kettenhängebrücken, wie es in Frankreich und England üblich war. Stattdessen versuchte er die Konstruktion aufzulösen und baute schlanke und zerbrechlich wirkende Pfeiler (Pylone) und Fachwerke. Dies wird vor allem bei der Pantelejmonovskij-Brücke sehr deutlich.

Hervorzuheben ist, dass Traitteur unter besonderen Bedingungen seine Brücken zu bauen hatte. Hierzu zählt im besonderen Maße das raue und kühle Klima von St. Petersburg. Eisenkonstruktionen wie die Kettenhängebrücken Traitteurs waren sehr anfällig für diese Witterung. 

Traitteur war immer bemüht seine Brücken als Gesamtkunstwerk zu konzipieren. Er hatte einen sehr hohen ästhetischen Anspruch und dies nicht nur in architektonischer Hinsicht. Neben dem Entwurf spielten für ihn auch die städtebauliche Einbindung der Brücken und die Weiterentwicklung des Tragwerks eine große Rolle. Er begriff eine Brücke als ein Gesamtkunstwerk, wo diese drei Aspekte zusammenkommen und miteinander harmonisieren sollten.

Selbst sehr kritisch gegenüber seinen eigenen Bauwerken stehend, versuchte Traitteur immer schon in der Entwurfsphase sowie während und nach der Ausführungsphase, die konstruktiven Details und das Tragverhalten der Brücken zu verbessern und zu optimieren.

Da Traitteur immer wieder nach sehr individuellen Lösungen für seine Brücken suchte und diese auch durchsetzen wollte, kam es häufig zu Auseinandersetzungen mit dem Corps der Verkehrswegeingenieure. Das Corps war meist anderer Meinung und so musste Traitteur oft „Kämpfe“ mit dem Corps ausfechten, um seine Brücken errichten zu können. Traitteur wollte außerdem seine Werke und Lösungen einer größeren Öffentlichkeit bekannt machen und publizierte daher mehrere lithografische Alben.

Bei all diesen Leistungen darf aber nicht vergessen werden, dass eine seiner Brücken einstürzte und eine weitere daraufhin demontiert wurde. Auch die anderen drei Brücken standen nicht ohne Probleme. Ständige Reparaturen und das Schwingungsverhalten der Brücken zeigten, dass das System nicht vollständig ausgereift und verbesserungswürdig war. Weiterhin war Traitteur nur in St. Petersburg erfolgreich tätig. Nachdem er nach Deutschland zurückgekehrte, konnte er seine Tätigkeit als Brückenbauer nicht fortsetzen. Er versuchte es mehrfach, jedoch ohne Erfolg.

Abschließend ist zu bemerken, dass Wilhelm von Traitteur in Russland der erste Ingenieur war, der Kettenbrücken baute. Seine Brücken, die teilweise noch heute stehen, wurden schon damals von der Bevölkerung mit Begeisterung angenommen. 

In der Monographie von Sergej G. Fedorov über Traitteur findet sich eine kleine Übersicht von Auszeichnungen, die Traitteur für sein Werk und seine Leistungen erhielt [FEDOROV 2000, S. 305]. Diese Übersicht wird an dieser Stelle wiedergegeben:

29. Dez. 1816Zähringer Löwenorden.
04. Dez. 1819St. Annen-Orden, 2. Klasse.
20. Feb. 1818St. Vladimir-Orden, 4. Klasse.
20. Juni 1821St. Annen-Orden, in Brillanten.
20. März 1824Kommandeurkreuz des Zähringer Löwenordens.
05. Jan. 1827St. Vladimir-Orden, 3. Klasse.
07. Aug. 1827Kommandeurkreuz 2. Klasse des hessischen goldenen Löwenordens.

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