Félix Candela Outeriño (1910 – 1997) Biografie

Tabellarische Übersicht
1910Geburt von Félix Candela Outeriño am 27. Januar in Madrid, Spanien. Der Familienname mütterlicherseits – Outeriño – wird in der Literatur meist vernachlässigt, wodurch er allgemein als Félix Candela bekannt ist.
1927Candela beginnt mit dem Studium der Architektur an der „Escuela Superior de Arquitectura de Madrid“, Spanien.
1932Gewinn von verschiedenen sportlichen Wettkämpfen. Titel: Nationaler Skichampion und regionaler Stabhochsprung-Champion.
1934Mitglied in einer Rugbymannschaft. Mit dieser wird er nationaler Meister.
1934Universitäre Jobs: Candela gibt Privatunterricht für seine Kommilitonen in Geometrie und ist Tutor beim Lehrstuhl für Festigkeitslehre.
1935Candela legt das Abschlussexamen ab.
1936Er erhält ein Stipendium von der „Academia de Bellas Artes de San Fernando“ für eine Doktorarbeit in Deutschland. Aufgrund des Ausbruchs des Bürgerkrieges bleibt Candela jedoch in Spanien.
1937-1938Hauptmann der Ingenieurabteilung im spanischen republikanischen Heer.
1939Candela verlässt Spanien. Internierung in einem Konzentrationslager in Perpignan, Frankreich.
1939Ausreise als politischer Flüchtling nach Mexiko. Erreicht als erstes Veracruz. In einer Arbeiterkolonie im mexikanischen Chihuahua beginnt Candela als Architekt zu arbeiten.
1940Er heiratet Eladia Martín.
1940-1948Tätigkeit als freischaffender Architekt.
1941Candela erhält die mexikanische Staatsbürgerschaft.
1949Er gründet mit seinem Bruder Antonio und seiner Schwester Julia die Firma „Cubiertas Ala, S.A.", deren Präsident er bis 1969 ist. Mit dieser Firma und ihren Filialen außerhalb Mexikos errichtet er in den folgenden Jahren mit dem System der geregelten Flächen (Hypare) über 896 Bauwerke.
1951Präsentation der ersten Version des Essays „Hacia una nueva filosofía de las estructuras“ (dt.: Zu einer neuen Philosophie des Bauwesens). Erscheint letztendlich im Juli-August 1952 in der Zeitschrift „Revista Ingeniería“ (Vol. XXV, Nr. 2, Mexico City/ Detroit).
1953-1970Candela beginnt eine Lehrtätigkeit als Dozent für Projektplanung und Material-Festigkeitslehre an der Escuela Nacional de Arquitectura der UNAM.
1953Veröffentlichung des Aufsatzes „Divagaciones estructurales en torno al estilo" (dt.: Strukturelle Anmerkungen zum Stil) in der Zeitschrift „Espacios“ (Nr. 15, Mexiko).
1953-1955Kirche der Wundertätigen Jungfrau (Iglesia de la Virgen Milagrosa), Narvarte, Mexiko-Stadt.
1956Vortrag „En Defensa del Formalismo" (dt.: Verteidigung des Formalismus) in der
„Casa del Arquitecto" (dt.: Haus des Architekten), Mexiko-Stadt. Dieser erscheint im Juli in der Zeitschrift „Arquitectos de Mexico“ (Nr. 1).
1957Ausstellung an der University of Southern California, L.A., USA.
1960Im Oktober wird Candelas Abhandlung „General Formulas for Membrane Stresses in Hyper­bolic Paraboloidical Shells" in der ACI (ACI Journal, Proceed­ings, Jg. 57, Detroit) veröffentlicht, die Antonio Tondo für seine bedeutendste hält.
1961Ausstellung seines Werkes in der Harvard University, Cambridge, Massachusetts, USA.
1963Tod seiner Frau Eladia, mit der er vier Kinder hat: Antonia, Manuela, Teresa und Pilar.
1966Ausstellung seines Schaffens im Mc Nair Museum, San Antonio, Texas, USA und im Museum of Modern Art, Houston, Texas, USA.
1967Heirat mit der nordamerikanischen Archi­tektin Dorothy Davies.
1968Candela veröffentlicht den Artikel: „El escándalo de la Opera de Sydney" („Der Skandal des Opernhauses von Sydney") in der Zeitschrift „Arquitectura-México".
1969Architektonischer Mitarbeiter bei Praeger-Kawanagh-Waterbury, New York, USA.
1971Übersiedelung in die Vereinigten Staaten.
1971-1978Lehrtätigkeit als Professor für architektonische Projekte an der Universität von Illinois in Chicago, Illinois, USA.
1971Lehrtätigkeit als Professor für architektonische Projekte an der Universität von Illinois in Chicago, Illinois, USA.
1971Arbeit als internationaler Fachberater für verschiedene Architekturbüros bis zu seinem Tode.
1978Erhalt der US-amerikanischen Staats­bürgerschaft.
1980Tätigkeit als freischaffender Fachberater in Madrid, Spanien.
1994Vom spanischen Staat organisierte Retrospektive von Candelas Leben und Werk in Madrid.
1997Am 7. Dezember stirbt Candela an einer schon länger bestehenden Herzschwäche in Durham, North Carolina, USA.
In Spanien. Seine Ausbildungsjahre.

Félix Candela Outeriño wurde am 27. Januar 1910 in Madrid geboren. Wie in Spanien üblich erhielt er die Familiennamen beider Elternteile - Candela vom Vater und Outeriño von der Mutter. In der Literatur wird häufig der Familienname mütterlicherseits vernachlässigt, wodurch der spanische Ingenieur allgemein als „Felix Candela“ bekannt ist (Abb. 2.03).

Nach dem Abitur fühlte sich Candela zu keinem speziellen Beruf hingezogen. Obwohl er sich ebenso gut für etwas anderes hätte entscheiden können, begann Candela auf Anregung eines Freundes Architektur an der „Escuela Superior de Arquitectura de Madrid“ zu studieren. Schon als Student erteilte er seinen Kommilitonen Privatstunden in Geometrie. Was ihn an seinem Studium allerdings am meisten fesselte, war die rechnerische Ermittelbarkeit einer Konstruktion. Von dem Professor für Festigkeitslehre, Luis Vegas, erhielt Candela wegen seines Talents für analytische Geometrie und Trigonometrie den Ehrentitel eines Assistenten. Candelas Interesse für die Schalenkonstruktion entwickelte sich in seinem sechsten Studienjahr, als Eduardo Torroja den „Frontón de Recoletos“ plante, ein Gebäude, das Candela eingehend studierte. Im Jahr 1935 legte Candela das Abschlussexamen an der Universität ab.

Wettkämpfe

Während des Studiums war Candela auch im Sport sehr engagiert. Er wurde Skimeister, war ein Bergsteiger und Meister im Dreisprung und Stabhochsprung. Seinen größten sportlichen Erfolg feierte er vermutlich, als er seine Rugbymannschaft zum Sieg in der nationalen Meisterschaft führte (Abb. 2.04 und 2.05).

Die Faszination der Schale contra Bürgerkrieg

Candelas Interesse für die Schalenkonstruktion führte dazu, dass er nach der Vorlesung von Torroja das Verständnis einer Konstruktion in der Mathematik zu suchen begann, obwohl er selbst, wie auch die anderen Studenten, praktisch nichts von Torrojas Berechnungen zum berühmten „Frontón de Recoletos“ verstand. Er fing damit an, verschiedene deutsche, französische und englische Aufsätze über Schalenbauweisen für sich zu übersetzen. Um den Gegenstand weiter studieren zu können, bewarb er sich 1936 um ein Stipendium, welches jedes Jahr von der „Academia de Bellas Artes de San Fernando“ ausgeschrieben wurde, indem er eine Arbeit unter dem Titel „Der Einfluss neuer Techniken im Stahlbeton auf die architektonische Form“ einreichte. Die Prämie wurde ihm zuerkannt. Er beschloss daraufhin nach Deutschland zu reisen, um dort von berühmten Schalenspezialisten wie Dischinger und Finsterwalder zu lernen. Aber am Tag seiner Abreise brach ein Bürgerkrieg in Spanien aus, weswegen er in Madrid verblieb. Während des Krieges wurde Candela im spanischen republikanischen Heer zum Hauptmann der Ingenieurabteilung ernannt. Bei einem Rückzugsmanöver über die Pyrenäen zur französischen Grenze im Jahre 1939 wurde er aufgegriffen und anschließend in einem Konzentrationslager in Perpignan, Frankreich, interniert.

In Mexiko. Flucht und Suche

Mit der Unterstützung von der „Gesellschaft der Freunde“ gelangte er als politischer Flüchtling nach Veracruz, Mexiko. Von hier aus wurde er neben weiteren Flüchtlingen nach Mexiko-Stadt befördert und dort durch die Vertreter der spanischen Republikaner untergebracht (Der Regent der spanisch-republikanischen Partei Juan Negrin erwarb riesige Ländereien im nördlichen Teil Mexikos, um dort politisch Verfolgte Spanier unterzubringen.). Kurze Zeit später erhielt Candela den Posten eines Architekten in einer spanischen Arbeiterkolonie, welche über 100 Kilometer nördlich von Chihuahua gelegen war. Dort heiratete er 1940 Eladia Martin, die er bereits in Madrid kennen gelernt hatte. Beide nahmen im folgenden Jahr die mexikanische Staatsbürgerschaft an. Nach der Auflösung der Kolonie kam Candela zurück nach Mexiko-Stadt, um hier als Zeichner in einer kleinen Baufirma zu arbeiten. Zwischen den Jahren 1940 und 1948 arbeitete Candela als freischaffender Architekt bei verschiedenen Architektur- und Konstruktionsfirmen. Während dieser Zeit stieß er auf einen Artikel über Faltwerke von George Winter und Minglung Pei im American Concrete Institute Journal. Dieser Artikel entfachte von neuem sein früheres Interesse an dünnen Schalenkonstruktionen. Wieder begann er fremdsprachige Aufsätze über Schalen in den Abendstunden zu studieren. Neben englischen, deutschen und französischen Artikeln befanden sich diesmal auch schwedische und dänische darunter.

Glücksspiel, Filmproduktion und Baugewerbe

Offen und abenteuerlustig wie Candela war, begab er sich 1948 gemeinsam mit seinem Bruder Antonio auf neues Terrain. Der Ausgang war der glückliche Gewinn des Großen Loses der Nationallotterie durch Antonio. Das Geld investierten sie in die Produktion von Filmen. Nach dem Dreh zweier eher minder qualitativer Streifen war ihr Vermögen schnell aufgebraucht und die beiden Brüder waren arbeitslos. Candela begann ein Jahr lang Schaumbeton zu studieren. Da es an Geld mangelte, konnte er die Forschung nicht weiter führen. Der Weg aus der Misere schien die Gründung einer neuen Firma im Bausektor. Zusammen mit seinem Bruder Antonio und seiner Schwester Julia instituierte er 1949 die „Cubiertas Ala, S. A.“, deren Präsident er bis 1969 blieb. Bis dahin errichtete er mit dem System der geregelten Flächen über 896 Bauwerke.

Publikationen und Lehre

Seit 1950 begann Candela selbst Artikel – unter anderem zum Thema „geregelte Flächen“ – zu verfassen. In seinen Veröffentlichungen neigte er dazu, die konventionellen Berechnungen der Ingenieure anzuzweifeln. Sein erster Veröffentlichungsversuch im „ACI Journal“ wurde als zu „streitsüchtig“ abgelehnt. Als Candela 1954 den erfolgreichen Aufsatz „Stereo-Structures“ (dt. „Stereo-Strukturen“) in „Progressive Architecture“ veröffentlicht hatte (Unter „Estereo éstrukturas“ erstmals 1953 in „Espacios“ (Nr. 17, Mexiko) erschienen.), wurden weitere Artikel von ihm verlangt, da es an Kenntnis der einfachen Schalenkonstruktionen mangelte. Sein Ansehen in der Fachwelt stieg und zwei Jahre später erhielt Candela eine Lehrtätigkeit als Dozent für Projektplanung und Material-Festigkeitslehre an der „Escuela Nacional de Arquitectura“ der UNAM.

Als der Bau der Kirche (Iglesia) „de la Virgen Milagrosa“ (dt.: „der Wundertätigen Jungfrau“, auch: „La Milagrosa“) in Mexiko-Stadt im Jahr 1954 halb fertig gestellt war, wurde Candela zu einer Konferenz über Schalenbau am „Massachusetts Institute of Technology“ eingeladen. Dort hielt er zwei Vorlesungen. Da sein Englisch so unverständlich war, wurde die zweite Vorlesung von jemandem anderes vorgelesen, während Candela die Gleichungen auf eine Tafel schrieb. Die Fertiggestellung der Kirche „La Milagrosa“ 1955 machte Candela zum bekanntesten Schalenbauer seiner Zeit. Es war ein Werk besonderer Qualität, das von keinem Architekten und Ingenieuren dieser Zeit ausgedacht und genauso wenig ausgeführt werden konnte. Nach diesem Ereignis wurde Candela häufig dazu eingeladen, insbesondere in die Vereinigten Staaten, Vorlesungen zu halten. Daneben stieg die Anzahl seiner Auftraggeber. Allein in diesem Jahr wurden von Candela 31 Bauwerke umgesetzt.

Der "freie Rand"

Die Kapelle „Unserer Lieben Frau“ eröffnete die Serie von Gebäuden, die Candela in Zusammenarbeit mit Enrique de la Mora und Fernando Lopez Carmona ausgeführt hat. Das Dach dieser Kirche ist ein vier Zentimeter dünnes Hypar. Zu dieser Serie zählen auch der Hauptsaal der neuen Börse, die Kirche „Sankt Antonius im Obstgarten“, die Kirche „Sankt Josef der Handwerker“, die Kapelle „Sankt Vinzenz von Paul“ und die Kirche der „Heiligen Monika“. Während des Entwerfens des Hauptsaals der neuen Börse stieß Candela auf das Problem des freien Randes. Dieses wurde zum wichtigsten Thema in den späteren Bauten Candelas. Das beste Beispiel hierfür ist das Restaurant „Los Manantiales“ aus den Jahren 1957/1958.

In den Vereinigten Staaten. Neue Orientierung

Für die Olympiade im Jahr 1968 entwarf Candela den Olympischen Sportpalast, dessen Ausführung er auch leitete. Dieses Gebäude war das letzte Werk Candelas in Mexiko. 1971 kehrte er Mexiko den Rücken und ließ sich in den Vereinigten Staaten von Amerika nieder. Dies führte zur Schließung des Familienbetriebs und zum Ende seiner Lehr- und Bautätigkeit in Mexiko. In Chicago eröffnete er ein internationales Beratungsbüro und widmete einen Teil seiner Zeit der Lehrtätigkeit als Professor für architektonische Projekte an der Universität von Illinois. 1978 erhielt Candela die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Würdigung des verlorenen Sohnes

Im Jahr 1980 besuchte Candela seinen Geburtsort Madrid, wo er nun ebenfalls als freischaffender Fachberater tätig wurde. Hier begann auch die berufliche Verknüpfung mit Santiago Calatrava, der ihn zur Mitarbeit an dem Projekt der „Ciudad de las Artes i las Ciencias en Valencia“ (Stadt der Künste und Wissenschaften in Valencia) einlud. Die Struktur des Projektes „L’Oceanografie“ wurde von Candela übergenommen. Seine Handschrift und die Ähnlichkeiten des Restaurants „Los Manantiales“ zu anderen Bauwerken dort werden sofort deutlich.

Noch zu Lebzeiten des Ingenieurs und Architekten organisierte der spanische Staat im Jahre 1994 eine Retrospektive über Candelas Leben und Werk in Madrid. Am 7. Dezember starb Candela an einer schon länger bestehenden Herzschwäche in Durham, North Carolina, USA.

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