David Gilly (1748 – 1808) Biografie

David Gillys Leben war durch einen schnellen Aufstieg im preußischen Bauwesen geprägt. Seine Biografie zeigt die Vielfalt seines Schaffens als Architekt, Ingenieur, Lehrer, aber auch als Vater und Ehemann, der trotz vieler privater Schicksalsschläge, bis zum Ende seines Lebens mit viel Selbstdisziplin wirkte und forschte.

Tabellarische Biografie
JahrEreignis
1748Geburt am 7. Januar in Schwedt an der Oder als Sohn von Jaques Gilly und Marie Villemain.
1761Im Alter von 13 Jahren Baueleve unter dem Baudirektor der Neumark (Region östlich des heutigen Frankfurt an der Oder; heute innerhalb der polnischen Woiwodschaft Lebus) Ludwig Friedrich Hahn.
1763Erstes Examen.
1763Arbeit in Driesen (heute: Gmina Drezdenko, Woiwodschaft Lebus, Polen) und bei der Urbarmachung des Netzebruchs (Landschaft am Unterlauf des Flusses Netze bei Driesen).
1766Arbeit an der Urbarmachung und Kolonisation des Warthebruchs (Landschaft in der Woiwodschaft Lebus, Polen). Erlernen des Plan- und Kartenzeichnens.
1769Erste Entwürfe bei dem Wiederaufbau der Zantocher Vorstadt von Landsberg an der Warthe (heute: Gorzów Wielkopolski, Woiwodschaft Lebus, Polen).
1770Vorschlag zum Landbaumeister von Pommern und Examen.
1771Umzug nach Stettin (heute: Szczecin, Woiwodschaft Westpommern, Polen) bzw. Altdamm, dem heutigen Szczeciner Stadtteil Dąbie.
1771Ernennung zum Landbaumeister in Pommern.
1772Hochzeit mit Friederike Ziegenspeck.
1772Am 16. Februar Geburt von Sohn Friedrich.
1776„Inoffizielle“ Ernennung zum Landbaudirektor von Pommern.
1782Umzug von Stettin nach Stargard (heute: Stargard Szczecinski, Woiwodschaft Westpommern, Polen). Gilly von jetzt an Verantwortung für alle pommerschen Baubediensteten.
1788Umzug nach Berlin und Ernennung zum Geheimen Oberbaurat.
Ab 1789Veröffentlichung erster Karten von Gilly.
1790Ernennung zum Mitglied der königlich-preußischen Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften (heute: Akademie der Künste) und erste Lehrtätigkeit.
1793Gründung der ersten eigenen Bauakademie in Berlin.
1796Schließung der Bauakademie aufgrund fehlender Finanzierung.
1796Beginn des Projekts Schloss und Dorf Paretz (Ketzin-Paretz, Brandenburg, Deutschland). Dort Verwirklichung der Typenbauweise.
1799Neugründung der Berliner Bauakademie mit Hilfe von König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840, R 1797-1840).
1800Tod von Sohn Friedrich im Alter von 28 Jahren an Tuberkulose.
1803-1804Reise nach Paris zu Studienzwecken.
1804Tod von Frau Friederike.
1804Hochzeit mit Juliane Ziegenspeck.
1808Tod von David Gilly am 18. Mai in Berlin.

Ausführliche Biografie

Frühe Jahre. Gilly als Baueleve

David Gilly wurde am 7. Januar 1748 in Schwedt an der Oder geboren (Abb. 2.03). Er war der Sohn des Materialwarenhändlers Jaques Gilly und dessen Frau Marie Villemain, deren Vorfahren 1699 aus der damaligen französischen Provinz Languedoc, im heutigen Südfrankreich, im Zuge der preußischen Hugenottenaufnahme nach Preußen kamen. Im Jahre 1761 arbeitete Gilly bereits als Baueleve unter dem Baudirektor der Neumark Ludwig Friedrich Hahn. David Gilly war damals erst 13-jährig. Sein erstes Examen legte er im Alter von 15 Jahren ab und arbeitete kurz darauf in Driesen (heute: Gmina Drezdenko, Woiwodschaft Lebus, Polen) bei der Urbarmachung des Netzebruchs, einer Landschaft am unteren Lauf des Flusses Netze. Unter der Leitung des Finanzrates von Brenckenhoff arbeitete er um 1766 unter anderem an der Urbarmachung und Kolonisation des Warthebruchs (Landschaft in der Woiwodschaft Lebus, Polen). Zu den Aufgaben Gillys zählten landschaftliche Vermessungen, zeichnerische Darstellungen und andere grafische Aufgaben. Während dieser Zeit lernte er bei Major Müller das Plan- und Kartenzeichnen. Im Jahre 1769 arbeitete er unter der Leitung von Ludwig Friedrich Hahn am Wiederaufbau der Zantocher Vorstadt von Landsberg, dem heutigen Gorzów Wielkopolski, an dem er mit mindestens zwei nachgewiesenen Entwürfen beteiligt war (Abb. 2.04). Zu dieser Zeit nahm der Baudirektor von Pommern Carl Dornstein großen Einfluss auf Gilly. [LAMMERT 1964, S. 4]

Landbaumeister Gilly

1770 wurde David Gilly vom Finanzrat von Brenckenhoff zum Landbaumeister in Pommern vorgeschlagen. Um dieses Amt zu erhalten, musste Gilly ein Examen beim neu entstandenen Oberbaudepartement ablegen. Das Oberbaudepartement entstand im Zuge der Umstrukturierung des Bauwesens in Preußen, was auf die weitere Karriere Gillys großen Einfluss hatte. Das Examen bestand aus einer mündlichen Prüfung sowie dem Zeichnen eines Bürgerhausentwurfes, für den er auch einen  Kostenanschlag anfertigen musste (Abb. 2.05). Gilly zog im Jahre 1771 nach Altdamm bei Stettin (heute: Szczecin-Dąbie) und erhielt offiziell das Amt des Landbaumeisters in Pommern.

Baudirektor Gilly

Im Jahre 1772 heiratete David Gilly seine erste Frau Friederike Ziegenspeck. Ihr gemeinsamer Sohn Friedrich wurde am 16. Februar geboren. Im gleichen Jahr wurde Johann Haase Landbaudirektor von Pommern. Dieser war seinen Aufgaben jedoch nicht gewachsen. Infolge Haases minderer Leistung wurde Gilly 1776 zum Baudirektor ernannt, was vermutlich eine Stufe auf der Karriereleiter unter dem Landbaudirektor darstellte (Abb. 2.06). Dieses Amt wurde aber erst 1779 bestätigt. 1782 zog Gilly von Stettin nach Stargard (heute: Stargard Szczecinski, Woiwodschaft Westpommern, Polen), wo er einige Aufgaben des Landbaudirektors Johann Haase übernahm. Von nun an war David Gilly für alle Kostenanschläge und Zeichnungen aller pommerschen Baubediensteten verantwortlich.

Der Lehrer Gilly

1788 zog David Gilly nach Berlin, wo er zum Geheimen Oberbaurat ernannt wurde. Er kam zur gleichen Zeit wie Erdmansdorff aus Dessau, Langhans aus Breslau (heute: Wrocław, Woiwodschaft Niederschlesien, Polen) und Schadow aus Rom, die mit Gilly zusammen das Zeitalter des Klassizismus in der Architektur begründeten. Von nun an hatte Gilly die Leitung über das staatliche Bauwesen in Pommern, West- und Ostpreußen inne. 1789 wurden erste Karten Gillys veröffentlicht. Im Jahre 1790 wurde er Mitglied der königlich-preußischen Akademie der Künste und mechanischer Wissenschaften, in der er seine ersten Lehrtätigkeiten wahrnahm. Im Jahre 1793 übernahm er zusätzlich die Leitung des staatlichen Bauwesens in Südpreußen. In der gleichen Zeit gründete Gilly eine eigene Bauakademie in Berlin. Allerdings schlug die Finanzierung des Unternehmens fehl und die Akademie musste bereits 1796 wieder schließen. Zwischen 1796 und 1803 verwirklichte Gilly Projekte wie das Dorf und Schloss Paretz (Abb. 2.07), den Lustgarten in Berlin und das Schloss Freienwalde. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840, R 1797-1840), für den Gilly schon einige Zeit arbeitete, unterstützte Gilly im Jahr 1799, die Berliner Bauakademie zu eröffnen, in der Gilly als Lehrer für Wasser- und Deichbaukunst tätig wurde. In diesem Zeitraum forschte Gilly auch an einigen bautechnischen Dingen wie bspw. den Bohlenbindern.

Letzte Jahre

Im Jahr 1800 starb David Gillys Sohn Friedrich im Alter von nur 28 Jahren an Tuberkulose. Dies war ein schwerer Schlag für Gilly, mit dem auch seine Erfolgs- und Schaffensphase abbrach. 1803 reiste David Gilly mit zwei seiner Studenten zu Studienzwecken nach Paris. Die Reise blieb allerdings ergebnislos. Nach seiner Rückkehr 1804 starb seine Frau Friederike. Kurz darauf heiratete Gilly ihre Schwester Juliane. Zu dieser Zeit geriet Gilly immer mehr in eine Schaffenskrise, die im Zusammenhang mit seiner Sorge um die Zukunft seines Landes stand. Der preußische Staat fiel 1806/ 1807 in eine große Krise. Als Folge erhielt Gilly nur noch 20 % seines ursprünglichen Gehalts. Völlig verarmt starb David Gilly am 18. Mai 1808 im Alter von 60 Jahren nach schwerer Krankheit in Berlin (Abb. 2.08).

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