Tagung: Ab-Orte

"So wie ein Ort durch Identität, Relation und Geschichte gekennzeichnet ist, so definiert ein Raum, der keine Identität besitzt und sich weder als relational noch als historisch bezeichnen läßt, einen Nicht-Ort." (Augé)

Auch Michel Foucault beschreibt Heterotopien als Orte außerhalb aller Orte, als Gegenplätze der Gesellschaft. Doch was ist mit den Orten, die sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gesellschaft befinden, die sich von der statischen Schwere des Ortes lösen und den dynamischen Raum (Michel de Certeau) durchdringen. Orte, die zwischen Identität, Relation und Geschichte einerseits und Ähnlichkeit und Einsamkeit andererseits (Augé) schwanken. Orte in und abseits der Öffentlichkeit, öffentliche Orte des Rückzugs, der temporären Absenz, der Entsorgung - Ab-Orte.

Ziel des Projektes ist es, eben diese Ab-Orte interdisziplinär und diskursiv aufzuspüren und sie sowohl sozialanthropologisch als auch medienphilosophisch zu verorten. Dabei sollen verschiedene Fragestellungen in den Blick gerückt wer-den, z. B. ob Ab-Orte zwangsläufig immanent sind oder auch den Bereich der Transzendenz erfassen. Wie ist ein Ab-Ort in der Zeit verankert, zwischen Geschichte und Nicht-Geschichte (Augé), normalen und anderen Zeiten (Foucault), dem Dauerhaften und dem Flüchtigen? Sollte ein Ab-Ort konzeptuell nicht immer raum-zeitlich gefasst werden? Sind dabei nicht auch Raumzeitkonzepte von z. B. Bachtin (Chronotpos) oder Levebre (Rythmusanalyse) oder Foucault zu beachten, der nicht nur von Heterotopien, sondern auch von Heterochronien spricht; nicht nur von anderen Räumen, sondern auch von anderen Zeiten. Nicht nur hinsichtlich seines Sowohl-als-auch-Status lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Ab-Ort und dem von Julia Kristeva geprägten Begriff der Abjektion, der Reaktion auf die Konfrontation mit Ekel oder Phobien auslösenden Abjekten feststellen. Schließlich werden Abjekte, wie Kot, Urin, Blut, in der Regel auf dem klassischsten aller Ab-Orte ausgeschieden. So wie der Ab-Ort weder Ort noch Nicht-Ort ist, sind die Ausscheidungen nicht (mehr) Teil des Subjektes noch sind sie eigenständige Objekte.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis zu einem anderen Abort (lateinisch aboriri, abortus = entschwinden, entschwunden), der Fehlgeburt und dem Schwangerschaftsabbruch, wobei die kindliche Frucht frühzeitig aus dem Leib der Mutter 'entschwindet'. In dieser engen Verknüpfung der verschiedensten Ab-Orte kreuzen sich die Diskurse zu Raum, Zeit, (Ab-)Ort, Objekt und Subjekt. Gemeinsam ist ihnen der Moment der Öffnung im Raum, als Ausfließen - ebenso physisch wie metaphysisch - als Ausgangspunkt eines Erkenntnisprozesses.

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