Maschinen (in) der Kommunikation – Forschung im digitalen Zeitalter

Waren vor nicht einmal einer Generation Computer, Digitales und das Internet noch eine Domäne des versierten Spartenpublikums, sind heute digitale Endgeräte in jeden Winkel der Gesellschaft vorge­drungen und aus dem kulturellen Leben gerade jüngerer Generationen nicht mehr wegzudenken. Diese Entwicklung geht mit einer immer stärkeren Maskierung der Komplexität der Apparatur einher: Ehemals kompliziert zu handhabende Hard- und Software wird durch Simplifikation und Reduktion für die breite Masse der Nutzenden als Medium erfahrbar; gleichzeitig treten (informations)technische Mechanismen digitaler Medien durch die dominierende Präsenz der sterilen Oberfläche kaum mehr ins Bewusstsein ihrer Anwender.

Sollen technische Dispositionen der Mediennutzung nicht auch aus dem Blickfeld der sie Er­for­schen­den geraten, verlangt dies von der Medien-, Kultur- und Sozialwissenschaft eine (vertiefte) Kenn­tnis der jeweiligen Technik. Bei mangelnder Einsicht in die hinter Displays sich verbergenden 'Tie­fen' muss sich die geistes­wissenschaftliche Forschung in der Beschreibung (medien-)kultureller Prak­ti­ken er­schöpfen, ohne sie nachhaltig erklären und ihre informationstechnischen Determinanten nach­voll­zie­hen zu können. Um Fragestellungen der Medien-, Kultur- und Sozialwissenschaften um­fassend zu be­ant­worten, erscheint eine enge Kollaboration mit den Computer- und Ingenieur­wissen­schaf­ten un­ab­­ding­bar.

Alle im Kolloquium behandelten Objekte sollen deshalb jeweils aus geistes- wie aus ingenieurs­wissen­schaft­licher Blickrichtung thematisiert werden. Der interdisziplinäre Austausch im Kolloquium soll einer­seits die Geisteswissenschaft für technische Grundlagen ihrer Untersuchungs­gegenstände, ander­erseits Entwickler derselben für geisteswissenschaftliche Perspektiven auf ihre Arbeit sen­si­bilisieren und den Fokus auf gemeinsame Problemfelder schärfen. Mögliche Objektbereiche könnten sein: Social Bots (welche Formen existieren und welche Wirkung kann ihnen zugeschrieben werden?), Fi­lterblasen (bspw. im Social Web oder durch personalisierte Suchmaschinen), Machtstrukturen auf­grund der Selektivität von Suchmaschinen (bspw. durch Page-Ranking), Staatsbürgerliche Online-Teil­ha­be (bspw. Liquid Democracy, Digitalisierung behördlicher Dienstleistungen), Social Robots ('Imi­ta­tion des Emotionalen'), Internetbasierte intelligente persönliche Assistenten (bspw. Alexa, Siri), Ma­schi­nelle Sprach-Übersetzung (bspw. Google Translator, DeepL), Visualisierung von Daten (als Ver­mittlung zwischen Daten und deren Beobachtern), Datenschutz ('der gläserne Bürger'), Urheber- und Leis­tungs­­schutzrechte (bspw. durch Block-Chain-Technologie), Kontrollverlust durch Automatisierung (bspw. Algorithmen in der Finanzindustrie), Algorithmen-basierte Prognosen menschlichen Verhaltens (bspw. Kriminalität), Metadaten als erweiterte Dimension und neue Form der Kategorisierung digitaler Objekte (bspw. Geotagging).

Zu jedem der ca. sieben Themen sind zwei Impulsreferate (je 20 Minuten) aus jeweils einer Perspektive mit anschließender Diskussion geplant. Die Fahrt- und Unterkunftskosten werden übernommen. Wir bitten um Abstracts von ca. 250 Wörtern bis zum 31.03.2018 an klimczak@b-tu.de. Die Einladungen erfolgen bis zum 9. April. Das Kolloquium findet vom 5. bis 7. Juli statt, ein Tagungsband ist geplant.