Hans Ulrich Grubenmann (1709 – 1783) Projekte
Topografische Übersicht
Die hier zusammengestellte Projektliste basiert auf den Angaben der Literaturen KILLER 1998 und NÜESCH-GAUTSCHI 1985. Bei der Bearbeitung fiel auf, dass sich Bauzeitangaben, Bauwerksbezeichnungen, Lagebeschreibungen und Angaben zu den Baumaßnahmen in den beiden Quellen oft nicht decken. Manche Bauwerke finden sich sogar ausschließlich bei jeweils einem der beiden Autoren. Des Weiteren ist zu bemerken, dass Wohnbauten oft recht genau mit Eigennamen (wie bspw.: „Haus am Stoss“, „Haus zur Sonne“ und „Tschudihaus“), vollständiger Adresse und Eigentümer benannt, jedoch Kirchen zumeist nur mit dem Ort und Brücken mit Ort und Fluss in den Quellen näher bestimmt wurden. Ausnahmen bilden dabei nur die „Evangelisch-reformierte Kirche“ von Wädenswil (Kanton Zürich, Schweiz, 1763-1767) und die St. Laurenzen Kirche von St. Gallen (Kanton St. Gallen, Schweiz, 1764-1765). Dieser Sachverhalt hängt vermutlich damit zusammen, dass die Orte nur eine einzige Kirche aufwiesen, als diese errichtet oder umgebaut wurden, was jedoch heutzutage nicht mehr so sein muss. Brücken hingegen waren mit Ort und Fluss ausreichend bestimmt – Wohnbauten mit der ausschließlichen Nennung des Ortes jedoch nicht. Aufgrund dieser Beobachtungen ist an dieser Stelle nur folgendes zu wünschen: Es obliegt einer tiefer gehenden Arbeit eine „verbindliche“ und entsprechend des Forschungsstandes vollständige und genaue Liste zu erstellen. In der hier präsentierten Liste finden sich „alle“ Projekte, an denen Hans Ulrich Grubenmann wirkte; bei manchen trat er jedoch nur als Gutachter auf, wieder andere werden ihm nur zugeschrieben, d.h., seine „Urheberschaft“ ist nicht gesichert. Einige Projekte führte er in Zusammenarbeit mit seinen Brüdern oder Neffen aus. Projekte, bei denen er mit seinem Vater Ulrich Grubenmann (1668-1736) zusammenarbeitete, konnten in den Quellen leider nicht ausfindig gemacht werden.
Als Ergebnis der Tabellenzusammenstellung lässt sich sagen, dass Hans Ulrich Grubenmann an mindestens 31 Wohnbauten inkl. Pfarrhäusern, Palästen und Gerätehäusern (z.B.: Zeug- und Spritzenhaus, Teufen, Kanton Appenzell Außerrhoden, Schweiz, 1776) arbeitete, von denen allein 13 in Bischofszell (Kanton Thurgau, Schweiz) stehen. Darüber hinaus wirkte er an mindestens 24 Kirchen und 16 Brücken. Bei der im Vergleich zu Wohnbauten und Sakralbauten eher geringen Zahl an Brückenbauten, die Hans Ulrich schuf, erstaunt es, dass er gerade für diese so berühmt wurde. Betrachtet man sich jedoch die Brückenbeispiele – wie bspw. die Brücke von Schaffhausen – im Detail, wird schnell deutlich, weswegen er gerade für diesen Bauwerkstypus berühmt wurde. Leider haben sich nur wenige Zeugnisse seiner Brückenbauten erhalten. Wie sich der Projektliste entnehmen lässt, fiel der Großteil von ihnen den Kriegswirren des 2. Koalitionskriegs (1798-1802) zum Opfer. Zwei Brücken über die Urnäsch in der Nähe von Herisau (Kanton Appenzell Außerrhoden) blieben jedoch erhalten, da sie abseits der Hauptreiseruten der Franzosen lagen: 1778 – Stein-Kubel, 1780 – Hundwil. Auf zwei weitere Brücken soll an dieser Stelle noch hingewiesen werden: Beide Brücken entstanden unweit voneinander im Kanton Appenzell Innerrhoden in den Jahren 1751 und überspann(t)en die Sitter. In den Literaturen KILLER 1998 und NÜESCH-GAUTSCHI 1985 gelten die Brücken als zerstört [KILLER 1998, S. 195; NÜESCH-GAUTSCHI 1985, S. 123]. Bei der Recherche der genauen Bauplätze fanden sich jedoch zwei gedeckte Holzbrücken in den Orten Appenzell-Mettlen und Appenzell-Lank (Google Earth-Lagereferenzen: 47°20'7.46"N, 9°24'19.86"E (Appenzell-Mettlen), 47°20'49.13"N, 9°23'46.19"E (Appenzell-Lank)). Die Vermutung, dass die Brücken noch heute existent sind, nährt auch ein PDF mit einer Liste an Brückenprojekten der Baumeisterfamilie Grubenmann, welches durch das Grubenmann-Museum in Teufen erstellt wurde. Die Liste entstand vermutlich im Jahre 2012 im Zuge der Umgestaltung des Museums und des damit verbundenen neuen Museum-Webauftritts. Die beiden Brücken werden auf der Liste nicht explizit als zerstört ausgewiesen, wobei andere Brücken diese Angabe durchaus erhielten [siehe GRUBENMANN-SAMMLUNG-NEU BRÜCKEN]. Inwiefern sich die Brücken von Appenzell-Mettlen und Appenzell-Lank bis heute wirklich erhalten haben oder hier Nachbildungen/ Nachbauten vorliegen, blieb bis zum Rechercheende für diesen Great-Engineers-Beitrag zu Hans Ulrich Grubenmann jedoch unbekannt.
(Nachtrag. Nach Redaktionsschluss fiel der Autorin Kristin Thormann das Buch „Hans Ulrich Grubenmann. Erbauer von Holzbrücken, Landkirchen und Herrschaftshäusern. 1709-1783“ von Eugen Steinmann, erschienen in Teufen im Jahre 1984, in die Hände. Auf der Seite 25 werden die Brücken von Appenzell-Lank und Appenzell-Mettlen näher beschrieben und Fakten zur Baugeschichte genannt. Zur Brücke von Appenzell-Lank heißt es, sie sei 1751 durch Hans Ulrich Grubenmann entstanden, jedoch bereits 1766 durch ein Hochwasser zerstört worden. In den Jahren 1844/ 1845 entstand eine neue gedeckte Holzbrücke an gleicher Stelle. Zur Brücke von Appenzell-Mettlen steht geschrieben, dass sie ebenfalls im Jahre 1751 durch Hans Ulrich entstand und 1766 das gleiche Schicksal erlitt. An ihrer Stelle entstand bereits 1766/ 1767 eine neue Brücke, deren Erbauer unbekannt bleibt.)
Hans Ulrich Grubenmann erstellte wie seine Brüder für seine Projekte zumeist nebst Zeichnungen auch Modelle. Manche haben sich als Original oder als Kopie erhalten. Nähere Angaben zu Brückenmodellen Grubenmanns finden sich bei KILLER 1998 auf den Seiten 195 bis 196. Auf der Folgeseite sind bei KILLER 1998 Dachstuhl- und Turmmodelle aufgelistet.


