Guarino Guarini (1624 – 1683) Publikationen

In der folgenden Tabelle sind 10 von Guarini bekannte thematische Abhandlungen, sogenannte Traktate, aufgelistet. Darüber hinaus ist ein Theaterstück aufgeführt, welches in den Jahren 1660 bis 1662 entstanden sein muss. Die schriftstellerische Tätigkeit Guarinis scheint mit den 60ern des 17. Jhs. zu beginnen. Der Baumeister befand sich gerade in Messina (Sizilien, Italien; damals: Königreich Sizilien), arbeitete an drei Kirchen und war Professor für Mathematik, als im Jahr 1660 sein erstes literarisches Werk erschien. Fünf Jahre später, damals weilte Guarini in Paris, erschien seine zweite Publikation. Intensiv schriftstellerisch tätig war Guarini jedoch erst in den 1670ern. Innerhalb der Jahre 1674 bis 1677 erschienen insgesamt fünf Traktate. Wieder folgte eine längere Pause bis in seinem Sterbejahr 1683 eine weitere Publikation herauskam. Guarino Guarini muss demnach eine schriftstellerische Hauptphase gehabt haben. Dieses Bild Guarinis wird jedoch die Realität falsch wiederspiegeln. Seit seinem Noviziat bzw. seiner Studienzeit in Rom in den Jahren 1639 bis 1647 setzte sich Guarini theologisch, wissenschaftlich und kreativ mit seiner Umwelt und seinen Arbeiten auseinander. Deutlich zeigt sich dies bei der Schilderung von Guarinis vermutlichem Spanienaufenthalt (1657-1659), wo er die maurische Architektur des Landes genauer studiert haben soll. Mit großer Wahrscheinlichkeit entstanden dabei Zeichnungen und Notizen. Dass man eher von einer kontinuierlichen Schriftstellertätigkeit ausgehen muss, zeigen auch die beiden Werke, die posthum in den Jahren 1686 und 1737 erschienen, von denen eines sogar sein Hauptwerk darstellt. Wenn sich Guarinis Schriftstellernatur auf diese Weise charakterisieren lässt, ist davon auszugehen, dass Guarini noch weitere Abhandlungen verfasste, die entweder verloren gingen oder bis dato unentdeckt blieben oder ihm seitens der Forschung bisher nicht zugeordnet werden konnten. Wenn sich diese Vermutung bewahrheiten sollte, kann man auf zukünftige Entdeckungen gespannt sein.

Bei der Erstellung der Publikationsübersicht bestand der Anspruch neben dem Erscheinungsjahr und der Titelnennung des jeweiligen Traktates, weitere Informationen dem Leser an die Hand zu geben. So finden sich bspw. Verweise auf Titelblätter und Abbildungen von Guarinis Publikationen unterhalb des Traktattitels. Ein besserer Einblick in die Themen von Guarinis Veröffentlichungen soll durch sinngemäße, teils wortwörtliche Übersetzungen der Abhandlungstitel ins Deutsche, für welche sich die Autorin und das Lektorat gleichermaßen verantwortlich zeichnen, gegeben werden. Sie sind in der dritten Tabellenspalte abgelegt. Für die Richtigkeit der Titelübersetzungen übernehmen Autorin und Lektor jedoch keine Gewähr. Bei dem Großteil der Traktate war bei Erstellung der Publikationsliste der Ort der Verlegung unbekannt. Über den jeweiligen Aufenthaltsort Guarinis wurde versucht, eine plausible Lösung für diese Frage zu finden. Ein „(?)“ soll den nicht gesicherten bzw. den angenommenen Verlegungsort verdeutlichen.

Tabellarische Übersicht
JahrTitel, Erscheinungsort und JahrBemerkungen
1660La Pieta trionfante, Messina(?) 1660.Dt.: Die triumphierende Frömmigkeit.
Die Publikation entstand während Guarinis Zeit in Messina, 1660-1662.
Zwischen 1660 und 1662Theaterstück.Gerd Schneider erwähnt ein Theaterstück, welches Guarini in seiner Zeit in Messina 1662 schrieb [SCHNEIDER 1997, S. 7]. Nähere Angaben zu Titel und Entstehungsjahr wurden jedoch nicht gegeben.
1665Placita Philosophica, Paris 1665.Dt.: Die stille Philosophie.
In Paris weilte und wirkte Guarini von 1662 bis 1666.
[ANDEREGG-TILLE 1962, S. 15]
1674Modo di misurare le fabbriche, Turin(?) 1674.Dt.: Methoden zur Vermessung von Bauwerken.
Ab 1668 war Guarini Hofbaumeister bei der Adelsfamilie Savoyen in Turin.
1675Compendio della Sfera Celeste, Turin(?) 1675.Dt.: Ein Überblick der Himmelskörper.
Ab 1668 war Guarini Hofbaumeister bei der Adelsfamilie Savoyen in Turin.
1676Euclides adauctus et methodicus, Turin(?) 1676.An anderer Stelle wird das Traktat auf 1671 datiert.
Dt.: Aufstieg und Methoden des griechischen Philosophen Euklid. (lat.: Euclides; auch: Euklid von Megara)
Ab 1668 war Guarini Hofbaumeister bei der Adelsfamilie Savoyen in Turin.
1676Trattato di fortificazione, Turin(?) 1676.Dt.: Traktat zu Festungsbauten.
Ab 1668 war Guarini Hofbaumeister bei der Adelsfamilie Savoyen in Turin.
1677Leges Temporum et Planetarum, Turin(?) 1677.Dt.: Über die Zeit und die Planetenstellung.
In verschiedenen Quellen wird das Erscheinungsjahr des Werkes mit 1678 angegeben.
Ab 1668 war Guarini Hofbaumeister bei der Adelsfamilie Savoyen in Turin.
1683Caelestis Mathematicae, Pars I et II, Turin(?) 1683.Dt.: Die göttliche Mathematik/ Astrologie, Teil 1 und 2.
Ab 1668 war Guarini Hofbaumeister bei der Adelsfamilie Savoyen in Turin. 1683 starb Guarini während einer Reise(?) in Mailand (Lombardei, Italien; damals: Herzogtum Mailand).
1686Dissegni d’architettura civile et ecclesiastica, Turin 1686.
(Disssegni D’Architettura Civile et Ecclesiastica, Torino 1686.)
(Abb. 5.01)
Dt.: Zeichnungen von Profan- und Sakralarchitektur. (oder: „Zeichnungen von ziviler Architektur und Kirchenbauten“)
Guarini starb im Jahr 1683 auf einer Reise(?) in Mailand, weswegen die Publikation posthum erschien. Wer sich für die Veröffentlichung verantwortlich zeichnet, ist der Autorin unbekannt.
1737Architettura civile, Turin 1737.
(Abb. 5.02-5.05)
Dt.: Zivilarchitektur. (Unter Zivilarchitektur lässt sich jede Art von Baukunst verstehen, die nichts mit Militär oder Festungsbau zu tun hat.) 
Die Publikation wurde 54 Jahre nach dem Tod Guarinis von Bernardo Antonio Vittone (* 1700) [ANDEREGG-TILLE 1962, S. 18] veröffentlicht. Von Vittone heißt es weiter, dass er an verschiedenen noch unvollendeten Bauwerken Guarinis als Baumeister arbeitete und diese zur Fertigstellung brachte. Das Werk „Architettura civile“ war Guarinis letztes und [es gilt als sein] maßgeblichstes Traktat.
Das Buch ist heute in verschiedenen Auflagen erhältlich. Hierzu siehe Kapitel Literatur „Verwendete Printmedien“ sowie „Weitere Literatur“.
Ein Kommentar zu den Inhalten und deren Wirkung

Guarini veröffentlichte als Wissenschaftler eine ganze Reihe von Traktaten und Büchern; 10 von diesen sind den genutzten Quellen bekannt und wurden oben aufgelistet. Neben den wissenschaftlichen Abhandlungen soll nach den Ausführungen von Gerd Schneider aus der Feder Guarinis ein Theaterstück stammen, welches in den Jahren 1660 bis 1662 entstanden sein soll [SCHNEIDER 1997, S. 7]. Die frühen wissenschaftlichen Werke Guarinis sind eher theologisch-philosophischer Natur. In seinem in Paris veröffentlichten Werk „Placita Philosophica“ verteidigt er unter anderem das geozentrische Weltbild entgegen dem der Denker Nikolaus Kopernikus (1473-1543) und Galileo Galilei (1564–1642). Dieses mathematisch-philosophische Werk beinhaltet noch eine ganze Reihe weiterer Thesen und Gedanken, die von intellektueller und komplexer Gestalt sind.

Mit seiner Ankunft in Turin und seiner neuen beruflichen Stellung als Hofbaumeister änderte sich die thematische Gewichtung seiner Abhandlungen. In den Vordergrund traten Astronomie, Mathematik und Baukunst, welche sowohl militärische Bauten als auch Zivil- und Sakralarchitektur umfasste. Immer wieder lassen sich Parallelen zwischen der Biografie oder den Projekten Guarinis zu seinen Veröffentlichungen finden. Als Beispiel soll die Publikation „Modo di misurare le fabbriche“, auf Deutsch: „Methoden zur Vermessung von Bauwerken“, angeführt werden, die 1674 erschien. Wenige Jahre zuvor übernahm Guarini die Baustellen von San Lorenzo und der Cappella della Sacra Sindone. Bei diesen bereits seit Längerem laufenden Bauvorhaben musste sich der Baumeister zuerst mit dem bereits bestehenden Mauerwerk auseinandersetzen, was sicherlich ein Bauaufmaß beinhaltete, bevor er tatsächlich seine Planungen baulich umsetzen konnte. Seine dabei gewonnenen Erkenntnisse wird Guarini vermutlich in dem angesprochenen literarischen Werk verarbeitet haben.

Das Thema Aufmaß ließ Guarini nicht los, weswegen er es auch in seinem literarischen Hauptwerk, der „Architettura civile“, wieder aufgriff (Abb. 5.02 und 5.03). Das Werk, welches 1737 posthum durch Bernardo Antonio Vittone (* 1700) [ANDEREGG-TILLE 1962, S. 18] veröffentlicht wurde, umfasst jedoch vielmehr Themen der Baukunst. Es scheint so, dass Guarini all sein Bauwissen in dieses Buch verpackte. Das Traktat umfasst eigentlich fünf einzelne Themen (Traktate, ital.: Trattati), welche in einzelne Kapitel (Capo, Plural: Capi) unterteilt sind. Das erste Traktat („Trattato primo“) beschäftigt sich mit der Architektur im Allgemeinen („Dell’Architettura in generale“) bzw. mit Planungsgrundlagen. Im zweiten Traktat („Trattato secondo“) erfahren wir etwas vom Entwurf des Gebäudegrundrisses („Della Ichnografia“). Der Entwurf des vertikalen Aufbaus eines Gebäudes wird im dritten Traktat („Trattato terzo: Della Ortografia elevata“) thematisiert (Abb. 5.04-5.05). Darin erhält der Leser auch Detailinformationen zu den verschiedenen Säulenordnungen und zur Planung von Gewölben. Im Traktat vier wird das zeichnerische Konstruieren behandelt („Trattato quarto: Dell’Ortografia gettata“). Von ähnlichem Inhalt ist das fünfte Traktat („Trattato quinto: Della Geodesia“). Ein Abbildungsteil illustriert die schriftlichen Ausführungen Guarinis (Abb. 5.03-5.05). Die einzelnen Zeichnungen sind auf Tafeln (ital.: Lastra) abgelegt und mit der Information ausgestattet, zu welchem Traktat diese gehören (z.B.: Tafel 1 von Traktat 1, Figur 2). Abschließend folgen 34 Entwurfszeichnungen, die sogenannten „Dissegni“, die von 1 bis 28 einfach durchnummeriert sind (siehe Abb. 2.04-2.05, 3.03-3.08, 3.11, 3.27-3.28). Die Nummerierungen der Entwurfszeichnungen 29 bis 34 fehlen jedoch.

Das Werk „Architettura civile“ beeindruckt noch heute, weswegen immer wieder Neuauflagen mit verschiedenen Gewichtungen erscheinen: Beispielsweise wurde 1964 das Traktat zweibändig aufgelegt. Ein Textband („Testo“) und ein begleitender Bildband („Tavole“) wurden durch den englischen Verlag Gregg Press Limited herausgegeben (siehe GUARINI/ GREGG 1964a und GUARINI/ GREGG 1964b). Bianca Tavassi la Greca veröffentlichte 1968 eine kommentierte Fassung des Werkes mit einem Umfang von 471 Seiten (siehe „Weitere Literatur“). Die theoretischen Auseinandersetzungen Guarinis mit dem Wesen und den Facetten der Baukunst stellten eine wichtige Grundlage für das Schaffen nachfolgender Baumeistergenerationen dar. Guarino Guarini lieferte eine Art Anleitung für eine vielfältige zukünftige Architektur. Nicht zuletzt erhielten junge Baumeister durch die Zeichnungen nicht realisierter Entwürfe Ideen für ihre eigenen Projekte: „Mehr als die errichteten Bauten waren es diese in ganz Europa verbreiteten Stiche, die die Architekten bis tief ins 18. Jahrhundert fasziniert und angeregt haben.“ [SCHNEIDER 1997, S. 8]. Den Wert der Publikation muss Bernardo Antonio Vittone erkannt haben, als er Guarinis Manuskript [erstmals] in den Händen hielt, weswegen er sich für die posthume Veröffentlichung 1737 einsetzte. Verwundert es denn dann noch, wenn man bei Schneider liest: „Kein anderer Architekt des 18. Jahrhunderts ist der Formensprache Guarinis mehr verbunden als Vittone.“ [SCHNEIDER 1997, S. 9].

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