Forschung

In der Forschung stehen die vielschichtigen Verhältnisse von Technik und Umwelt im Mittelpunkt. Konkret geht es um die Erkundung von relationalen Konstellationen und Beziehungsgefügen, von Lebensformen und von soziotechnischen Vorstellungswelten in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.


Technik wird als kulturelle Praxis untersucht, dabei kann es um technowissenschaftliche Objekte gehen, um soziotechnische Imaginationen, um technische Wissensformen, oder um die Theorie der Technowissenschaft in Abgrenzung zu Wissenschaft und Technik. Konkrete Themen können sein die Computerisierung von Wissensbereichen, der Extraktivismus in Lateinamerika, Analyse von Datenpraktiken, Technik als Lebensform, Heuristik als kombinatorische Technik.

Wir verstehen unter Umweltanthropologie die kritische Analyse der Bedeutung von Technik bei der Hervorbringung und Manipulierung von Umwelt durch den Menschen. Methodisch interessieren wir uns für eine philosophische Feldforschung, theoretisch geht es um eine Auseinandersetzung mit Assemblagen, Ensembles, Gefügen von Technik und Umwelt. In den Blick kommen können Interspeziesbeziehungen, Maschine-Daten-Mensch-Relationen im Anthropozän, der Wandel vom Homo Faber zum Homo Hortensis.

Die Visualisierung von Daten und von Bildern als Daten ist fester Bestandteil der epistemischen Praxis, der wissenschaftlichen Validierung und Darstellung. Wir interessieren uns insbesondere für die Bildkulturen der Umweltwissenschaften und der Ökologie: was macht Bilder als wissenschaftliche Währung aus, wie werden Bilder zu Umweltikonen, welche Bildwelten erzeugen Ökologie und Umweltwissenschaften.

Die Heuristik der Ingenieurs- und Naturwissenschaften ist zukunftsorientiert, es geht häufig um die Visionierung neuer Technologien oder von kontrollierbaren Regelhaftigkeiten. Notwendig damit verknüpft sind Vorstellungen zum sozialen, ökonomischen und ökologischen Wandel, die sich in technischen Zukunftsnarrativen niederschlagen. Die Untersuchung vergangener Zukunftsnarrative und ihres spekulativen Potentials, etwa die Anfänge der Eisenbahn, des Computers, der Nanotechnologie, generell die Geschichte der Technikbewertung, trägt wesentlich bei zum Verständnis aktueller Zukunftsnarrative.

Leitgedanke zur Forschung am Lehrstuhl Allgemeine Technikwissenschaft

  • Prof. Dr. Astrid Schwarz

    Unsere Forschungsheuristik verstehen wir im Sinne einer philosophischen Feldforschung, insofern wir empirisch messende wie auch begriffliche und interpretatorische bzw. hermeneutische Ansätze verfolgen. Wir denken unsere Forschung in einem oszillierenden Spannungsfeld von Technik, Wissenschaft, Philosophie und Kunst, wir arbeiten disziplinär und jenseits disziplinärer Grenzen, mit analytischen und heuristischen Methoden.

    Prof. Dr. rer. nat. habil. Astrid Schwarz

Das heuristische Denken gilt als eine Schlüsselkompetenz des Ingenieurswesens. Wir untersuchen die Heuristik als Methode im Sinne einer problemlösenden Strategie und beschäftigen uns mit exemplarischen Fallstudien, in denen sich unterschiedliche Facetten dieses Denkens und Handelns, als experimentierendes, bastelndes, erprobendes, gestaltendes, entwerfendes, spielendes, zeigen. Zum anderen nutzen wir das heuristische Denken zur Untersuchung etablierter Narrationstechniken und verbreiteter soziokultureller Interpretationsmuster. Wir sind also daran interessiert die wechselseitige Konstituierung von Phänomenen, Methoden, Konzepten und ihre Gestaltungslogik an verschiedenen Gegenstandfeldern zu untersuchen.

„Umwelt“ kommt dann allgemein im Sinne sozialer und gebauter technischer Umwelt in den Blick (z. B. Digitalisierung, Virtual Reality, soziale Robotik, nachhaltiges Bauen, urbane Gärten, rekultivierte Landschaft), wie auch als Umweltproblem (z. B. Anthropozän und Klimawandel, Zersiedelung und Landschaftszerstörung, Artensterben und Naturentfremdung). Ein weiterer Themenkomplex ist die Analyse und Bewertung von aktuellen (oder vergangenen) Visionen künftiger Konstellationen von Technik und Umwelt.