Geschichte der Technik- und Wissenschaftsforschung an der BTU Cottbus-Senftenberg (GTW@BTU)

Die Technik- und Wissenschaftsforschung an der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und ihren Vorgängern hat Tradition und wie die Hochschule selbst viele Umbrüche und Umstrukturierungen erlebt. Von Beginn an war der Einfluss der Lehrstühle in diesem Bereich in Forschung Lehre an der Universität sichtbar und hat vieles bewegt: Es gab eine Fakultät für Philosophie und Sozialwissenschaften, ein Zentrum für Technik und Gesellschaft, die Studiengänge Kultur und Technik wurden gegründet, das fachübergreifende Studium in seiner BTU-spezifischen Form erfunden. Bis heute sind diese Ideen und Aktivitäten sichtbar, gleichzeitig hat die Technik- und Wissenschaftsforschung viele Einschränkungen und auch Fehlschläge hinnehmen müssen. Seit 2017 ist der Lehrstuhl Allgemeine Technikwissenschaft besetzt, seit diesem Jahr, 2021, gibt es einen Lehrstuhl für Technik- und Umweltsoziologie, beide stehen für einen Neustart der Technik- und Wissenschaftsforschung an der BTU. 

Ziel des Projektes „Geschichte der Technik- und Wissenschaftsforschung an der BTU Cottbus Senftenberg“ (GTW@BTU) ist die Aufarbeitung dieser bewegten Geschichte anhand archivierter Schriften und Dokumente, durch Interviews mit Zeitzeugen und aktuellen Universitätsmitgliedern, Einladung externer Kolleginnen und Kollegen sowie Befragung von Institutionen in Wissenschaft, Administration und Industrie. Durch diese Beschäftigung mit der Geschichte von Strukturen, Personen und Konzepten wollen wir Diskussionen anregen und Fragen stellen zur Bedeutung von Forschung und Lehre der Technik- und Wissenschaftsforschung für die aktuelle BTU Cottbus-Senftenberg. Das Forschungsprojekt wird auf der Webseite des Lehrstuhls für Allgemeine Technikwissenschaft dokumentiert durch Kommentare, interessante historische Dokumente, und durch wissenschaftliche Forschungsarbeiten.

Dieses Projekt befindet sich in Vorbereitung.

Weiterführende Informationen

Epistemisches Ordnen von Naturen, Kohle und Transformation in der Sorbischen Lausitz

Die Transformation der Lausitz ist nicht nur umstritten, erwünscht und bekämpft, sie ist auch Gegenstand von Wissenspraktiken. Wissenspraktiken sind auch ordnende Praktiken – sie ordnen das Wissensobjekt. Dieses Ordnen kann sowohl direkt vorgehen, etwa im epistemischen Ordnen, wie auch indirekt, vermittelt von materiellen Praktiken. Dieses Projekt analysiert vorherrschende Wissenspraktiken in der Sorbischen Lausitz in welchen die wechselseitigen Bezüge von Naturen, Kohle und der Kapazität zur Transformation verhandelt werden. Als Zugang dazu wählt das Projekt vielfältige Artefakte von kollaborativen Wissenspraktiken. Im Fokus sind spezifische Artefakte von Praktiken in welchen sorbische Akteure und Aussagen mitbestimmen wie Natur(en) und Kohle(n) gedacht werden. Das Projekt fragt nun, wie diese Artefakte ordnend im Diskurs der Transformation mitwirken.

Dieses Projekt wird von Ingmar Lippert mit Unterstützung von Markus Vorreyer bearbeitet.

GOTO – Genesis and Ontology of Technoscientific Objects

Das GOTO-Projekt wurde gefördert als DFG/ANR-Projekt (2011–2014) und war eine Kollaboration zwischen Technikphilosophen der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne und der Technischen Universität Darmstadt. Es beschäftigte sich mit der Entwicklung einer Philosophie der Technikwissenschaften anhand der Untersuchung von Forschungsobjekten. Wie ist eine technikwissenschaftliche Forschung im Gegensatz zu naturwissenschaftlicher Forschung zu charakterisieren? Welche Fragen stellen sich hier im Blick auf Ontologie und Epistemologie?

Handbook of Ecological Concepts (HOEK) Forschungs- und Publikationsprojekt

Gegenstand dieses Projektes ist ökologisches Wissen und die damit verbundenen historischen und philosophischen Fragen. Es wurde von Astrid Schwarz (TU Darmstadt) und Kurt Jax (UFZ Leipzig) initiiert und in einer Reihe von Workshops in Paris 2002, Leipzig 2004 und Darmstadt 2006 im Sinne eines Netzwerks und Editionsprojektes entwickelt. Der Enthusiasmus vieler KollegInnen machte es möglich, dass nach etwa 10-jähriger Kollaboration in wechselnden Konstellationen ein internationales und interdisziplinäres Nachschlagewerk und Wissenschaftsnetzwerk entstanden ist.

Im Zentrum des Projektes stand die Frage danach, wie und in welchen Kontexten ökologische Konzepte begegnen, ihre Kontinuitäten, Brüche und semantischen Verschiebungen nachzuvollziehen. Ausdrückliches Ziel war es, die Prozesse konzeptueller Transformationen und die Strategien robuster Konzepte im zeitgenössischen und historischen ökologischen Wissen zu analysieren. In „Ecology Revisited“ werden folglich ökologische Begriffe nicht vor dem Hintergrund einer Richtig-Falsch-Bewertung diskutiert, stattdessen wird im Sinne einer begriffshistorischen Methode gefragt, wie, wann und warum sie eingeführt und gebraucht wurden. Es wird eine systematisch orientierte Geschichte des Begriffs „Ökologie“ angeboten, umgekehrt wird gefragt, wie Begriff und Phänomen „Ökologie“ zu historischen und philosophischen Debatten im 20. und 21. Jahrhundert beigetragen haben.

„Ecology Revisited“ rekonstruiert auch die Geschichte einer zunehmend an Bedeutung gewinnenden Forschung zur Beziehung von Mensch und Umwelt. Die Texte verschaffen den Lesern einen Überblick der theoretischen, institutionellen und historischen Entstehung von ökologischem Wissen. Epistemologische und geschichtsphilosophische Konstellationen werden untersucht, etwa wie sich Ökologie in der klassischen Holismus-Reduktionismus-Debatte verorten lässt, oder wie Organizismus und Emergentismus in ökologischen Theorien aufgegriffen wurden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Untersuchung der Wissensordnungen in der Ökologie als Naturwissenschaft: Was ist die innere Dynamik dieses Wissens und was macht seine Komplexität aus? Was unterscheidet die Ökologie und was teilt sie mit anderen Wissenschaften? Auch Ökologie als gesellschaftliche Bewegung kommt zur Sprache, und auch die Frage, welche Art von Zukunftswissen von der Ökologie erwartet werden darf.

Von Anfang an wurde das Projekt als Beitrag zur ökologischen Forschung betrachtet. In diesem Sinne ist das Projekt ein gutes Beispiel für eine „philosophy of science in practice“, also einer Philosophie, die sich für die genuinen Problem ihres Forschungsgegenstands interessiert und auch zur Problemlösung beitragen will. Gleichzeitig wurde beim HOEK die historische Dimension zu keiner Zeit aus den Augen verloren. Angeboten werden Reflexionen zur Begriffsgeschichte der Ökologie und was sie von anderen begriffsgeschichtlichen Unternehmen unterscheidet. Solche Ansätze wurden während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in diversen enzyklopädischen Projekten in den Bereichen Geschichte, Politik, Musikwissenschaften und Philosophie entwickelt. Anstatt einfache Definitionen und Erklärungen zu liefern, wird hier versucht die Dynamiken der Begriffsbildung und konzeptuelle Transformationen nachzuvollziehen. Im Handbuch ökologischer Forschung wurde diese Methode aufgegriffen und für einen Forschungsgegenstand weiterentwickelt, der sich durch disziplinäre Hybridität auszeichnet, sowohl innerhalb des naturwissenschaftlichen wie des wissenschaftlichen Kanons überhaupt.

Andererseits werden in diesem Buch Entstehungsgeschichten ökologischen Wissens erzählt, wie diese sich durch disziplinäre Ordnungen, Forschungsgegenstände, institutionelle und nationale Kontexte unterscheiden. Geschildert werden die Geschichten der Anfänge der Ökologie in Frankreich und Spanien, in Russland, den USA und Grossbritannien sowie im deutschsprachigen Raum. Ein weiterer Schwerpunkt sind die disziplinären Grenzdiskurse, etwa zur Geographie oder zur Ökonomie, zwischen angewandter und Grundlagenforschung oder zur Systemtheorie. Die Arbeit an und mit ökologischen Phänomenen war von Beginn an nicht auf den akademischen Kontext beschränkt. Ökologie ist vielmehr ein Wissensbereich, in dem eine Vielzahl von Praktiken, Konzepten und Theorien aus verschiedenen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen etabliert sind. Dies besser zu verstehen ist ein zentrales Anliegen des Buches, einerseits um ökologisches Wissen in Wissenschaft und Gesellschaft des 21. Jahrhunderts besser verorten zu können, zum anderen aber auch, um zu den aktuellen Disputen um Verhältnis und Verhältnismäßigkeiten von Natur und Kultur beizutragen (Klimawandel, Schutz der Artenvielfalt, Verwaltung erneuerbarer Ressourcen).

Weiterführende Informationen


Iride

Schwarz, Astrid. 2021. „Framed Landscapes – or – Without a Frame there is no Landscape“.
In: Iride, Filosofia e discussione pubblica 1/2021: 29-49.
Società editrice il Mulino.

Link zur Zeitschriftendatenbank
(als Fernleihe über den KOBV bestellbar)


BTU News 54

Schwarz, Astrid; von Xylander, Cheryce; Lewerentz, Claus. 2019. „Künstliche Welten gestalten unsere Umwelt“.
BTU News 54: 15.

► In der Bibliothek der BTU
Download


Digital Materialism. Origins, Philosophies, Prospects

Baruch Gottlieb. 2018. Digital Materialism. Origins, Philosophies, Prospects.
Reihe: „Digital Activism and Society. Politics, Economy and Culture in Network Communication“.
Emerald Publishing Limited.

► In der Bibliothek der BTU


Science & Technology Studies. Special Issue: Numbering, Numbers and After Numbers

2018. Science & Technology Studies. Special Issue: Numbering, Numbers and After Numbers.
Herausgegeben von Ingmar Lippert und Helen Verran.
European Association for the Study of Science and Technology (EASST) und Finnish Association for Science and Technology Studies (FSTS).

► In der Bibliothek der BTU


Research Objects in their Technological Setting

2017. Research Objects in their Technological Setting.
Herausgegeben von Bernadette Bensaude-Vincent, Sacha Loeve, Alfred Nordmann und Astrid Schwarz. Reihe: „History and Philosophy of Technoscience“, herausgegeben von Alfred Nordmann.
London, New York: Routledge.

► In der Bibliothek der BTU


A Political Economy of the Smallest Things

Baruch Gottlieb. 2016. A Political Economy of the Smallest Things. The Materiality of Images at the Nano-scale.
Atropos Press.

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Experiments in Practice

Astrid Schwarz. 2014. Experiments in Practice.
Reihe: „History and Philosophy of Technoscience“, herausgegeben von Alfred Nordmann.
London, New York: Routledge.

► In der Bibliothek der BTU


Wandel von Autonomie und Kontrolle durch neue Mensch-Technik-Interaktionen. Grundsatzfragen autonomieorientierter Mensch-Technik-Verhältnisse

2014. Wandel von Autonomie und Kontrolle durch neue Mensch-Technik-Interaktionen: Grundsatzfragen autonomieorientierter Mensch-Technik-Verhältnisse.
Herausgegeben von Bruno Gransche, Erduana Shala, Christoph Hubig, Suzana Alpsancar, Sebastian Harrach.
Karlsruhe: Fraunhofer ISI.

► In der Bibliothek der BTU


Ecology Revisited

2011. Ecology Revisited: Reflecting on Concepts, Advancing Science.
Herausgegeben von Astrid Schwarz und Kurt Jax.
Dordrecht et al.: Springer.

► In der Bibliothek der BTU


Science Transformed?

2011. Science Transformed? Debating Claims of an Epochal Break.
Herausgegeben von Alfred Nordmann, Hans Radder und Gregor Schiemann.
Pittsburgh: Pittsburgh University Press.

► In der Bibliothek der BTU

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