Max Mengeringhausen (1903 – 1988) Biografie

Tabellarische Biografie
JahrEreignis
1903Geburt von Max Mengeringhausen am 3. Oktober in Braunschweig, Niedersachsen, Deutschland.
1910erBesuch des Realgymnasiums in Darmstadt, Hessen, Deutschland.
1922Gymnasialschulabschluss und Reifezeugnis in Berlin, Bundesland Berlin, Deutschland.
1922Beginn des Maschinenbaustudiums an der TH Berlin-Charlottenburg, Berlin, Deutschland.
1923Verlust des Familienvermögens durch Inflation.
1923Fortsetzung des Studiums an der TH München, Bayern, Deutschland und Kennenlernen der von August Föppl (1854-1924) gegründeten Schule der Münchner Technischen Mechanik.
1923Finanzierung des Studiums durch verschiedene Werkarbeiten wie bspw. als technischer Schriftsteller, Flugreporter und Übersetzer.
1924Übersetzung des Renaissance-Werkes „De motu animalum“ – „Die Bewegung der Tiere“ vom Lateinischen ins Deutsche.
1926Hochzeit mit der Bildenden Künstlerin Irmgard Reischle.
1926Abschluss des Maschinenbaustudiums an der TH München mit dem Diplom.
1928Promotion an der TH München mit der Dissertation „Die Entwicklung der Schienenfabrikation in Deutschland“.
1928Gründung des ersten Ingenieurbüros für Haustechnik (später: Firma MERO) in Berlin, Bundesland Berlin, Deutschland.
1931Aufbau der Abteilung für Haustechnik an der Staatsbauschule in Berlin-Neukölln und Wirken als Dozent für Haustechnik an dieser Bauschule bis 1943.
1937/ 1938Erfindung der Mengering-Doppeldichtung.
1939Aufgreifen seiner Interessengebiete aus Studienzeiten und Beginn eigener Studien über Raumfachwerke.
1940Formulierung von acht Baugesetzen für Raumfachwerke.
1942Entwicklung der Mengeringhausen-Rohrbauweise (kurz: MERO-Bauweise) und Umbenennung Mengeringhausens Firma in „MERO“ mit Sitz in Berlin, Bundesland Berlin, Deutschland.
1943Genehmigung des deutschen Patents auf die „Verbindung von Rohrstäben und knotenbildenden Verbindungsstücken, insbesondere für zerlegbare Fachwerkkonstruktionen“/ MERO-Bauweise.
1948Übersiedelung der Firma MERO nach Würzburg, Bayern, Deutschland.
1953Neuanerkennung des Patents für die MERO-Bauweise innerhalb der Bundesrepublik Deutschland.
1957Durchbruch des MERO-Systems durch den Bau eines realen Raumfachwerks für die Halle der „Stadt von morgen“ auf der Interbau Berlin, Bundesland Berlin, Deutschland.
1957Seit dem Jahr schnelle Entwicklung der Firma MERO und Bau von zahlreichen Konstruktionen auf der ganzen Welt.
1970Konstruktion des Auditoriums des deutschen Pavillons mithilfe des MERO-Systems auf der EXPO in Osaka, Präfektur Osaka, Japan.
1972Auszeichnung des Deutschen Stahlbaues.
1973Auszeichnung mit der Diesel-Medaille in Silber durch das Deutsche Institut für Erfindungswesen.
1983Erhalt der Ehrendoktorwürde durch die TU München aufgrund des gemeinsamen Beschlusses der Fakultät Architektur und der Fakultät Bauingenieurwesen und Vermessung.
1988Tod am 13. April 1988 in Würzburg, Bayern, Deutschland.

Max Mengeringhausen (1903 – 1988). Biografie in Textform

Der junge Mengeringhausen

Max Mengeringhausen kam am 3. Oktober 1903 in Braunschweig, Niedersachsen, Deutschland als Sohn von Johann Mengeringhausen, kaufmännischer Direktor der Maschinenfabrik Luther, zur Welt (Abb. 2.03). Zunächst besuchte er das Realgymnasium in Darmstadt, Hessen. Aufgrund von beruflichen Veränderungen musste die Familie nach Berlin umziehen, wo Mengeringhausen die Schule fortsetzte und 1922 das Reifezeugnis bekam. [LANNERS o.J.; KURRER 2004b, S. 88]

Der Maschinenbauer

Der Beruf seines Vaters prägte Mengeringhausen besonders, denn schon in seiner Kindheit lernte er die Maschinenbauwelt kennen. Nach dem Gymnasialabschluss im Jahre 1922 begann er, an der TH Berlin-Charlottenburg Maschinenbau zu studieren. Doch die schwierige politische Situation dieser Zeit durchkreuzte seine Pläne. Der Übergang vom Deutschen Reich zur Weimarer Republik (1919), die Folgen des Ersten Weltkrieges und die Inflation machten der deutschen Bevölkerung zu schaffen. Im Jahre 1923 verlor Mengeringhausens Familie als eine unter vielen ihr Vermögen. Als Folge zog Mengeringhausen nach München, wo er sein Studium an der TH München fortsetzte und sich durch verschiedene Nebenjobs finanzierte: Er arbeitete „mit Pickel und Schaufel“, war Heizer, verteilte Zeitschriften und wirkte sogar als technischer Schriftsteller, Flugreporter und Übersetzer [KURRER 2004b, S. 88]: Das Renaissancewerk „De motu animalum“ („Die Bewegung der Tiere“) wurde von ihm aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen und mit Anmerkungen versehen. An der TH München lernte Mengeringhausen „die weltberühmte Schule der Münchner Technischen Mechanik“ [KURRER 2004b, S. 88], durch den Statiker August Föppl (1854-1924) begründet, kennen [RICKEN 1994, S. 258]. 1926 heiratete er Irmgard Reischle, eine Bildende Künstlerin. Im selben Jahr absolvierte er sein Diplom im Maschinenbau. Für seine Promotionsarbeit, die er schon zwei Jahre nach der Diplomprüfung abschloss, beschäftigte er sich mit dem Thema „Die Entwicklung der Schienenfabrikation in Deutschland“.

Der Haustechniker

Unmittelbar nach seiner Promotion ging Mengeringhausen wieder zurück nach Berlin, um dort verschiedene VDI-Aufträge auszuführen. Als Mitglied des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) leitete er auch den „Fachausschuss für Haustechnik“ innerhalb des Vereins, aus dem dann die VDI-Gesellschaft für Technische Gebäudeausrüstung entwickelt wurde [KURRER 2004a, S. 617]. 1928, ein Jahr vor der Weltwirtschaftskrise, gründete er außerdem in Berlin sein Ingenieurbüro für Haustechnik und schuf damit die Grundlage für einen neuen, aber essentiellen Wirtschaftszweig. Somit gelang es ihm, sich auf dem Gebiet der Haustechnik zu etablieren. Die Praxis aus seinem Büro wollte Max Mengeringhausen auch theoretisch anwenden und weiterentwickeln: 1931 gründete er an der Staatsbauschule in Berlin-Neukölln eine Abteilung für Haustechnik. Bis 1943 war er dort als Dozent zwölf Jahre lang tätig. Schon zu dieser Zeit wurde er als Erfinder bekannt, entwickelte z.B. 1937/ 1938 die Mengering-Doppeldichtung (siehe Abb. 2.04). Diese dient der Verbindung von Abflussrohren mithilfe von Gummiringen [KURRER 2004a, S. 618]. Die Dichtung ist heute in der Bauwirtschaft weit verbreitet und wird auch von anderen Firmen angeboten.

Der Schüler Föppls

Mengeringhausen entschied sich jedoch nicht nur für die Laufbahn eines Haustechnikers oder Maschinenbauers. Bereits als Student wurde er durch die Statikvorlesungen an der TH München inspiriert und begann sich autodidaktisch Wissen über räumliche Fachwerke anzueignen. Die Erkenntnisse von August Föppl (1854-1924), welche Föppl 1892 im Buch „Das Fachwerk im Raume“ veröffentlichte, und das von ihm selbst übersetzte Werk „Die Bewegung der Tiere“ wirkten als Indikatoren für seine Überlegungen zu Raumfachwerken. Die Beobachtung der Natur spielte dabei eine wesentliche Rolle: Er kam zu der Überzeugung, dass sich die besten Bauelemente in der Natur finden lassen, wie z.B. die Knochen der Vögel oder die rohrartigen Halme von Pflanzen (Abb. 2.05). Mengeringhausen studierte sogar kristalline Verbindungen. Er begriff die Natur als Vorbild für die Menschen, als ihre Lehrmeisterin. Anhand seiner Beobachtungen formulierte er drei Baugrundsätze/ Bauprinzipien der Natur: „Sparsamkeit“, „Sicherheit“, „Einfachheit und Schnelligkeit“. Ein weiteres Beispiel seiner aus der Naturbeobachtung gewonnenen Erkenntnisse ist der Faktor √2. Dieser Faktor bildet bei verschiedensten Wachstumsprozessen eine geometrische Reihe: Exemplarisch sei das Schneckenhaus angeführt, in dessen spiralförmigem Verlauf rechtwinklige Dreiecke mit der Hypotenuse  n x √2 eingeschrieben werden können (Abb. 2.06) [MENGERINGHAUSEN 1975, S. 42].

Der MERO-Entwickler

Während seiner Zeit als Dozent für Haustechnik an der Staatsbauschule in Berlin-Neukölln (1931-1943) arbeitete Mengeringhausen nebenbei an der Weiterentwicklung seiner Raumfachwerke. Er ordnete sich nicht den Forderungen der Nationalsozialisten hinsichtlich der Architektur und des Ingenieurwesen unter, sondern widmete sich seinen eigenen Studien. Als Antwort auf Walter Porstmanns (1886-1959) „Grundlegung der Normenlehre“ und Ernst Neuferts (1900-1986) „Bau-Entwurfslehre“ formulierte er 1940 acht Baugesetze für Raumfachwerke. Diese waren letztlich zwei Jahre später Grundlage für die Entwicklung seiner Mengeringhausen Rohrbauweise, kurz: MERO-Bauweise. Die Ausführung des von ihm erfundenen Tragsystems sollte durch seine Haustechnikfirma erfolgen. Diese erhielt deswegen im gleichen Jahr den Firmentitel „MERO“. Die Fertigung von MERO-Bauteilen verzögerte sich jedoch, denn aufgrund der militärischen Aufrüstung im Dritten Reich unterlag die Bauwirtschaft einer Materialknappheit [LANNERS O.J.]. Ein Jahr später, am 12. März 1943 erhielt der Erfinder Max Mengeringhausen deutsches Patent auf seine „Verbindung von Rohrstäben und knotenbildenden Verbindungsstücken, insbesondere für zerlegbare Fachwerkkonstruktionen“ [KURRER 2004a, S. 616]. Weitere 10 Jahre später wurde das Reichspatent für die Bundesrepublik Deutschland patentrechtlich neu anerkannt.

Nachdem seine Versuchswerkstatt zur Fertigung von MERO-Knoten neben der Ingenieurschule in Berlin-Neukölln während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde, zog Mengeringhausen 1948 mit seiner Firma nach Würzburg um. Dort gründete er Entwicklungs- und Produktionsstätten für das Tragwerk seiner MERO-Bauweise. Doch der Durchbruch von MERO gelang erst 1957: Die von Karl Otto (1904-1975) entworfene Ausstellungshalle für „Die Stadt von morgen“ auf der Interbau Berlin wurde komplett mit einem Tragsystem aus MERO-Stäben und -Knoten und mit einer von Frei Otto (*1925) geplanten Textilhaut abgedeckt [GÖSSEL/ LEUTHÄUSER 2005, S. 453; KURRER 2004b, S. 93]. Die von Mengeringhausen erfundene Bauweise beeindruckte Baufachleute auf der ganzen Welt und wurde nachfolgend immer häufiger in verschiedenen Bauprojekten eingesetzt. Dies bedingte einen Anstieg der Anforderungen an MERO-Tragwerke: Zum Beispiel sollten zunehmend größere Räume überspannt werden. Außerdem wollte man nicht nur ebene Raumfachwerkplatten, sondern auch gekrümmte Oberflächen ausbilden. Folglich wurden die MERO-Konstruktionen immer komplexer. Aufgrund der steigenden Auftragslage entwickelte sich die Firma MERO sehr rasch und zunehmend wurden mehr Arbeitskräfte benötigt. Mit dem Einzug des Computers Ende der 1960er Jahre nannte Mengeringhausen seine Planer „Geistwerker“, da sie sich seitdem vom Entwurf, über die Berechnung, bis hin zu Konstruktion und Fertigung mit dem Rechner behalfen. Die neue Komplexität der Raumtragwerke erforderte diese Entwicklung, denn viele Projekte konnten nicht mehr händisch berechnet werden [KURRER 2004a, S. 620; KURRER 2004b, 93-94]. Mengeringhausens Zusammenarbeit mit Helmut Emde und Herbert Klimke führte zur Entwicklung von Software-Rechenmethoden, mit denen man auch kompliziertere Raumfachwerke entwerfen konnte. So entstanden beispielsweise das Auditorium des Deutschen Pavillons auf der EXPO 1970 in Osaka (Abb. 2.07) oder im Jahre 1979 die Überdachung des Stadions in Split, Gespanschaft Split-Dalmatien, Kroatien (damals: Jugoslawien; siehe Abb. 2.08.) [KURRER 2004a, S. 619-620; KURRER 2004a, S. 88].

Der gestandene Ingenieur Mengeringhausen

Im Jahr 1984, im Alter von 81 Jahren trat Mengeringhausen von der täglichen Firmenleitung der Firma MERO zurück, behielt aber den Ehrenvorsitz. Seine Faszination von der Natur blieb weiter bestehen und schien sich noch weiter zu verstärken, weswegen er sich in seinen letzten Lebensjahren noch stärker den Naturgesetzen widmete. Für sein Oeuvre wurden ihm in seinen letzten Lebensjahren verschiedene Ehrungen zuteil: Hierzu zählt unter anderem die Ehrendoktorwürde, die er 1983 durch die TU München, aufgrund des gemeinsamen Beschlusses der Fakultät Architektur und der Fakultät Bauingenieurwesen und Vermessung verliehen bekam. Max Mengeringhausen verstarb im Alter von 84 Jahren am 13. April 1988 in Würzburg, Bayern, Deutschland. Sein Unternehmen besteht weiterhin und verfügt über Niederlassungen auf der ganzen Welt. Somit wird die MERO-Bauweise bis heute weltweit angewandt.

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