Dr. Christa Kamleithner

Lehrgebäude 2D, Raum 116
Konrad-Wachsmann-Allee 8
03046 Cottbus

T +49 (0) 355 69 3125
christa.kamleithner(at)b-tu.de

Kurzlebenslauf

Christa Kamleithner studierte Architektur und Philosophie in Wien. 2004/05 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz und von 2006 bis 2012 an der Professur für Kunst- und Kulturgeschichte im Studiengang Architektur der Universität der Künste Berlin. Von 2007 bis 2013 war sie Lehrbeauftragte am Center for Metropolitan Studies der TU Berlin, und im Sommersemester 2011 lehrte sie als Gastprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg im Masterstudiengang Architektur und Stadtforschung. 2018 wurde sie mit einer Arbeit zur Genealogie der „funktionalen Stadt“ am Institut für Kulturwissenschaft an der HU Berlin promoviert, wo sie auch als Lehrbeauftragte unterrichtete. 2019/20 forschte sie als Postdoc-Stipendiatin an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit Juli 2020 ist sie akademische Mitarbeiterin für Kunstgeschichte an der BTU Cottbus-Senftenberg, wo sie im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs Kulturelle und technische Werte historischer Bauten lehrt und die Veranstaltungen des Kollegs mitorganisiert und wissenschaftlich begleitet.

Forschungsschwerpunkte

Wissens- und Kulturgeschichte des gebauten Raumes (18.-20. Jh.)
Geschichte des modernen Städtebaus
Geschichte der Nachkriegsarchitektur und ihrer Theorie
Medialität der Architektur
Theorien des sozialen Raumes

Forschungsprojekt

Die Erfindung des „Nutzers“. Eine Architektur- und Wissensgeschichte, 1957-1977

Der „Nutzer“ ist heute allgegenwärtig, sei es als „Benutzer“ von Verkehrsnetzen, „User“ eines PCs, Konsument und Konsumentin verschiedenster Dienste. Im Architektur- und Städtebaudiskurs bildet die Figur das scheinbar zeitlose Gegenüber von Architektinnen und Planern. Doch tatsächlich spricht man erst seit den 1960er Jahren vom „Nutzer“ (von der „Nutzerin“ war noch lange nicht die Rede, auch wenn es oftmals genau um sie ging): Der Aufstieg der Figur war mit der Entstehung neuer Infrastrukturen ebenso verbunden wie mit neuen Methoden der empirischen Sozialforschung und einem politischen Klima, das beides förderte. Die bisherige, auf die USA und Frankreich bezogene architekturhistorische Forschung sieht im „Nutzer“ vor allem die Mieterinnen und Mieter von Großwohnsiedlungen, die von Soziologinnen und Psychologen im Auftrag des Wohlfahrtsstaats untersucht wurden. An und mit dieser Figur wurde nach der Wahrnehmung der neuen Umwelt gefragt und Aktivität oder Passivität des Konsums gemessen. Das Forschungsprojekt fragt nach ihrem Erscheinen im deutschsprachigen Raum und legt dabei den Fokus auf Bauvorhaben, die auf Verkehr und Vernetzung zielen. Denn, so seine These, die „Nutzer“, von denen seit den 1960er Jahren die Rede ist, sind mobile Stadtbewohner und -bewohnerinnen, die ihren Wohnsitz frei wählen und die Orte ihres Alltags wie ihre sozialen Beziehungen individuell zusammenstellen. Das Projekt verfolgt die Entstehung dieser Figur zwischen 1957 und 1977 anhand exemplarischer Großbauten und der mit ihnen verbundenen Diskussionen. Sein Ziel: die Rolle der Architektur bei der Transformation der Industriegesellschaft in eine Konsum- und Kommunikationsgesellschaft herauszuarbeiten.

Publikationen
Monographien und Editionen

Ströme und Zonen. Eine Genealogie der „funktionalen Stadt“, Basel: Birkhäuser 2020

„Medien/Architekturen“, Schwerpunktthema ZfM – Zeitschrift für Medienwissenschaft 12, 2015, Gastredaktion mit Roland Meyer und Julia Weber

Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 2: Zur Logistik des sozialen Raumes, hg. mit Susanne Hauser und Roland Meyer, Bielefeld: transcript 2013

Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 1: Zur Ästhetik des sozialen Raumes, hg. mit Susanne Hauser und Roland Meyer, Bielefeld: transcript 2011

„Gouvernementalität“, Schwerpunktthema dérive – Zeitschrift für Stadtforschung 31, 2008

Ästhetik der Agglomeration, mit Susanne Hauser, Wuppertal: Müller+Busmann 2006

Aufsätze und Essays (Auswahl)

„Dangerous Congestions: Cholera, Mapping and the Beginnings of Modern Urbanism“, in: gta papers 5: „Social Distance“, 2021, 38–49

„Dessau, das Bauhaus und die Ästhetik der Rationalisierung“, in: 100+. Neue Perspektiven auf die Bauhaus-Rezeption, hg. vom Bauhaus-Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und Planung, Berlin: Jovis 2021, 114–127

„Aneignung versus Planung. „Strategien für Kreuzberg“ und der Streit um die Neuausrichtung der ARCH+, 1975–77“, https://dokumentederarchitektur.de (Juli 2021)

„Architekturtheorie um 1967: eine Umwelttheorie“, in: Juan Almarza Anwandter u.a. (Hg.), Architekturwissenschaft – Vom Suffix zur Agenda, Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin 2021, 190–208

„Krankheit, Armut, Dichte. Die Kartierung der Cholera und der moderne Städtebau“, in: dérive – Zeitschrift für Stadtforschung 81, 2020, 53-58

„Concrete Abstractions. Berlin’s Statistical Bureau and the Concept of Zoning (1862-1910)“, in: Anne Kockelkorn, Nina Zschocke (Hg.), Productive Universals – Specific Situations. Analysis and Intervention in Art, Architecture and Urbanism, Berlin: Sternberg Press 2019, 94-123

„Kategorisierung und Zonierung. Der Entwurf der modernen Stadt im Statistischen Bureau (1860-1910)“, in: Stefan Haas, Michael C. Schneider, Nicolas Bilo (Hg.), Die Zählung der Welt. Kulturgeschichte der Statistik vom 18. bis 20. Jahrhundert, Stuttgart: Steiner 2019, 51-71

„‚Überleben im Stadtteil’. Berliner Projektekultur und linke Planungstheorie zwischen 1968 und 1978“, in: Anina Falasca, Annette Maechtel, Heimo Lattner (Hg.), Wiedersehen in TUNIX! Ein Handbuch der Berliner Projektekultur. Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt 7, 2018, 109-116

„Konsum und Kritik. Die österreichische Architekturavantgarde, 1968 und die ‚Explorierung  der Empfindung’“, in: Johannes Porsch, Hedwig Saxenhuber, Georg Schöllhammer (Hg.), Wer war 1968? Kunst, Architektur, Gesellschaft. Ausstellungskatalog Lentos Kunstmuseum, Nordico Stadtmuseum, Landesgalerie Linz, Salzburg: Pustet 2018, 441-446

„Öffnen, Schließen, Filtern und Kanalisieren. Zum sozialen Gebrauch der Sinne“, in: Annette Haug, Patric-Alexander Kreuz (Hg.), Stadterfahrung als Sinneserfahrung in der römischen Kaiserzeit, Turnhout: Brepols 2016, 53-72

„Theorie der Praxis, oder: Von Nutzern und Lesern“, in: ARCH+ 221, 2015, 129-132

„Theorie des sozialen Raumes, oder: Die Konstruktion von Situationen“, in: ebd., 135-139

„Mit dem Markt planen. Zu den epistemischen Voraussetzungen moderner Stadtplanung“, in: Matthias Koch, Christian Köhler, Julius Othmer, Andreas Weich (Hg.), Planlos! Zu den Grenzen von Planbarkeit, München: Fink 2015, 35-49

„Was Architektur macht/What Architecture Does“, in: ARCH+ 217, 2014, 156-169

„Narrative Ökonomien. Kommentar zu Alexa Färbers ‚Potenziale freisetzen: Akteur-Netzwerk-Theorie und Assemblageforschung in der interdisziplinären Stadtforschung’“, in: sub\urban. Zeitschrift für kritische Stadtforschung 2/1, 2014, 116-119, zeitschrift-suburban.de

„Neue Mischungsverhältnisse. Zum Gebrauch von Infrastrukturen“, in: Nathalie Bredella, Chris Dähne (Hg.), Infrastrukturen des Urbanen. Soundscapes, Landscapes, Netscapes, Bielefeld: transcript 2013, 253-274

„Ökonomie temporärer Nutzungen“, mit Rudolf Kohoutek, in: Philipp Oswalt, Klaus Overmeyer, Philipp Misselwitz (Hg.), Urban Catalyst. Mit Zwischennutzungen Stadt entwickeln, Berlin: DOM publishers 2013, 87-93

„The Economy of Temporary Use“, mit Rudolf Kohoutek, in: Philipp Oswalt, Klaus Overmeyer, Philipp Misselwitz (Hg.), Urban Catalyst. The Power of Temporary Use, Berlin: DOM publishers 2013, 87-93

„Logistik des sozialen Raumes“, mit Roland Meyer, in: Susanne Hauser, Christa Kamleithner, Roland Meyer (Hg.), Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften, Bd. 2: Zur Logistik des sozialen Raumes, Bielefeld: transcript 2013, 14-24

„Urban Icons. Architektur und globale Bildzirkulation“, mit Roland Meyer, in: Informationen zur modernen Stadtgeschichte 2, 2011: „Urban Icons“, 17-31

„Ästhetik des sozialen Raumes“, mit Susanne Hauser und Roland Meyer, in: Susanne Hauser, Christa Kamleithner, Roland Meyer (Hg.), Architekturwissen.Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften, Bd. 1: Zur Ästhetik des sozialen Raumes, Bielefeld: transcript 2011, 14-23

„Eine Ästhetik des Gebrauchs. Die architektonische Position Ottokar Uhls“, Disko 23, 2011

„Gebrauchsweisen des öffentlichen Raumes“, in: Angela Heide, Elke Krasny (Hg.), Aufbruch in die Nähe. Wien Lerchenfelder Straße, Wien: Turia+Kant 2010, 105-116

„Differenzierte Interessenslandschaften. Homo oeconomicus und die Anfänge der modernen Stadtplanung“, in: Irene Nierhaus, Josch Hoenes, Annette Urban (Hg.), Landschaftlichkeit. Forschungsansätze zwischen Kunst, Architektur und Theorie, Berlin: Reimer 2010, 253-263

„Atmosphäre und Gebrauch. Zu zwei Grundbegriffen der Architekturästhetik“, in: Wolkenkuckucksheim 1/2009: „Das Konkrete in der Architektur“, www.cloud-cuckoo.net

„‚Regieren durch Community’: Neoliberale Formen der Stadtplanung“, in: Matthias Drilling, Olaf Schnur (Hg.), Governance der Quartiersentwicklung. Theoretische und praktische Zugänge zu neuen Steuerungsformen, Wiesbaden: VS 2009, 29-47

„‚Life, Liberty, and the Pursuit of Happiness’. Liberalism and the Image of the City in German Planning Theory around 1870“, in: Arnold Bartetzky, Marc Schalenberg (Hg.), Urban Planning and the Pursuit of Happiness. European Variations on a Universal Theme (18th–21th Centuries), Berlin: Jovis 2009, 52-65

„‚Vorstoß zur artikulierten Welt’. Der Raum der neuen Stadtlandschaften“, in: fastforeword 2/2008: „Neue Räume?“, 3-10, ffw.denkraeume-ev.de

„Planung und Liberalismus“, in: dérive – Zeitschrift für Stadtforschung 31, 2008: „Gouvernementalität“, 5-8

„(Neue) Gemeinschaften. Muster biopolitischer Raumordnung“, in: Ludger Schwarte (Hg.), Auszug aus dem Lager. Zur Überwindung des modernen Raumparadigmas in der politischen Philosophie, Bielefeld: transcript 2007, 268-284

Aktuelle Veranstaltungen und Vorträge

“Visualizing Population Density. Statistical Mapping and the Emergence of a New Urban Imaginary (1830–1910)”, Konferenz Making the Social World Objective, Universität Zürich, 11. November 2021

„In Search of Order: Hilberseimer’s Visual Patterns“, Konferenz Hilberseimer: Infrastructures of Modernity, Bauhaus Museum Dessau, 29. Oktober 2021

Architectures of Colonialism. Constructed Histories, Conflicting Memories, mit Vera Egbers, Özge Sezer, Alexandra Skedzuhn-Safir, Albrecht Wiesener, internationale Online-Konferenz, DFG-Graduiertenkolleg 1913 „Kulturelle und technische Werte historischer Bauten“, BTU Cottbus-Senftenberg, 16.19. Juni 2021, https://www.architecturesofcolonialism.net/

„Netze und Blasen. Eine Architektur- und Wissensgeschichte des ‚Nutzers’”, Online-Vorlesungsreihe „Werkstatt Architekturgeschichte“, TU Wien, 8. Juni 2021

„Architectural Theory around 1970. Opening and Closing the Field“, Sektion „Split Cultures/New Dialogues: Research in Architectural History and Theory“, EAHN Conference, Edinburgh, 2.-5. Juni 2021

„Blasen, Kapseln und Netze. Agenturen der Individualisierung um 1967“, Symposium Selbstbehältnisse. Orte und Gegenstände der Aufbewahrung von Individualität, Centre Marc Bloch, 15. November 2019

„Henri Lefebvre, der Alltag und die Architekturtheorie der 1970er Jahre“, 6. Kolloquium Architekturwissenschaft Praktiken der Architekturforschung, HCU Hamburg, 7. November 2019

„Neue Verkehrsformen. Die kameralistische Ordnung der Stadt um 1770“, Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts Zirkulation und Kontrolle. Dynamiken des 18. Jahrhunderts, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, 6. September 2019

„Spielraum und Erziehungsprogramm. Zur Soziologie der Fußgängerzone um 1970“, Tagung Urbane Muße. Materialien, Praktiken, Repräsentationen, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2. Mai 2019

„Das Neue Bauen und die Ästhetik der Rationalisierung“, XIV. Internationalen Bauhaus-Kolloquium, Bauhaus-Universität Weimar, 11. April 2019

  Foto: © KOPF & KRAGEN Fotografie

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