Dr. Roland Meyer

Lehrgebäude 2B, Raum 0.03
Konrad-Wachsmann-Allee 4
03046 Cottbus

T +49 (0) 355 69 2383
roland.meyer(at)b-tu.de

Kurzlebenslauf

Roland Meyer studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, wo er 2017 mit der Arbeit Operative Porträts. Eine Bildgeschichte der Identifizierbarkeit promoviert wurde. Von 2007 bis 2014 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Künste Berlin, am Fachbereich Kunst- und Kulturgeschichte im Studiengang Architektur. 2016/17 wirkte er als kuratorisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ausstellungsprojekt Das Gesicht. Eine Spurensuche des Deutschen Hygiene-Museums Dresden mit. Im Wintersemester 2017/18 vertrat er die Leitung der Abteilung Das Technische Bild am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit April 2018 ist er akademischer Mitarbeiter für Kunstgeschichte an der BTU Cottbus-Senftenberg.

Forschungsschwerpunkte

Geschichte und Theorie technischer Bildmedien
Medien- und Diskursgeschichte operativer Bildlichkeit
Visuelle Kultur der Moderne
Medialität räumlicher Dispositive in Architektur, Design und Kunst
Medienästhetik der zeitgenössischen Kunst

Forschungsprojekt

Die Lesbarkeit der Umwelt. Bildräume der (Des-)Orientierung 1945-1975 (Arbeitstitel)
Mit dem Aufstieg des Smartphones zur universellen Interface-Technologie erfahren wir die Welt um uns herum zunehmend als Informationsumgebung. Schichten ubiquitär verfügbarer Daten durchziehen den physischen Raum und schließen Bewegungen und Handlungen mit Operationen in Datenräumen kurz. Der »erweiterte Raum« (Manovich), der damit technisch realisiert wird, basiert allerdings auf kulturellen und epistemischen Voraussetzungen, die bis in die 1940er Jahre zurückreichen. Sie stehen im Zentrum des Projekts »Die Lesbarkeit der Umwelt« (Arbeitstitel), das nachzuzeichnen versucht, wie sich in Kunst, Design und Humanwissenschaften der Nachkriegsjahrzehnte die Vorstellung einer informationsgesättigten »visuellen Umwelt« etabliert, die über Bilder, Zeichen und Signale mit ihren »Nutzern« in eine kommunikative Beziehung tritt. Im Hintergrund dieser Entwicklung steht eine grundlegende Transformation urbaner Lebenswelten: Mit der Expansion von Verkehrsinfrastrukturen und Architekturen des Massenkonsums, deren Dimensionen und Strukturen visuell kaum mehr erfassbar scheinen, wird räumliche Orientierung zunehmend als Problem verstanden, auf das grafische Leitsysteme und erste multimediale Interfaces Antworten liefern sollen. Wo die klassische Moderne glaubte, durch Reduktion auf elementare Gestaltungselemente Räume voraussetzungsloser Transparenz schaffen zu können, entstehen nun neue, von technischen Medien durchsetzte Bildräume, die erst durch die Selektions- und Interpretationsleistung subjektiver Wahrnehmung lesbar werden.

Publikationen
Monographie und Herausgeberschaften

Operative Porträts. Eine Bildgeschichte der Identifizierbarkeit von Lavater bis Facebook, Konstanz: Konstanz University Press 2019

Medien/Architekturen (Schwerpunktthema der ZfM – Zeitschrift für Medienwissenschaft 12), Gastredaktion mit Christa Kamleithner und Julia Weber, Berlin/Zürich: Diaphanes 2015

Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 2: Zur Logistik des sozialen Raumes, hg. mit Susanne Hauser und Christa Kamleithner, Bielefeld: transcript 2013

Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 1: Zur Ästhetik des sozialen Raumes, hg. mit Susanne Hauser und Christa Kamleithner, Bielefeld: transcript 2011

Topologien der Bilder, hg. mit Inge Hinterwaldner, Carsten Juwig und Tanja Klemm, München: Fink 2008

Aufsätze und Essays (Auswahl)

Logistik der Bildermassen. Operative Bildlichkeit als blinder Fleck der ikonischen Wende, in: Jonas Etten, Julian Jochmaring (Hg.): Nach der ikonischen Wende. Aktualität und Geschichte eines Paradigmas, Berlin: Kadmos 2020 (in Vorbereitung)

Formatting Faces. Standards of Production, Networks of Circulation and the Operationalization of the Photographic Portrait, in: Marek Jancovic, Alexandra Schneider, Axel Volmar (Hg.): Format Matters: Theories, Histories, Practices, Lüneburg: Meson Press 2019 (im Erscheinen)

Gesichtsbildformate 1860/1960. Disdéri, Warhol und der Primat der Zirkulation, in: Magdalena Nieslony, Yvonne Schweizer (Hg.): Format. Normierung und Norm-Überschreitung in den Künsten seit 1960, Bern: Lang 2019 (im Erscheinen)

From Artefacts to Interfaces: Gui Bonsiepe and the Re-Definition of Industrial Design, c. 1970, in: Interface Critique 2 (2019) (im Erscheinen)

Blickkonstellationen. Zur Bildgeschichte des Gesichts (dt./engl.), in: Kat. Face It! Im Selbstgespräch mit dem Anderen, Kunstmuseum Ravensburg 2019, 122–129.

Das entgrenzte Profil. Digitale Identitäten und die Repräsentationskritik der Russischen Avantgarde, in: AugenBlick. Konstanzer Hefte für Medienwissenschaft 74 (2019): Mediale Subjektivitäten. Fotografie, Film und Videokunst, hg. von Magdalena Nieslony und Samantha Schramm, 25–36

Netzwerke und Bilderströme. Johann Caspar Lavater als Medienunternehmer, in: Felix Lenz, Christine Schramm (Hg.): Von der Idee zum Medium. Resonanzfelder zwischen Aufklärung und Gegenwart, München: Fink 2019, 319–337

False Positives. Operative Bilder der Gesichtserkennung 1970/1991/2014, in: Hanne Loreck (Hg.): Visualität und Abstraktion. Eine Aktualisierung des Figur-Grund-Verhältnisses, Hamburg: Materialverlag 2017, 144–159

Jenseits der Ähnlichkeit. Erkennungsdienstliche Identifizierung, daktyloskopische Mustererkennung und die Operationalisierung des Bildvergleichs um 1900, in: Matthias Bruhn, Gerhard Scholtz (Hg.): Der vergleichende Blick: Formanalyse in Natur- und Kulturwissenschaften, Berlin: Reimer 2017, 69–88

Fremde Muster. Übertragungswege der frühen Daktyloskopie, in: Irina Gradinari, Dorit Müller, Johannes Pause (Hg.): Versteckt – Verirrt – Verschollen. Reisen und Nichtwissen, Wiesbaden: Reichert 2016, 367–387

Operative Porträts. Formate und Protokolle erkennungsdienstlicher Bildproduktion um 1900, in: Renate Wöhrer (Hg.): Wie Bilder Dokumente wurden, Berlin: Kadmos 2016, 121–139

Interface-Theorie, in: ARCH+ 221 (2015): Tausendundeine Theorie, hg. von Stephan Trüby u.a., 94–96

Augmented Crowds. Identitätsmanagement, Gesichtserkennung und Crowd Monitoring, in: Inge Baxmann, Timon Beyes, Claus Pias (Hg.): Soziale Medien – Neue Massen, Berlin/Zürich: Diaphanes 2014, 103–118

Orte im erweiterten Raum. Zur Mikrologistik des urbanen Alltags (dt./engl.), in: A Space Called Public/Hoffentlich Öffentlich, Reader zur gleichnamigen Ausstellung im öffentlichen Raum der Stadt München, kuratiert von Elmgreen & Dragset, Köln: Walther König 2013, 300–309

Logistik des sozialen Raumes (mit Christa Kamleithner), in: Susanne Hauser, Christa Kamleithner, Roland Meyer (Hg.): Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 2: Zur Logistik des sozialen Raumes. Bielefeld: transcript 2013, 14–24

Die Instabilität der Dinge. Los Carpinteros und die Dialektik des Containers (dt./engl./span.), in: Kat. Los Carpinteros. Silence Your Eyes, Kunstmuseum Thun/Kunstverein Hannover, ivorypress 2012, 26–39

Vertauschte Nachbarschaften. Markus Schinwalds Prothesen, Apparate und Maschinen (dt./engl.), in: Kat. Markus Schinwald, Kunstverein Hannover/Lentos Kunstmuseum Linz, Nürnberg: Verlag für moderne Kunst 2011, 13–37

Urban Icons. Architektur und globale Bildzirkulation (mit Christa Kamleithner), in: Informationen zur modernen Stadtgeschichte (IMS) 2/2011: Urban Icons, 17–31

Ästhetik des sozialen Raumes (mit Susanne Hauser und Christa Kamleithner), in: Susanne Hauser, Christa Kamleithner, Roland Meyer (Hg.): Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd. 1: Zur Ästhetik des sozialen Raumes, Bielefeld: transcript 2011, 9–13

Im leeren Zentrum der Netze. Ein Versuch über Superschurken und kriminelle Genies, in: Kritische Berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften 1/2011, Jg. 39:Superhelden, hg. von Joseph Imorde und Jörg Scheller, 135–152

Politik der Unbestimmtheit. Jacques Rancière und die Grenzen des ästhetischen Regimes, in: Kritische Berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften 1/2010, Jg. 38: Das Politeske, hg. von Joseph Imorde, 19–32

Stell die Verbindung her. Zur Vervielfachung der Anschlüsse in Phoebe Washburns Systemen (dt./engl.), in: Veit Goerner, Frank-Thorsten Moll (Hg.): Phoebe Washburn. Compeshitstem. The New Deal, Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft Hannover, Heidelberg: Kehrer 2009, 90–97

Aufnahmebedingungen. Versuchsanordnung Fotoautomat, in: Inge Hinterwaldner, Carsten Juwig, Tanja Klemm, Roland Meyer (Hg.): Topologien der Bilder, München: Fink 2008, 15–25

Fast Nichts. Lektüren des Staubs, in: Zeitschrift für Kulturwissenschaften 1: Fremde Dinge, hg. von Michael C. Frank, Bettina Gockel, Thomas Hauschild, Dorothee Kimmich, Kirsten Mahlke, Bielefeld: transcript 2007, 113–124

Detailfragen. Zur Lektüre erkennungsdienstlicher Bilder, in: Ingeborg Reichle, Steffen Siegel, Achim Spelten (Hg.): Verwandte Bilder. Die Fragen der Bildwissenschaft, Berlin: Kadmos 2007, 191–208

Kartographien der Ähnlichkeit. Francis Galtons Kompositphotographien, in: Markus Buschhaus, Inge Hinterwaldner (Hg.): The Picture’s Image. Wissenschaftliche Visualisierung als Komposit, München: Fink 2006, 160–179

Lichtbildbelehrungen. Bilder im Grenzbereich. Die e-Pass-Fotomustertafeln der Bundesdruckerei, in: Bildwelten des Wissens. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik 4.2: Bilder ohne Betrachter, hg. von Horst Bredekamp, Matthias Bruhn und Gabriele Werner, Berlin: Akademie-Verlag 2006, 64–68

Aktuelle Vorträge

Wem gehört mein Gesicht? Geschichte und Gegenwart der Gesichtserkennung, Kunstmuseum Ravensburg, 11. Juli 2019

Operative Portraits. Faces, profiles, and the visual culture of identification, Tagung »Beyond the Visible«, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, 3. Juli 2019

Die Lesbarkeit der Umwelt, Graduiertenkolleg »Kulturelle und technische Werte historischer Bauten«, BTU Cottbus-Senftenberg, 26. Juni 2019

Operative Porträts. Zur Bildgeschichte der Identifizierbarkeit, Fachhochschule Bielefeld, 4. Juni 2019

Unsichtbare Megastrukturen. Die U-Bahn als urbanistisches Imaginationsarsenal, ca. 1970, Internationale Tagung »Underground Architecture Revisited«, Berlinische Galerie, 22. Februar 2019

Zugänge entwerfen. Zur Ästhetik und Kritik des Interfaces, Hochschule Wismar, 10. Januar 2019

Von den Rändern her. Zugänge zu einer Architekturwissenschaft jenseits der Architektur, 5. Forum Architekturwissenschaft: »Vom Suffix zur Agenda«, BTU Cottbus-Senftenberg, 15. November 2018

Laborräume der Visuellen Kommunikation. Die HfG Ulm und die »Semiotisierung der Umwelt«, 1954–1972, Internationale Tagung »Gestaltung ausstellen. Zeigeordnungen 1950–1970«, HfG-Archiv Ulm, 30. Oktober 2018

Vom Artefakt zum Interface. Designtheoretische Perspektiven um 1970, Panel »Interfaces und die postindustrielle Gesellschaft«, Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft, Universität Siegen, 28. September 2018

Spurensicherung und Mustererkennung. Bildpraktiken der Daktyloskopie um 1900, Gesellschaft Naturforschender Freunde, Freie Universität Berlin, 18. September 2018

Zugänge entwerfen. Zur Ästhetik des Interfaces, Bergische Universität Wuppertal, 21. Juni 2018

Testbilder. Maschinensehen, digitale Bildlichkeit und die visuelle Kultur der Gegenwart, Universität Siegen, 18. Mai 2018