Habilitationsprojekte

Christa Kamleithner: Die Erfindung des „Nutzers“. Eine Architektur- und Wissensgeschichte, 1957-1977

Der „Nutzer“ ist heute allgegenwärtig, sei es als „Benutzer“ von Verkehrsnetzen, „User“ eines PCs, Konsument und Konsumentin verschiedenster Dienste. Im Architektur- und Städtebaudiskurs bildet die Figur das scheinbar zeitlose Gegenüber von Architektinnen und Planern. Doch tatsächlich spricht man erst seit den 1960er Jahren vom „Nutzer“ (von der „Nutzerin“ war noch lange nicht die Rede, auch wenn es oftmals genau um sie ging): Der Aufstieg der Figur war mit der Entstehung neuer Infrastrukturen ebenso verbunden wie mit neuen Methoden der empirischen Sozialforschung und einem politischen Klima, das beides förderte. Die bisherige, auf die USA und Frankreich bezogene architekturhistorische Forschung sieht im „Nutzer“ vor allem die Mieterinnen und Mieter von Großwohnsiedlungen, die von Soziologinnen und Psychologen im Auftrag des Wohlfahrtsstaats untersucht wurden. An und mit dieser Figur wurde nach der Wahrnehmung der neuen Umwelt gefragt und Aktivität oder Passivität des Konsums gemessen. Das Forschungsprojekt fragt nach ihrem Erscheinen im deutschsprachigen Raum und legt dabei den Fokus auf Bauvorhaben, die auf Verkehr und Vernetzung zielen. Denn, so seine These, die „Nutzer“, von denen seit den 1960er Jahren die Rede ist, sind mobile Stadtbewohner und -bewohnerinnen, die ihren Wohnsitz frei wählen und die Orte ihres Alltags wie ihre sozialen Beziehungen individuell zusammenstellen. Das Projekt verfolgt die Entstehung dieser Figur zwischen 1957 und 1977 anhand exemplarischer Großbauten und der mit ihnen verbundenen Diskussionen. Sein Ziel: die Rolle der Architektur bei der Transformation der Industriegesellschaft in eine Konsum- und Kommunikationsgesellschaft herauszuarbeiten.

Roland Meyer: Die Lesbarkeit der Umwelt. Bildräume der (Des-)Orientierung 1945-1975

Mit dem Aufstieg des Smartphones zur universellen Interface-Technologie erfahren wir die Welt um uns herum zunehmend als Informationsumgebung. Schichten ubiquitär verfügbarer Daten durchziehen den physischen Raum und schließen Bewegungen und Handlungen mit Operationen in Datenräumen kurz. Der »erweiterte Raum« (Manovich), der damit technisch realisiert wird, basiert allerdings auf kulturellen und epistemischen Voraussetzungen, die bis in die 1940er Jahre zurückreichen. Sie stehen im Zentrum des Projekts »Die Lesbarkeit der Umwelt« (Arbeitstitel), das nachzuzeichnen versucht, wie sich in Kunst, Design und Humanwissenschaften der Nachkriegsjahrzehnte die Vorstellung einer informationsgesättigten »visuellen Umwelt« etabliert, die über Bilder, Zeichen und Signale mit ihren »Nutzern« in eine kommunikative Beziehung tritt. Im Hintergrund dieser Entwicklung steht eine grundlegende Transformation urbaner Lebenswelten: Mit der Expansion von Verkehrsinfrastrukturen und Architekturen des Massenkonsums, deren Dimensionen und Strukturen visuell kaum mehr erfassbar scheinen, wird räumliche Orientierung zunehmend als Problem verstanden, auf das grafische Leitsysteme und erste multimediale Interfaces Antworten liefern sollen. Wo die klassische Moderne glaubte, durch Reduktion auf elementare Gestaltungselemente Räume voraussetzungsloser Transparenz schaffen zu können, entstehen nun neue, von technischen Medien durchsetzte Bildräume, die erst durch die Selektions- und Interpretationsleistung subjektiver Wahrnehmung lesbar werden.

Anke Steinborn: Erzählen, Erfahren, Erinnern. Identitätsstiftung und -findung im und über den Film

Die Kulturtechnik des Erzählens begleitet und prägt uns Menschen seit Jahrtausenden. Sie ist ebenso wie die textile Kleidung Mittel und Indiz unserer Kultivierung, Zivilisierung und Identifizierung. Ausgehend vom erzählten Text sollen die Wechselwirkungen zwischen textiler Hülle und Haut beleuchtet und die Beziehungen zwischen Text und Textur, Image und Identität, Bedeutung und Affekt im Kontext der filmischen Erzählung aufgedeckt werden. Kernthese dieses Projektes ist die Überlegung, dass sich im Film über den Wechsel zwischen Textilem und nackter Haut ikonische Verdichtungen zugunsten eines assoziativen Erfahrungsraums entfalten. Dabei weicht der Stoff – der erzählerische gleichermaßen wie der textile – dem Sinnlichen, der Affizierung über die Haut. Ziel der Untersuchung ist es, unter die symbolische Hülle zu schauen und das Wesentliche darunter zu ergründen.
Ausgehend von den filmtheoretischen Ansätzen Vivian Sobchacks und Laura Marks‘ erfolgt eine Annäherung an das am Motiv der Haut sich abzeichnende identitätsstiftende Moment des Films. Dabei fungiert die Haut – so die These – nicht nur non-diegetisch als Metapher der haptischen bzw. leiblichen Erfahrung des Films und seiner „sensualen audiovisuellen Oberfläche“ (Tröhler/Hediger 2009, S. 11), sondern auch diegetisch als Schauplatz der sinnlichen Erfahrbarkeit der Protagonist:innen – ihrer Geschichte, ihrer Identität und ihrer Selbsterfahrung im Spiegel des Anderen. Über den sinnlichen Zugang zum Geschehen erfährt sich letztlich auch der Filmsehende selbst im Spiegel des Anderen – der anderen Figur, der anderen Geschichte, der anderen, filmischen Welt.

Kurzbiographie
Anke Steinborn studierte Kunstgeschichte, Kultur- und Filmwissenschaft an der Humboldt Universität und Freien Universität in Berlin sowie am Goldsmiths, University of London; 2013 Promotion an der Bauhaus-Universität Weimar zum Thema: Der neo-aktionistische Aufbruch. Zur Ästhetik des American Way of Life. Seit 2001 im Bereich Art Direction/Creative Consulting tätig. Darüber hinaus lehrt und forscht sie seit vielen Jahren an verschiedenen Instituten und Universitäten wie der BTU Cottbus, der Europa-Universität Viadrina und der Universität Bayreuth. Forschungsschwerpunkte: Raum-, Design- und Medientheorie, Futures Thinking, Ästhetiken der Affizierung. (www.ankesteinborn.de)

Dissertationsprojekte

Katrine Majlund Jensen: Experiential Practice as Preservation Process. An Approach to the Recent Ruin

If modernity has been associated with progress, a considerable part of its built legacy is facing rapid decay. Industrial wastelands and remnants of war are turning into recent ruins. Unlike their ancient counterparts deliberately preserved, they display a continuous passage of time arguably exemplifying the ruin per se.

While recognizing entropic forces as a challenge for the preservationist imperative, the dissertation advocates for the recent ruin as potential for rethinking built heritage beyond the agenda of saving. Whereas intervention and maintenance are common scopes of research, the qualities of decay and the obsolete are still in the margins. The dissertation asks how the ephemeral and temporal and their material and atmospheric expressions can be identified and formulated, to be worked with rather than dismissed. It argues that a less normative and more inductive approach is required.

Thus, this research project aims to investigate the potential of experiential practice to value processes of continued ruination. Rooted in phenomenology, it offers a systematic attentiveness to the “presence effects” of a site, beyond its significance as historical record. Selected case studies and documentary methods will create an experiential set of data, analyzed to formulate an experiential conception of the recent ruin, as ruin. The result is a framework to reconcile dichotomies of waste/heritage and nature/culture as well as a tool of analysis for fields of intervention such as preservation, design and curation.

Short Biography

Katrine holds a B.A. in Aesthetics and Culture from Aarhus University, Denmark and did her M.A. in World Heritage Studies at the BTU, Cottbus. Her museum work includes AROS, Aarhus Art Museum and the exhibition “Neolitische Kindheit, ca. 1930” at Haus der Kulturen der Welt. She worked as project coordinator and recipient of European Commission Funding, Youth in Action and Gwärtler Stiftung for the project Contemporary use of Listed Buildings, “CineEast Short Film Festival Berlin”, Kühlhaus Berlin. She was the recipient of the Women’s Advancement Initiative scholarship, BTU Cottbus and worked as part of the Young Professionals ICOMOS ISC20C Mentoring program. Since April 2020 she is doing her PhD within the DFG Research Training Group “Cultural and Technological Significance of Historic Buildings” at BTU Cottbus.

Cyril Kennel: Kritische Reflexion oder oberflächliche Spielerei? Zum Umgang mit postmoderner Baukultur in der Deutschschweiz

Die Schweiz ist ein Hort der Moderne und des Funktionalismus. Diese Position wird im architekturhistorischen Fachdiskurs bis heute verteidigt. Von einer Postmoderne ist in der deutschsprachigen Schweiz meist nicht die Rede, und wenn, dann kreisen die Beiträge um Aldo Rossis Zeit an der ETH Zürich oder um die schillernden und materialtechnisch hochwertigen Entwürfe von Robert und Trix Haussmann.

Ausgangslage der Forschungsarbeit ist die Wahrnehmung einer Diskrepanz zwischen tatsächlich gebauter Umwelt und einem Abwehrreflex gegenüber der Postmoderne, wie er für die Deutschschweiz - in Anlehnung an die an Habermas orientierten Diskurse in Deutschland - symptomatisch ist.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich die Denkmalpflege dem Thema annähert. Wie konstruiert sie die „Postmoderne“ - welche Inhalte, Topoi und Entwurfsmerkmale sind hier relevant? Ist das Konzept der Postmoderne im Kontext der Denkmalpflege überhaupt tragfähig oder erschafft es als unbeliebte contested category mehr Verwirrung als Klärung? Welche Postmoderne soll in der deutschsprachigen Schweiz für zukünftige Generationen erhalten bleiben?

Ergänzt wird die Hauptuntersuchung durch exemplarische Fallstudien aus der Baupraxis, wo sich die Frage des Umgangs mit der Postmoderne ebenso zunehmend stellt.  

Kurzbio:

Nach seinem Erststudium an der Zürcher Hochschule der Künste arbeitete Cyril Kennel in der Designsammlung des Museum für Gestaltung Zürich sowie an Forschungsprojekten im Departement Architektur der ETH und dem Institut für Design- und Kunstforschung an der Hochschule Luzern. Zusätzlich absolvierte er eine hochschuldidaktische Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich, ein vom Bund gefördertes Programm für Forschungsnachwuchs an Schweizer Kunsthochschulen sowie einen Master am Kunsthistorischen Institut der Universität Bern, wo er sich mit der Geschichtsschreibung der Postmoderne in Design und Architektur in der Schweiz auseinandersetzte.

Er unterrichtet Designtheorie sowie Design- und Architekturgeschichte an der Zürcher Hochschule der Künste sowie an diversen Höheren Fachschulen.  

Elise Kleitz: Für die Ewigkeit oder obsolet? Überwindung der Dichotomie zwischen Erhaltung und Zerstörung in der anthropozentrischen Epoche

In den 2000er Jahren bezeichnete der Nobelpreisträger Paul Crutzen die aktuelle geologische Ära mit einem neuen Begriff – das Anthropozän. Auf diese Weise betonte der Biochemiker die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf den Klimawandel. Die wissenschaftliche Gemeinschaft verwendet diesen Begriff seither, um das aktuelle Wirtschaftsmodell zu hinterfragen, das auf dem Konzept der technologischen Evolution basiert. Hiermit wird der Bedarf an systemischen Änderungen hervorgehoben.

Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, den Bereich des Denkmalschutzes in diese Debatte einzubeziehen und herauszufinden, wie man das aktuelle dichotome Verhalten überwinden kann: Die moderne Gesellschaft weist historischen Denkmälern und städtischen Zentren Werte zu, um sie für die Ewigkeit zu erhalten, während es wertlose Gebäude schafft und zerstört. Was ist die Erhaltung angesichts des Zusammenbruchs jedoch wert?

Aus historischer Perspektive zielt dieses Forschungsprojekt darauf ab, das Konzept der Obsoleszenz sowie der Erhaltung seit der großen Beschleunigung (seit dem Zweiten Weltkrieg) zu untersuchen, um schließlich den Begriff der kulturellen und technologischen Werte, die den Lebenszyklus des Denkmals bestimmen, zu überdenken. Letztlich werden Praktiken untersucht, bei denen Schöpfung und Erhaltung gleichermaßen kombiniert werden und die den Grundstein für eine neue Vision des Denkmals legen.

Biographische Angaben zu Elise Kleitz auf den Seiten des DFG-Graduiertenkollegs

Florian Riethmann: Die Geschichte des Gebäudekomplexes Prora auf Rügen - Im Spannungsfeld zwischen Diskurs, Nutzung und gebauter Substanz

Das „KDF-Seebad Rügen“ in Prora war eines der größten Bauvorhaben des nationalsozialistischen Regimes. Geplant für 20.000 Urlauber, sollte es kostengünstige Ferien am Meer für Arbeiterfamilien bieten.

Der Gebäudekomplex wurde niemals fertig gestellt. Während des Krieges wurden die Arbeiten an dem Bau abgebrochen. Die 4 km lange, halbfertige Struktur überlebte bis in die heutige Zeit. Dabei durchlief sie unterschiedliche Phasen des Umbaus, neuer Nutzung und des teilweisen Zerfalls.

Das Vorhaben will die Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des Gebäudekomplexes von der nationalsozialistischen Zeit bis in die Gegenwart erforschen. Dabei soll sowohl mit Methoden der historischen Bauforschung wie der Geschichts- und Sozialwissenschaften gearbeitet werden.

Im Verlauf des Vorhabens wird die Geschichte des Gebäudes im Wesentlichen auf zwei Ebenen verfolgt und aufgearbeitet. Zum einen durch die Analyse des Diskurses über die verschiedenen Zeiträume hinweg, zum anderen durch die Untersuchung der gebauten Substanz und den darin eingeschriebenen Spuren. In diesem Spannungsfeld soll der ideologische und planerische Diskurs zum Projekt mit dessen Umsetzung in der Realität verglichen werden.

Dabei soll untersucht werden, wie in dem Bauwerk das kulturelle und technische Wissen seiner Entstehungszeit zum Ausdruck kommt und auf welche Art es für bestimmte politische Zwecke nutzbar gemacht wurde. Darauf aufbauend soll aufgearbeitet werden, in welcher Beziehung die kulturellen und technischen Aspekte des Gebäudes zur weiteren Nutzungsgeschichte stehen.

Lebenslauf

Jahrgang 1980, Diplom-Ingenieur, Studium der Architektur and der BTU Cottbus und Universidad de Granada (Spanien), seit 2010 Mitarbeit in unterschiedlichen Architekturbüros in Deutschland und der Schweiz im Bereich Wettbewerbe, Ausführungsplanung und Projektleitung, 2015 Freiwillige Mitarbeit beim Wiederaufbau des Dorfes Brabal in Nepal in erdbebenertüchtigter Bauweise, seit Oktober 2017 Studium (MAS) der Geschichte und Theorie der Architektur an der ETH Zürich seit April 2020 akademischer Mitarbeiter an der BTU Cottbus-Senftenberg und Doktorand im DFG-Graduiertenkolleg «Kulturelle und technische Werte historischer Bauten».

Shubhani Sharma: Curatorial Activism: An Ethical Approach to Environmental Activism in India

The research concerns the relevance of curatorial activism and the role of curators in growing audience engagement in various on-site and off-site events. This project pursues the concept of curatorial activism, as defined by Dr. Maura Reilly (Reilly 2018), in an attempt to discuss its approach to environmental concerns.

A country’s environmental issues are directly related to its level of economic development and availability of natural resources. The rapid growth of population, poverty, urbanization, and other factors are responsible for environmental degradation in India. There is a need for collaboration among government agencies, NGOs, and the public to manage the issue and achieve sustainable development.

With the focus on environmental issues in the Indian context, the project aims to question the role of the curator in curatorial activism to address the problems of ecological conditions. The central research question in this project is ‘what is the impact of curating methods on audience engagement in environmental activism?’

Following this question, the natural supporting inquests are:

  • “Under which conditions can art and curatorial practices influence the audience and positively transform activist events?”
  • “Can audience engagement data be captured and used to aid the environmentalist cause?”

Following these questions, the project’s research objectives are:

  • To explore the boundaries of novel Indian art practices in environmental activism.
  • To evaluate the potential and benefits of public art practices in India and of the curatorial approach to address the challenges of eco-sustainability.
  • To study and analyze audience responses to ecological activist events in India.

The research seeks to determine whether the practice, theory, purposes, and goals of curatorial activism are working in collaboration. It also endeavours to produce a rich, original, and practice-based inquiry by organizing events and symposiums in collaboration with environmental activist groups-XR and EFI and government universities all over India. This strand of research would involve the observations of visitor behaviour, potentially allowing for ethnographic as well as phenomenological insights. It will also include observing and mapping of visitors’ reactions- the duration of their visits, their interactions with others, and their patterns of movement around the events. Through the use of these methods, the project will seek to identify current trends and the impact of activist movements on change.

Short Bio

Shubhani is a PhD candidate at BTU and will be starting her research degree in April 2021. She is currently working as a Gallery Manager and Programme Coordinator at Gallery Latitude 28, New Delhi. Her research interests include curatorial activism and environmental art, leading to the formulation of her research.

Sophie Thorak: Zwischen staatlicher Doktrin und persönlicher Stellungnahme. Internationale Konflikte in der bildenden Kunst der DDR

Der bildenden Kunst kam in der DDR der gesellschaftliche Auftrag zu, sich dem Volk anzunähern und mit den ihr eigenen Mitteln verbindliche Werte zu formulieren. Staatlich beauftragte Werke inszenierten mit großer Geste den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft und antizipierten deren Vollendung im Kommunismus. Zahlreiche Künstler*innen entwarfen utopische Zukunftsszenarien teils monumentalen Ausmaßes und richteten ihre Aufmerksamkeit auf „den Arbeiter“ als vermeintlichen Protagonisten dieser Entwicklung, deren Legitimität und Folgerichtigkeit vielgestaltig aus der Geschichte heraus begründet wurde. Die allgegenwärtige Beschwörung des proletarisch-revolutionären Erbes verband sich auch in der visuellen Kultur mit den Prinzipien des Antiimperialismus, Humanismus und Internationalismus, welche im Zusammenwirken wiederholt vehemente Solidaritätsbewegungen zeitigten. Freilich richteten sich diese zumeist auf Vorgänge in den sozialistischen „Bruderländern“. So kamen nach eindringlichen Mahnungen der grausamen Folgen des Zweiten Weltkriegs bereits seit den frühen 50er-Jahren vermehrt Werke auf, deren Augenmerk auf aktuellen weltpolitischen Vorgängen lag. Hierzu zählten die Kriege in Korea, Algerien und Vietnam, der Ungarische Volksaufstand, die Apartheid, die Erschießung Martin Luther Kings und der Militärputsch in Chile.

Im Kontext des Kalten Krieges wurden solche Darstellungen zu den Ereignissen des „internationalen Klassenkampfes“ gezielt staatlich gefördert und eingepasst in das ideologische Narrativ einer moralischen Überlegenheit des sozialistischen Systems. In entschiedener Kriegsgegnerschaft und Verteidigung der Menschlichkeit als universalem Wert entstanden die Gemälde, Plastiken und Grafikzyklen andererseits vielfach als persönliche Stellungnahme der Künstler*innen.

Das Dissertationsprojekt will erstmals einen Überblick über diesen für die Kunstgeschichte der DDR bezeichnenden Themenkomplex schaffen. Untersucht werden soll, wie die Künstler*innen sich den unterschiedlichen Ereignissen angenähert haben, mit welchen bildnerischen Strategien, ikonografischen Mitteln und kunsthistorischen Bezügen sie gearbeitet haben, und wie die Werke in ihrem Gesamtschaffen zu verorten sind. Die eingehende Erforschung der jeweiligen inneren und äußeren Entstehungsumstände wird die Kenntnisse über das staatliche Auftrags- und Ankaufswesen entscheidend erweitern und dabei helfen, das Verhältnis von staatlicher Direktive und individueller Haltung zu ergründen. Die Thematik bildet zudem jenseits der auf sich verwiesenen DDR-Topoi eine Grundlage für transnationale vergleichende Betrachtungen.

I-Wei Wu: The significance of change in uncomfortable heritage in Berlin

Heritage conservation is a process of negotiating between change and continuity, especially in urban contexts which are often sites of rapid socioeconomic change. The tendency to avoid change in terms of conservation can be found in the influential Charter of Venice, which emphasized maintaining monuments’ authenticity. Aligning with this position, we can see how heritage law is based on the idea of protecting heritage from modification. However, uncomfortable heritage (UH), a complex of forms, meanings, and functions that once represented dictatorial powers, has a significance that is very different from other types of heritage. The significance of conserving UH is not in praising their architectural forms or workmanship as many other heritage sites do. Since it has distinct characteristics from other heritage sites, the problem of how best to deal with or manage UH cannot be reduced to merely a question of maintaining its authenticity and avoiding changes.

What could be the meaning of change in uncomfortable heritage? How should heritage conservation be approached in response to UH’s distinct characteristics? This research project examines the notion of change in uncomfortable heritage. It focuses on the perpetrators’ sites that originated during the Nazi regime (1933–1945) and are protected as monuments by Historic Preservation Law Berlin (DSchG Bln) to discuss the decision-making process around preserving or eliminating urban landscapes associated with the uncomfortable past. Epistemologically it applies the interpretive approach, seeking to understand specific contexts and adopt more personal and flexible research structures. The main research methods would be mixed with case studies, archival research, and applying the techniques of observation, documentation and conducting interviews to gather data in order to reveal and uncover the hidden meanings of the phenomenon. By doing so, this research project argues that the meaning of ‘change’ in UH is different from that in other heritage sites and aims to explore the significance of change in the conservation of UH.

Short Biography

I-Wei Wu is a PhD candidate in heritage studies at BTU Cottbus-Senftenberg. As an Urbanist and multidisciplinary researcher, her thematic focuses include uncomfortable heritage, difficult heritage, perpetrator sites, urban design, participatory planning, and the intersection of how top-down system meets bottom-up initiatives. She holds a M.A. in heritage studies from Anhalt University of Applied Sciences in Germany and a M.Sc. in building and planning from National Taiwan University. Her professional experience includes working as an urban planner in the private sector “The Urbanists Collaborative”, a civil servant in Taipei City Urban Regeneration Office, and a research assistant of documentaries in the field of cultural heritage for Taiwan Public Television Service.

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