Krieg zeigen Repräsentationen des Vietnamkriegs in der Kunst der DDR in nationaler und transnationaler Perspektive

Weltweit positionierten sich unzählige Kunstschaffende gegen den Vietnamkrieg. So auch in der DDR. Die dort geschaffenen Kunstwerke mit Bezug zu dieser längsten militärischen Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts bilden den Gegenstand des Promotionsvorhabens. Es will darlegen, wie Künstler:innen den Krieg in Bilder übersetzt haben und wie ihre Werke in verschiedene Rezeptionszusammenhänge eingebunden wurden. Gemäß dem Titel „Krieg zeigen“ begibt sich das Vorhaben damit auf zwei Ebenen, für die die innen- und außenpolitischen Verhältnisse des sozialistischen deutschen Staats und die globalen Umwälzungen der späten 1960er-Jahre wichtige Bezugsgrößen bilden.

Die erste Ebene des Zeigens befasst sich mit den Werken selbst. Entlang wiederkehrender Leitmotive soll in exemplarischen Werkanalysen untersucht werden, wie Künstler:innen in der DDR den Vietnamkrieg repräsentiert haben. Mithilfe welcher Formen, Mittel und inhaltlichen Bezüge visualisierten sie den Krieg und welche gesellschaftliche Bedeutung barg ihr fiktionaler und ideologischer Gehalt?

Auf einer zweiten Ebene behandelt das Vorhaben das Zeigen von Werken des untersuchten Themenkomplexes in nationalen und internationalen Kontexten wie Ausstellungen und Publikationen. Wie wurden Werke, die in der Gesellschaft wirken sollten, ebenjener präsentiert und wie wurden sie rezipiert? Wie waren Werke mit Bezug zum Vietnamkrieg in die Internationalisierung des ostdeutschen Kunstbetriebs eingebunden? Die untersuchten Instanzen werden kritisch an die dahinterstehende kultur- und außenpolitische Agenda der DDR rückgebunden, um darzulegen, wie sie für legitimatorische und bündnispolitische Zwecke vereinnahmt wurden.

Das Promotionsvorhaben verbindet Grundlagenforschung, Werkanalysen und fokussierte Kontextualisierung, um seinen weitgehend unerforschten Gegenstand zu erschließen. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung von Kriegsdarstellungen im 20. Jahrhundert, (systemübergreifenden) Kulturtransfers zur Zeit des Kalten Kriegs und erhellt am konkreten Thema das ambivalente Verhältnis von individuell-künstlerischer Haltung und kulturpolitischer Lenkung in der DDR.

Biografische Angaben zu Sophie Thorak auf der Website des Lehrstuhls